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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Kultur

Treffen: Eintauchen in die Lebensgeschichten anderer

31.03.2014

Oldenburg Was tun Sie, wenn Sie von einem bestimmten Thema nicht die geringste Ahnung haben? Eine der einfachsten Möglichkeiten ist, jemanden zu fragen, der sich auskennt. Dazu müsste man aber so jemanden kennen. Oder man nimmt ein Buch zur Hand. Gute Bücher regen schließlich auch zum Nachdenken an und lassen einen die Welt mit anderen Augen sehen.

Am besten wäre es, ein Buch zu finden, dass mit jemandem spricht. Sprechende Bücher? Ganz recht. Die gab es am Sonnabend in der „Lebendigen Bibliothek“, einem Projekt von Volkshochschule, Präventionsrat und Akademie der Ev.-Luth. Kirche.

Die „Bücher“ sind dabei nichts anderes als Menschen mit einer bestimmten Geschichte. Unter den insgesamt elf menschlichen Büchern standen ein Flüchtling, ein Obdachloser und ein psychisch kranker Straftäter ebenso zur Auswahl wie eine Homosexuelle, eine Veganerin oder eine erfolgreiche Geschäftsfrau. Für 30 Minuten konnte man sie sich ausleihen und in ihnen „lesen“.

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„Wir wollen es den Leuten ermöglichen mit Menschen in Kontakt zu kommen, die sie sonst nicht treffen. Dadurch wollen wir Vorurteile abbauen“, erklärt Projektleiterin Anna Drosdowska. Das erfordere von den Lesern, dass sie sich öffnen und zum Austausch bereit sind.

„Man glaubt natürlich, keine Vorurteile zu haben“, bemerkt Uwe Fischer von der Akademie der Ev.-Luth. Kirche. „Das Spannende an den lebendigen Büchern ist aber, dass man sich selbst manchmal dabei ertappt, weil man von seinem ,Buch’ eine bestimmte Reaktion erwartet, nur weil die Person ist, wer sie ist.“

Robert Füchsel ist als Leser gekommen. „Ich habe lange überlegt, gegen wen ich Vorurteile haben könnte, hab’ aber keine feststellen können“, erzählt der 76-Jährige. Jetzt sucht er sich einfach die „Bücher“ raus, die ihn am meisten interessieren. Zum Beispiel die homosexuelle Christel Klust. Sie hat als „Buch“ schon manch merkwürdige Erfahrung gemacht. „Mir saß ein Mann gegenüber, der völlig überrascht war, dass die homosexuelle Person eine Frau ist. Für ihn mussten das offenbar Männer sein“, erzählt sie. Immerhin ein Vorurteil konnte damit schon ausgeräumt werden.

Christopher Hanraets Varel / Redaktion Friesland
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