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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Kultur

Der Schnabel der Mona Lisa

16.03.2018

Entenhausen Das Stadtmuseum Oldenburg hat sich offenbar in Onkel Dagoberts Geldspeicher bedient. Plötzlich hängen dort berühmte Werke von Caspar David Friedrich, Leonardo da Vinci, Munch und van Gogh und … ach, nahezu alle millionenteuren Maler verschiedener Stilepochen haben die regionalen Ölschinken verdrängt.

Kann das sein? Nein, der zweite, gar dritte Blick verrät dann doch, dass irgendetwas mit der „Mona Lisa“ oder dem „Der Schrei“ nicht stimmt. Überall ist ein Schnabel mit im Spiel. Ein Schnabel wie der von Donald Duck, der Ente aller Enten. Richtig, die seit Jahren erfolgreiche Wanderausstellung „Duckomenta – Weltgeschichte neu ENTdeckt“ macht Station im Stadtmuseum Oldenburg.

Rund 160 Exponate werden hier vom 18. März bis zum 30. September gezeigt, mal offensiv wandfüllend im Riesenformat, dann wieder leicht versteckt als Miniatur-Gemälde mitten im dem üblichen Ausstellungssortiment oder auch in einer Vitrine mit antiken Büsten. Einen römischen Gott mit Schnabel sieht man wahrlich nicht alle Tage. Man muss nur ganz genau hinsehen.

Ist das nun seriöse Kunst vom „Stella anatium“ (Stern der Enten) oder doch eher satirischer Seitenhieb auf die hehre Kunst des homo sapiens? Wahrscheinlich beides, die Werke der Berliner Künstlergruppe „interDuck“ sind zwar respektlose Kommentare zu berühmten Beispielen des Weltkulturerbes, aber eben auch eigenständige künstlerische Leistungen. Mit gekonntem Pinselstrich (für „interDuck“ arbeiten nur Fachleute) und riesiger Detailfreude (bis hin zur Auswahl passgenauer Materialien) haben die fünf Mitglieder der Gruppe seit Mitte der 1990er Jahre die Ente in fast 400 Ölgemälden, Skulpturen und Keramiken verewigt – immer getreu dem Motto „Möglichst nah ans Original und doch irgendwie anders“.

Museumsdirektor Andreas von Seggern, der mit der Künstlergruppe seit über zwei Jahren die Ausstellung in Oldenburg geplant hat, ist begeistert vom Ergebnis: „Wir holen mit dieser Ausstellung neues Leben in die drei Museumsvillen, wir erreichen Zielgruppen, die sonst nicht zu uns kommen. Und die Beschäftigung mit den Enten-Bildern führt automatisch zur Beschäftigung mit den Originalen.“

Wie gesagt, die hängen immer noch nicht in Oldenburg – mit einer Ausnahme: Graf Anton Günther ist echt und exklusiv für diese Ausstellung gemalt worden. „interDuck“-Mitglied Rüdiger Stanko hat das Renaissance-Gemälde des Oldenburgischen Landesfürsten in dreimonatiger Arbeit in Enten-Manier adaptiert und ihm den Titel „Anton Bürzler“ verpasst. Recht düster und dennoch huldvoll grüßt nun der Federvieh gewordene Graf im ersten Raum einer Schau, deren Schauwert fast so groß ist wie Dagoberts Vermögen. Leute, die im Museum nicht nur staunen, sondern auch lachen mögen, sollten diese „Duckomenta“ nicht verpassen.

Klaus Fricke
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