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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Kultur

Fantasiereise und bittere Wirklichkeit

01.04.2016

Oldenburg Das Thema könnte aktueller nicht sein: Flucht und Fremde. Aber „Als mein Vater ein Busch wurde“ erzählt die Geschichte einer Flucht mal ganz anders, und zwar aus der Sicht eines Kindes.

Am Sonnabend erlebt das 50-minütige Kinderstück (ab acht Jahren) des jungen Staatstheaters seine Premiere im Spielraum. Es basiert auf dem gleichnamigen Buch der Autorin Joke van Leeuwen aus dem Jahr 2012. „Ich muss nach Woanders hin“ – Ihre Spezialität bestehe darin, aus einer kindlichen Perspektive zu schreiben: „Sie hat eine Kunstsprache entwickelt“, erklärt Dramaturg Matthias Grön. Alle Orte tragen Fantasienamen, das Wann und das Wo spielen in dieser Geschichte keine Rolle.

„Es geht darum, eine Vorstellung davon zu bekommen, wie eine Flucht erlebt wird.“, erläutert Regisseurin Lisa Brüning.

Toda, ein junges Mädchen aus Oldenburg, gespielt von der zwölfjährigen Charlotta Wohlert, durchlebt die verschiedenen Stufen der Flucht. In dem Land, in dem Toda lebt, bricht ein Krieg aus – Infolgedessen wird ihr Vater zum Busch: Das ist zumindest Todas Vorstellung vom Krieg, denn der Vater hat ihr genau erklärt, was er da machen muss, dazu gehört, sich besonders gut zu tarnen.

Zunächst bleibt Toda bei ihrer Großmutter. Als es im Land aber immer gefährlicher wird, muss das Mädchen fliehen, über die Grenze nach „Woanders“, wo ihre Mutter lebt. Auf ihrer Reise begegnet sie skurrilen Erwachsenen, die sich alle – für Toda – sehr fremd und seltsam verhalten: Der General im Ruhestand, der Kommandant, der nicht kommandieren kann oder überfürsorgliche Damen, die alle helfen wollen, allesamt gespielt von Klaas Schramm und Franziska Werner.

Was ist schon normal? Es sind unerwartete Momente, die für das Mädchen komisch, in umgekehrter Form aber auch angenehm werden. Während der Kommandant Toda schnell sympathisch wird, findet sie die hilfsbereiten Damen eher beängstigend. Das führt zu witzigen, zu traurigen, zu überraschenden Szenen. „Aus der Sicht eines Kindes bekommt man diesen ganz neuen Blickwinkel“, sagt Brüning. Die Selbstständigkeit, die das Kind auf der Flucht entwickeln muss, spiegelt sich im Spiel wider. Charlotta präsentiert sich häufig allein auf der Bühne, übt zum Beispiel, zu schießen oder sich zu tarnen. Ort des Geschehens ist eine Materiallagerhalle, in der sich viele Kisten, Säcke und Matratzen stapeln. Ein großes Lagerzelt reicht bis über die Zuschauerreihen.

Die Zuschauer sollen nachvollziehen können, wie sich Millionen Menschen auf der Welt fühlen.

Das junge Staatstheater geht auf Kinder und Jugendliche, die vor kurzem aus ihrer Heimat geflüchtet sind zu: Mit einer Lernsprachklasse der Oberschule Ofenerdiek drehte es gemeinsame Szenen, die als Filmsequenzen in dem Theaterstück eingeflochten werden.

So entsteht der Eindruck, Toda befände sich in einem Traum, der lebendig wird. Erinnerungen und die Flucht sollen zu einem gefühlvollen und unterhaltsamen Bühnenerlebnis verschwimmen.

Karten gibt es unter Tel. 2225-111 und übers Internet unter


  www.tickets.staatstheater.de 
Mehr Theater unter   www.nwzonline.de/theater 
Nina Janssen
Volontärin, 2. Ausbildungsjahr
NWZ-Redaktion
Tel:
0441 9988 2003

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