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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Kultur

Flieger am Oldenburger Kino-Himmel

20.11.2010

OLDENBURG Für Karl Born stand immer fest: „Mein Schicksal war, ist und bleibt Oldenburg.“ Wer je den Mann mit dem einzigartigen Lebenslauf kennengelernt hat, wird wissen, dass da jemand mit Nachdruck die Wahrheit sagt. Der Wahrheit fühlte sich der Seemann, Flieger und Kinobesitzer Born immer verpflichtet. Ein praktizierender Oldenburger mit Geburtsort Montreux in der Schweiz.

Karl Born, der am 1. April 2004 in Oldenburg verstarb, gilt bis heute als Mitbegründer der deutschen Rettungsfliegerei – und Flugzeuge waren es indirekt auch, die seine erste Verbindung nach Oldenburg herstellten. Wer 1928 Pilot werden wollte, benötigte zuvor eine Ausbildung „vor dem Mast“, und die absolvierte er auf dem Frachtsegelschiff „Oldenburg“. Was Born, der auf den sieben Weltmeeren viel Erfahrung gesammelt und Kap Hoorn viermal umrundet hatte, wahrscheinlich eher leicht fiel.

Schwerer war da schon die Aufgabe, die der Flugkapitän im Zweiten Weltkrieg und kurz danach zu bewältigen hatte: Als Mitglied des Flugrettungsdienstes, den er in Bad Zwischenahn und auf Norderney aufgebaut hatte, musste er „Rettung zwischen den Fronten“ (so der Titel seines 1995 im Verlag E.S. Mittler & Sohn erschienenen Buches) leisten. Etwa 12 000 Menschen (deutsche Soldaten ebenso wie alliierte) verdanken Karl Born ihr Leben.

Nach dem Ende des Kriegs zog es den passionierten Flieger dann endgültig nach Oldenburg – und hier startete er seine dritte Karriere. Im 700 Jahre alten Ziegelhof-Areal am Friedhofsweg verwirklichte Born seinen höchst zivilen Traum eines Zentrums zur Förderung von Kunst und Kultur. „Viele meinten, das Engagement für das im Krieg zerstörte Anwesen sei eine Schnapsidee gewesen“, erinnerte sich Born im Jahr 1994 – wohl wissend, dass der 700 Jahre alte „Ziegelhof“ unter seiner Regie einen großen Aufschwung genommen hatte.

Am 18. August 1946 eröffnet Karl Born die „Ziegelhof-Freilichtbühne“ und holte fortan die Kultur ins Nachkriegs-Oldenburg. Die berühmte Pianistin Elly Ney trat hier auf, ebenso Musiker der Berliner und der Münchner Philharmonie. Und als die Sängerin, Schauspielerin und Tänzerin Lilian Harvey (bekannteste Filme „Die Drei von der Tankstelle“, „Der Kongress tanzt“) am Friedhofsweg sang, war die ganz große Welt im Norden der Stadt zu Gast.

Die Freilichtbühne war für Born aber nicht das Ende des wirtschaftlichen Handelns. Schon drei Jahre später standen hier die „Ziegelhof-Lichtspiele“, ein 900 Plätze großer Saal für Theater-, Musik- und Film-Vorführungen. 1957 trennte Born einen Teil des riesigen Raums ab und installierte dort ein richtiges Kino: Das „studio z im Ziegelhof“ war geboren, „der Platz für guten und künstlerischen Film“ (Born) wurde über Jahrzehnte zum wichtigen kulturellen Ort in Oldenburg.

1977 zog sich Born, der zusammen mit seine Frau Ilse („Meine Co-Pilotin“) über dem „Studio Z“ eine große Wohnung besaß, aus dem Unternehmen zurück, als Ehrenvorsitzender der von ihm mitgegründeten Gilde Deutscher Filmkunsttheater blieb der Kino-Nestor aber lebenslang „seiner“ Branche verbunden.

Am 8. Dezember 2010 wäre Karl Born, der in Oldenburg seine Heimat fand, 100 Jahre alt geworden.

Klaus Fricke

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