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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Kultur

Wie die Suche nach dem richtigen Film läuft

10.09.2018
Frage: Herr Neumann, lassen Sie mich raten: Sie haben in den vergangenen Monaten ziemlich viel Zeit vor dem Bildschirm oder der Leinwand verbracht.
Neumann: Das stimmt. Ich habe sie zwar nicht gezählt, aber alleine ich werde in diesem Jahr bestimmt 300 oder 400 Filme gesichtet haben. Zusammen mit denen, die sich mein Team angeschaut hat, liegen wir in den Tausenden.
Frage: Ihr Team?
Neumann: Das sind ungefähr zehn befreundete Schauspieler und Regisseure, die ein gutes Gefühl dafür haben, was wir auf unserem Festival zeigen wollen und welche Filme zu uns passen.
Frage: Für Sie ist es wichtig, Entdeckungen zu machen. Filme, die noch niemand kennt und die im besten Fall später durchstarten. Wo findet man Filme, die noch niemand kennt?
Neumann: Ich bin auf einigen Filmfestivals wie Berlin oder Cannes unterwegs. Neben dem Programm gibt es dort Film-Märkte, auf denen Filme wie Ware angeboten werden. Das passiert in einer ziemlich kalten Atmosphäre, fast wie auf einer Messe. In Los Angeles gibt es auch einen Film-Markt, der an kein Festival gebunden ist.
Wir beobachten natürlich auch, über welche Filme gerade geredet wird. Wir haben uns im Laufe der Jahre ein ziemlich gutes Netzwerk aufgebaut, aus dem wir auf potenzielle Entdeckungen aufmerksam gemacht werden. Und je bekannter unser Festival wird, desto mehr Filme werden uns direkt angeboten. Dafür nutzen wir inzwischen zwei Plattformen, über die in diesem Jahr rund 1500 Filme eingereicht wurden. Darunter auch „The Boat“ von Petrus Cairiry aus Brasilien, der mich ziemlich geflasht hat.
Frage: Für ein Festival sind Premieren ungemein wichtig: Weltpremieren, Internationale Premieren, Deutschlandpremieren …
Neumann: Da haben Sie Recht, aber nicht ganz. Natürlich ist es gut für die Reputation eines Festivals, wenn ein Film, der dort zuerst aufgeführt wurde, später groß rauskommt. Er ist ja dann dauerhaft mit dem Festival verbunden. Aber wir achten sehr darauf, nicht sklavisch den Premieren hinterher zu rennen. Es sollte in erster Linie um die Filme gehen, die wir den Oldenburgern und den anderen Gästen präsentieren wollen, und nicht um das Festival. Das gerät schnell mal in Vergessenheit, wie man bei einigen Veranstaltungen beobachten kann. Uns soll das nicht passieren.
Frage: Okay, aber wenn es um Premieren geht, stehen Sie im direkten Wettbewerb mit anderen, oft großen Festivals. Wie kommen Sie da zum Zug?
Neumann: Zum einen muss man möglichst früh dran sein. Wenn ich wirklich total verknallt in einen Film bin, dann sage ich das auch. Ich rufe an und erzähle wie gerne ich gerade diesen Film zeigen will. Das ist vor allem bei amerikanischen Produktionen gut angekommen. In den USA lässt man sich eher auf unkonventionelle Denk- und Entscheidungsweisen ein.
Dann hilft uns oft, dass wir ein sehr spezielles Festival sind: sehr persönlich, unkonventionell und dicht am Zuschauer und an den Oldenburgern dran. Viele mögen das. Und mittlerweile haben wir tatsächlich so ein Standing in der Branche, dass es für Filme ein Privileg ist, in Oldenburg gelaufen zu sein.
Frage: Geld fließt auch, oder?
Neumann: Bis vor ein paar Jahren haben wir uns geweigert, so genannte Screening Fees zu zahlen. Wir standen auf dem Standpunkt, dass wir ja dem Film etwas Gutes tun, indem wir ihn präsentieren, bewerben und ihm eine Plattform bieten. Mittlerweile kann sich das kein Festival mehr konsequent leisten, und auch wir bezahlen für etwa 40 Prozent der Filme, die wir zeigen. Zum Glück reden wir da von Festpreisen und keinem Überbietungswettkampf.
Frage: Läuft der Wettbewerb immer fair ab?
Neumann: Im Großen und Ganzen schon. Die Filmfest-Macher sind ja auch untereinander gut vernetzt und tauschen sich aus. Aber natürlich hört und erlebt man ab und an auch Unerfreuliches.
Frage: Zum Beispiel?
Neumann: Der Filmemacher Dan Mirvish hatte mir früh seinen neuen Film gezeigt, und ich habe ihn eingeladen. Dann fragte ein anderes deutsches Festival bei ihm an, Dan war erfreut, erklärte aber, dass sein Film vorher in Oldenburg laufen werde – und verwies dabei auch auf seine Freundschaft mit mir, um klar zu machen, dass er diese Zusage nicht zurücknehmen wolle. Daraufhin hat dieses „Festival“ ihm geschrieben, ich könne gar kein Freund von ihm sein, sonst würde ich ihm ja nicht den Weg für deren Festival versperren. So viel Eitelkeit und Mangel an Loyalität findet man aber zum Glück selten unter Festivalmachern.
Frage: Sie haben es mit ihrem Festival in den vergangenen 25 Jahren weit gebracht. Oldenburg hat einen Namen in der erweiterten Filmwelt. Gleichzeitig steigen die Ansprüche. Haben Sie Angst, dass Ihnen das über den Kopf wachsen könnte?
Neumann: Nein. Ich habe überhaupt keine Angst, dass wir uns nicht treu bleiben werden.
Katja Mielcarek
Redakteurin
Redaktion Oldenburg
Tel:
0441 9988 2103

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