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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Kultur

Feminismus, Sex und Fragezeichen

01.04.2017

Oldenburg Lauscht man vor Beginn der Uraufführung von „Gulliveras Reise“ im Rahmen des Banden!Festivals den Gesprächen der Zuschauer, ist vor allem Unsicherheit herauszuhören: „Was erwartet uns wohl?“ „Ich kann mir gar nichts darunter vorstellen!“ oder sogar: „Zum Glück sitzen wir nicht so weit vorne.“ Das ist eigentlich nicht weiter überraschend, wenn man sich den Untertitel des Stückes anschaut. Er lautet nämlich: „Ein progressive-feminist-Science-Fiction-Softporno-Projekt mit Puppen und Menschen“. Auch wenn man sich mit den Inhalten des Banden!Festivals, das das Oldenburgische Staatstheater gemeinsam mit Gästen unterschiedlichster künstlerischer Herkunft organisiert hat, noch nicht genauer auseinander gesetzt hat, sollte spätestens beim Lesen des Untertitels klar sein, dass es sich hier nicht um das klassische Theatererlebnis handelt.

So bietet auch gleich der Einstieg eine provokante pornografische Szene mit expliziten sexuellen Handlungen zwischen zwei Frauen. Es folgen Szenen mit der Darstellung von Sturm, über Bord gehen, im Wasser treiben, an den Strand geschwemmt werden und schließlich von kleinen Menschen, die eine „Riesin“ anketten und man denkt sich: „Ah, die Gulliver-Geschichte“. Wenn man vermutet, dass nun so etwas wie eine stringente Handlung entsteht oder ein roter Faden durch das Stück führt, irrt man sich. Vielmehr handelt es sich um eine Aneinanderreihung nur lose miteinander zusammenhängender Szenen.

Motive, die immer wiederkehren sind Feminismus, Emanzipation und Sexualität. Gullivera hält beispielsweise an den Boden gefesselt einen Monolog über Feminismus und Emanzipation in Russland, die nach der russischen Revolution 1917 aufkamen, und die Rolle ihrer Großmutter darin. In der nächsten Szene berichtet eine andere Akteurin sehr privat von ihrer Familie, insbesondere von den Sexgeschichten ihres Vaters und ihres Bruders. Im Laufe der Aufführung hat so jeder Schauspieler seinen Monolog und es scheint so, als ob hier keine einstudierten Geschichten erzählt werden, sondern tatsächlich wahre Begebenheiten aus ihrem Leben. Verwirrende und zum Teil auch verstörende Szenen mit häufigen Bondage-Aktionen wechseln sich ab.

Während der Performance gelingt es dem Ensemble, immer wieder schöne Bilder zu erzeugen. Die vielen von der Decke hängenden Seile bilden ein interessantes Bühnenbild und bieten Möglichkeiten zur Interaktion. Die wiederholt auftauchenden Puppen sind einfach gestaltet, werden aber äußerst amüsant in die einzelnen Szenen eingebunden. Überzeugend ist auch die zum Teil bewegende und eingängige Musik, die fast vollständig von allen Schauspielern/Musikern an verschiedenen Instrumenten und gesanglich umgesetzt wird.

Dennoch gibt es für den Zuschauer kein entspanntes Zurücklehnen und kein Genießen, wie an einem gewöhnlichen Theaterabend. Und genau das soll es ja auch nicht sein. Fragen sollen gestellt und nicht beantwortet werden und das Publikum soll sich mit dem Gesehenen und Gehörten auseinandersetzen. Zufriedenstellend ist das nicht, denn auch nach reiflicher Überlegung und Diskussion gelangt man nicht unbedingt zu einer Erkenntnis.

Gulliveras Reise ist eine Kooperation zwischen Klaas Schramm und Johannes Lange vom Staatstheater und „Das Helmi“, einem internationalen Puppen- und Performance-Kollektiv aus Berlin. Seinen Ursprung hat das Helmi 2002 im Kindertheater mit selbst gebastelten Puppen aus Schaumstoffmatratzen. Mit zunehmender Popularität und immer wieder neuen Gastkünstlern erweiterte man auch das Repertoire um Musik, Tanz und bildende Kunst.

Im Rahmen des Banden!Festivals finden bis zu diesem Samstag noch weitere Veranstaltungen statt. Auf einem Festival-Campus zwischen Exerzierhalle und Bauwerkhalle können kurze Performances angeschaut werden. Workshops und Konzerte stehen auf dem Programm.

Im Anschluss an Gulliveras Reise gab es an diesem Abend mit „Die Rache“ eine weitere Uraufführung in der Exerzierhalle. Das Theaterkollektiv Markus&Markus hat sich hierfür ebenfalls mit Schauspielern des Staatstheaters zusammengetan und ein Stück entwickelt über das Leben jenseits der Bühne und eine Spurensuche, die zu ungeahnten Abgründen führt.

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