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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Kultur

Hier finden Sie ein Schaf fürs Leben

01.02.2017

Oldenburg Bäh, Suppe! Jeden Tag Suppe. Die hat der Wolf langsam satt. Zähne- und schneeknirschend streift er durch die winterliche Einöde. Scharf auf Schaf ist er. Lammbraten in Thymian-Marinade! Tierisch knurrt sein Magen. Er braucht was zum Kauen: Fleisch.

Plötzlich taucht ein marzipanschweinrosanes Provinzschaf vor ihm auf. Unbedarft, ordnungsliebend, lammfromm – zart, süß, saftig. Das gefundene Fressen. Okay: ein bisschen hysterisch. Da muss der Wolf eben mit Stil vorgehen, den Dichter und Denker raushängen lassen, ein bisschen auf der Gitarre klimpern, dann wird er Madame schon rumkriegen. Reinkriegen. In den Bauch. Wolf lockt mit einer nächtlichen Reise „ins Land der Erfahrung“. Schaf ist begeistert und lässt sich auf das winterliche Roadmovie ein – samt Sackgasse. Denn Schaf und Wolf können nicht miteinander. Ohne einander auch nicht: Schon bevor das arglose Wollknäuel seinem Jäger auf der Schlittentour das Leben rettet, hegt er Gefühle für seinen Lammbraten in spe. Die neue Freundin ist einfach zum Anknabbern. Leider.

Wie sich Wolf an dem inneren Konflikt zwischen Zuneigung und Magenknurren die Zähne ausbeißt, und was aus dem Beginn einer unmöglichen Freundschaft wird, können Theaterbesucher ab sieben Jahren nun im Studio K der Kulturetage erleben. „Eine wunderbare Fabel“, sagt Ralf Selmer, der das Kinderbuch der Niederländerin Maritgen Matter für die Bühne umgeschrieben hat. Auf die Geschichte hat den Regisseur eine Lehrerin gebracht, doch schon bevor die Pädagogin mit dem preisgekrönten Werk zu ihm kam, war klar: Die Kulturetage sehnt sich nach jüngerem Publikum. „Das letzte Kinderstück haben wir vor zwölf Jahren gespielt“, sagt Uwe Bergeest und nimmt die dicke Wolfsmütze ab: „Ganz schön heiß darunter.“

Die Vorlage fand der Schauspieler ideal. Das Ensemble hat sich dicht daran gehalten. Dazu gedichtet worden sind Songs – ein Kohldampf-Blues des Wolfes, ein Mutmachlied, das Schaf Brit Bartuschka im plüschigen rosa Fummel tapfer während eines einsamen Waldmarsches schmettert. Nachwuchs begeistert die freie Schauspielerin auf verschiedenen Bühnen der Region regelmäßig.

Ihr Kollege wird sich an die vormittäglichen Vorstellungen erst noch gewöhnen müssen. „Demnächst bin ich morgens Wolf und abends geht es im ,Gott des Gemetzels’ zur Sache“, sagt Uwe Bergeest. Ihn hat Kostümbildnerin Regine Meinardus nicht zufällig eher menschlich – mit wenig tierischen Details – ausgestattet. Ein bisschen dickes Fell reicht. Auch Bernhard Weber-Meinardus’ Bühnenbild kommt ohne opulente Requisiten aus: Seen tun sich mit Scheinwerferkegeln auf, Häuser werden per Papp-Aufsteller aufgeklappt, Landschaften einfach beschrieben und der Schnee im Hintergrund schmilzt sowieso nicht dahin. Die Zuschauer schon – spätestens wenn rasante Rodelpartien zeichentrickartig das Studio K in ein leinwand­reifes 3D-Abenteuer verwandeln.

Uwe Bergeest spielt sich dafür tatsächlich den Wolf. Und auch Brit Bartuschkas lammfrommer erster Eindruck täuscht. Das Schaf ist clever. Und am Ende klug genug, um ungeschoren davonzukommen.

Nachdem der Wolf schließlich aus dem tückischen Eisloch gerettet ist und schockgefroren liebevoll aufgepäppelt wird, taut das Raubtier auf. Scharf auf Schaf ist er immer noch, darum schickt er seine Freundin auch fort.

Was bleibt anderes übrig? Kalte Suppe. Und eine schöne Erfahrung.

Lea Bernsmann
Redakteurin
Redaktion Oldenburg
Tel:
0441 9988 2106

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