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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Kultur

Frischer Wind schlägt Seiten im Bach-Buch um

23.12.2014
NWZonline.de NWZonline 2015-07-21T23:11:41Z

Weihnachtsoratorium:
Frischer Wind schlägt Seiten im Bach-Buch um

Oldenburg Stellt euch vor, Johann Sebastian Bach sitzt als Grenzbeamter in einem Büro und muss entscheiden, ob er fremde Leute durchlässt. Kommen neun Musiker mit Saxofonen, wollen ins Land der großen klassischen Harmonie – und dort ausgerechnet Bach spielen! Da mag er misstrauisch abwägen. Aber gut, dieser Grenzer ist offen für fremde Einflüsse. Also: Geht rein und spielt Bach!

Und wie diese neun Bach spielen! Sie treten in der voll besetzten Ohmsteder Kirche an die Stelle der Streicher, Trompeter, Flötisten und Oboisten, die sonst den Instrumentalpart in Bachs Weihnachtsoratorium prägen. Diese „Westfälischen Saxofoniker“ harmonieren perfekt mit dem Ohmsteder Vokalensemble und den Sängersolisten. Ausgedacht hat sich den Streich, die Kantaten 1 bis 3 mit dem Nonett und Pauken partiturgerecht zu musizieren und dazu maßvoll Jazz-Resonanzen einzustreuen, Kantorin Beate Besser. Er ist prächtig gelungen.

Die alle beflügelnde Besser, auch Landeskirchenmusikdirektorin, hat mit Kontrabass-Saxofonist Andreas Bootz vom Bielefelder Ensemble den barocken Part maßgerecht übertragen und die Stilabweichungen geschmackssicher arrangiert. Da entwickeln sich Swing und Groove etwa aus der Alt-Arie „Bereite dich Zion“ heraus und kehren im Bogen ebenso zum Original zurück wie am Schluss im Chor „Herrscher des Himmels“.

Wer stilpuristisch urteilt, mag einwenden: Bach verträgt zwar viel. Aber im Prinzip braucht er das nicht wirklich. Da ist ein bisschen moderne Konfektionsware dabei. Zugegeben. Aber es bereichert die Bescherung. Es schärft die Ohren, Harmonien anders zu hören, Linien auch über Seitenwege zu verfolgen. Im offenen Bach-Buch schlägt ein frischer Wind die Seiten um.

Beate Besser hält den beweglichen Chor zu prägnanter Artikulation an, lässt ihn aber untheatralisch ohne aufgesetzten Nachdruck singen. Bach ist eben auch Theologe. Da ist zu spüren, dass die Choräle an verinnerlichten Gemeindegesang erinnern sollen. Die Solisten mischen sich glücklich ins besondere Timbre der Bläser ein: Ute Engelke (Sopran), Sophia Maeno (Alt) singen innig, Werner Kraus (Bass) expressiv. Evangelist Johannes Kaleschke weitet mit seinem Tenor die Berichte zum Weihnachtsgeschehen zu fein ausgestalteten Miniszenen aus, immer mit dem richtigen Maß für die Melodie- und Sprachbedeutung.

Die Aufführungspraxis setzt hier das Weihnachtsoratorium sowohl in einen historischen als auch zeitgenössischen Kontext. Die Bläser sind keine Rattenfänger, die die Musik nur anregend in die Ohren träufeln. Sie dringt viel tiefer. Dabei kommt sie nicht feierlich steif daher, obwohl sie nach außen kaum mit Pracht und Prunk geizt. Aber sie wärmt nach innen die Herzen.

Gut, dass nur wenige Grenzen die Wege zu Bach versperren.