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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Kultur

85 Eltern freuen sich über ihre eigene „Marie“

31.12.2015

Oldenburg Herbert Grönemeyer hat ihr ein Lied gewidmet, die Bloodhound Gang und Bob Dylan ebenso. Das kann wahrlich nicht jeder von sich behaupten. Und trotzdem wird die kleine Marie Kiesow von diesem Sonderstatus nicht viel haben. Die Einjährige ist nämlich nur eine von beachtlichen 85 Oldenburger Maries, die im vergangenen Jahr zur Welt kamen. Für Mama Steffi ist selbige damit zwar nicht zusammengebrochen, überrascht war sie dennoch ob der hohen Zahl Namensgleicher.

„Niemand heißt so!“, war sie noch im Juni, einen Monat vor Maries Geburt, felsenfest überzeugt. „Damit sind wir auf der sicheren Seite“, dachte sie, „und alle Freunde werden sagen: Boah, wie seid Ihr nur auf diese tolle Idee gekommen!“ Nun ja. Und dann hatten 84 weitere Eltern in Oldenburg genau die gleiche Idee. Und Maries Alleinstellungsmerkmal war keiner mehr.

Drei Vornamen

Dabei hatten Steffi und ihr Lebensgefährte Ralph im Vorfeld extra eine Liste mit Namensvorschlägen angelegt und diese ständig nachgebessert. „Eineinhalb Seiten“ lang sei die Aufzählung schließlich gewesen, auch eine „Leni“ war dabei. „Für ein kleines Mädchen ist das okay, für eine erwachsene Frau aber vielleicht etwas zu niedlich.“ Marie aber – na, das hatte doch einen ganz anderen Schlag. „Bodenständig, niedlich für Kinder und angemessen für Erwachsene, man muss ihn nicht jedem Gesprächspartner buchstabieren und er passt zum Nachnamen Kiesow.“ Und so wurde aus Leni schließlich eine Marie – bereits einen Monat vor der Geburt. Wenn Steffi über ihren hochschwangeren Bauch streichelte, über ihr Kind redete, dann erhielt dies fortan eine völlig andere Tiefe. „Ich konnte mein Baby ansprechen, es wurde dadurch noch mehr zur Person.“ Auch wenn Marie nun einen vermeintlichen Allerweltsnamen trägt, sei sie doch eines: einzigartig. „Eine echte Marie“, sagt Mama Steffi heute voller Überzeugung, „und sie sieht ja auch genau so aus wie eine.“

3248 Neugeborene

Vielleicht aber auch ein klitzekleines bisschen wie eine Alma und eine Friederike. Das sind nämlich Zweit- und Drittname der Einjährigen und eine wunderbare Erinnerung an ihre beiden Uromas. „Und wenn ihr der Name Marie zu bunt wird, kann sie sich ja für einen der anderen entscheiden.“

Namen in Oldenburg

Nachnamen: Die häufigsten Nachnamen in Oldenburg sind laut Einwohnermeldeamt: Müller, Meyer, Schmid, Schmidt, Janssen.

Vornamen (m): Wer hier wohnt, heißt entweder Michael, Thomas oder Hans (auch in Doppelnamen).

Vornamen (w): Frauen sind eine Anne, Karin/Carin oder auch eine Anna.

Das können sich in Oldenburg auch noch 127 andere Kinder, die allesamt jeweils drei Vornamen erhielten. Nur zwei können aus einem noch größeren Fundus schöpfen. Überhaupt scheinen die Eltern dieser Stadt sehr kreativ zu sein: 870 verschiedene Mädchennamen und sogar 947 für Jungs wurden hier im Jahr 2014 an 3248 Neugeborene verteilt.

Abgelehnt wurde kein einziger, dafür gibt es aber viele hundert Namen, die tatsächlich nur einmal vergeben wurden: Adelina beispielsweise. Doris, Edda, Irma, Uta, Vera oder Xenia. Schön und gut. Was aber, wenn Steffis Marie ein Junge geworden wäre? „Wir hatten immerhin auch zehn Jungennamen auf unserer Liste.“

Ein Maximilian war nicht dabei. Zumindest nicht bei den Kiesows. Trotzdem ist der vor allem in Süddeutschland beliebte Name diesmal auch Spitzenreiter in Oldenburg: 37 Mal wurde er erwählt und verwies damit Alexander und Elias auf die Plätze. Knapp hinter Marie landeten im Übrigen Sophie und Johanna. Eine Leonie war nicht dabei. „Den Namen habe ich früher immer ganz toll gefunden“, sagt die 37-jährige Steffi Kiesow, „aber dann kam eine richtige Leonie-Schwemme und ich konnte den Namen dann nicht mehr hören.“

Nicht reinreden lassen

Bei Marie wird das natürlich niemals der Fall sein. Und überhaupt: Von den anderen Maries, die in Oldenburg geboren sind, habe sie bis heute auch noch keine einzige kennengelernt. Und irgendwie wäre es vielleicht auch besser, wenn es so bliebe... denn so ein ganzer Freundeskreis von Maries für Marie – na, das wäre ja vielleicht auch nicht unbedingt das Optimum.

Ohnehin: Den Namen hatte Steffi ganz allein in die Suche mit Ralph eingebracht. Reinreden lassen wollte sie sich da keinesfalls – und kann dies auch nur allen angehenden Eltern empfehlen. „Wir mussten uns ja schon zu zweit einigen – und dann auch noch andere mitreden lassen? Nein, das war nichts für uns“, sagt sie. „Jeder hat doch einen Menschen mit diesem und jenem Namen im Bekanntenkreis, den er partout nicht leiden kann – das wäre eine Endlos-Diskussion geworden.“

Also Marie. Und ein anderer Name sei heute, ein Jahr nach der Geburt, auch gar nicht mehr vorstellbar. „Marie ist ein zarter und sehr weiblicher Name“, ist Steffi überzeugt, „und unsere Marie ist ... naja ... robust, frech, total lieb und weint wenig – eine richtige Marie halt.“

Eine, die dann doch noch ein Alleinstellungsmerkmal hat: Die Ärzte hatten nämlich schon frühzeitig den 22. Juli 2014 als Geburtstermin berechnet – und Marie dann eine echte Punktlandung hingelegt. „Das passiert nur bei weniger als zehn Prozent aller Babys“, weiß die Mama. Und das ist doch auch schon ganz schön einzigartig.

Alle Artikel der Statistik-Serie finden Sie hier.

Marc Geschonke
Redakteur
Redaktion Oldenburg
Tel:
0441 9988 2107

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