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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Kultur

Soziales: Ganz normal ist einzigartig – Leben mit Behinderung

27.02.2016

Oldenburg Leben wollte er. Wie alle anderen Menschen auch. In einem kleinen Haus. Mit Vorgarten. Und einem Bäcker um die Ecke. Nachbarn, die Moin sagen und Milch für den Kaffee borgen. All das hat er den Leuten am Telefon gesagt. Mehr als ein Vierteljahrhundert ist das her. Und sein Wunsch hat leben gelernt.

Die „Selam“-Lebenshilfe ermöglicht mit ambulanter Unterstützung verschiedene Modelle, die einen selbstbestimmten Alltag ermöglichen: Seit 25 Jahren können Menschen mit Behinderungen in Oldenburg wohnen wie alle anderen auch. Ein kleines Jubiläum – ein großer Schritt.

Gefeiert wurde das am Freitagvormittag im Bibliothekssaal der Uni. „Hier hat alles angefangen“, sagt Manfred Diers – Gründungsvater und ehemaliger Geschäftsführer der Einrichtung. Er erinnert sich an die Telefonaktion der NWZ , bei der Menschen mit Behinderungen nach ihren Wünschen gefragt wurden. Das war neu. Nicht aber das Anliegen der Betroffenen: wie alle anderen auch zu leben. Manfred Diers’ Sohn Christian war damals zehn. Für Kinder und Erwachsene wie ihn gab es Heime. „Mit 50 Plätzen. Und 50 Leuten auf der Warteliste“, sagt sein Vater. Heute ist Christian 36 und lebt mit schwerem Down-Syndrom in den eigenen vier Wänden.

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Dazwischen liegen Jahre voll Engagement, Kraft und Geduld. Die ersten Pläne wurden nach der Telefonaktion hier im Bibliothekssaal geschmiedet – inzwischen ist daraus ein flächendeckendes ambulantes Wohnsystem in der Stadt, dem Ammerland und der Wesermarsch entstanden, zu dem viele weitere inklusive Projekte gehören.

„Darauf bin ich stolz“, sagt Manfred Diers. Vor einem Jahr hat der 59-Jährige seinen Posten an Andreas Wegener abgetreten und den Bereich der Öffentlichkeitsarbeit übernommen. In die großen Fußstapfen des Gründers möchte sein Nachfolger nicht treten. „Ich hinterlasse lieber eigene“, sagt er. Modern sollen die sein. Die erwünschte Lust auf Herausforderungen, mit der die Chef-Stelle ausgeschrieben war, erfüllt er. „Selam“ hat unter seiner Leitung einiges vor. „Wir sind im Wandel und wollen uns besser vernetzen – das Jubiläumsjahr ist ein guter Anlass.“ Geplant ist eine ganze Reihe Veranstaltungen – mit Fachtagen, Partys, Kooperationen, Galas – bis in den Spätherbst hinein ist der Kalender ausgebucht.

Aber erstmal soll heute gefeiert werden – mit Sektempfang und Gummibärchentüten, auf denen steht: „Es ist normal, verschieden zu sein“. Alle 380 Mitarbeiter passen natürlich nicht in den abgetrennten Teil des Bibliothekssaals – dafür Caterer, Freunde und Angehörige, Vertreter der Stadt, das achtköpfige Comix-Orchester – eine inklusive Band aus behinderten und nicht behinderten Männern und Frauen, die schon mit 20 Musikern die Kulturetage mit Songs aus eigener Feder und Impro-Künsten aufgewirbelt hat.

Als Ehrengast schwingt Frank Schulze unter Jubel eine kleine Rede – er war einer der ersten Bewohner. Mit 51 gehört er beinahe zum Inventar der „Selam“-Häuser und ist unter den Anwesenden vermutlich bekannter als Bürgermeisterin Germaid Eilers-Dörfler, die lobend von wichtigen Inklusionsprozessen spricht und dann auch weiter muss zum nächsten Termin.

Frank Schulze reißt derweil die Arme in den Himmel wie ein Formel-1-Sieger und genießt den Applaus – für seine Worte an diesem Tag und damals, 1990 am Telefon: „Ich will leben, wie alle anderen Menschen auch.“

Lea Bernsmann Redakteurin / Redaktion Oldenburg
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