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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Kultur

Kulturausschuss: Gedenktafel für Nazi-Opfer gefordert

21.04.2016
NWZonline.de NWZonline 2016-04-21T09:14:20Z 280 158

Kulturausschuss:
Gedenktafel für Nazi-Opfer gefordert

Oldenburg „Die Hungertoten von Blankenburg sind noch nicht so tief im Gedächtnis der Stadt verankert“, sagte Waldorf-Schüler Rasmus Helwig am Dienstagabend während der Sitzung des Kulturausschusses, der diesmal in der „Werkschule – Werkstatt für Kunst und Kulturarbeit“ an der Rosenstraße tagte. Gemeinsam mit Klassenkameradin Charlotte-Luise Gott gelang ihm ein für alle beeindruckender Vortrag über eines der dunklen Kapitel in der Stadtgeschichte: über die Krankenmorde in der sogenannten Pflegeanstalt von Blankenburg in der Zeit des Nationalsozialismus zwischen 1937 und 1941.

Die Schülerinnen und Schüler der zehnten Klassen recherchierten 95 Namen von Menschen, darunter vor allem behinderte Kinder und Jugendliche, die in Blankenburg systematisch gequält und getötet worden waren. Nach der unmenschlichen Rassenlehre der Nazis galten sie als unwertes Leben. „Für uns war das schwer zu begreifen“, erklärte Rasmus Helwig auch das Erschrecken und die Fassungslosigkeit der Schüler angesichts des Grauens dieser sogenannten Eugenik.

Recherche erläutert

Charlotte-Luise Gott erläuterte auch noch einmal den Weg der Recherche im Staatsarchiv und in Gesprächen mit Medizinhistoriker Dr. Ingo Harms, der etwa auch die Geschichte des ehemaligen Landeskrankenhauses Wehnen aufgearbeitet hatte.

Vor allem erschreckend sei die bis heute unwürdige Bestattung der Toten. 52 Tote hatte man später auf den Neuen Friedhof umgebettet. Die anderen blieben auf dem Gelände. Auf dem Areal wurde das Kesselhaus gebaut, das noch heute dort steht. „Gebäude und Wege dort sind inakzeptabel.“ Zu diesem Schluss kamen die Schüler. Sie wünschen sich, dass sich etwas ändert, dass ihre Recherche und ihr Aufdecken der Vergangenheit nicht vergeblich war und dass die Toten – viele im Alter der Schüler – eine würdige Erinnerung bekommen. Ursprünglich hatten sie das auch während des Freifeld-Festivals geplant, das dann im August 2015 abgesagt worden war.

Eingeladen worden waren die Schüler und Geschichtslehrer Christian Hauck-Hahmann auf Wunsch der Linken. Wie deren Ratsherr Jonas-Christopher Höpken ausführte, war das Schulprojekt auch am Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus am 27. Januar in der Lambertikirche vorgestellt worden. Ziel ist es seinen Worten zufolge, dass die Stadt sich darum bemüht, dass es auf dem Gelände von Blankenburg zu einer angemessenen Form des Gedenkens an die Ermordeten und die Wahrung ihrer Würde kommt. „Es muss auf dem Gelände eine Gedenktafel aufgestellt werden, damit alle wissen, was dort passiert ist.“

Lob auch für Lehrer

Lob („überaus eindrucksvoll“) und Dank für die Arbeit und den Vortrag der Schüler gab es von allen Fraktionen im Ausschuss. Die Kulturverwaltung soll sich auf Wunsch von Hans-Richard Schwartz (FDP) mit der Waldorfschule zusammentun, denn alles Weitere könne nicht Aufgabe der Klasse sein. Andrea Hufeland (Grüne) lobte es als „wunderbar“, dass alle so intensiv und lange an dem Projekt gearbeitet hatten. Auch sie sprach sich für eine Gedenktafel aus.

Sabine Cupin (SPD) dankte Lehrer Christian Hauck-Hahmann, dem es gelungen sei, die jungen Menschen über einen so langen Zeitraum für ein so schwieriges Thema zu gewinnen. Ursula Burdiek (SPD) fand es wichtig, dass die Gesamtbevölkerung erfährt, was dort passiert ist und machte sich auch für eine Gedenktafel stark. Da der Eigentümer des Geländes als schwierig gelte, sollte die Verwaltung mit ihm über dieses Vorhaben verhandeln.

Auch die Schüler hatten berichtet, dass man ihnen nicht gestattet hatte, das Gelände zu betreten, auf dem heute Flüchtlinge untergebracht sind. Die Schüler hatten sich dann für eine offizielle Führung angemeldet und so Erkundungen vor Ort vornehmen zu können. Petra Averbeck (CDU) sprach von Hochachtung für die Arbeit der jungen Menschen und regte an, dass die Oldenburger Landtagsabgeordneten das Vorhaben einer Gedenktafel unterstützen sollten.

Das beratende Mitglied Pavel Möller-Lück (Theater Laboratorium) meinte, man könne sich dem humanistischen Gedanken nicht entziehen, dass dieses Grundstück niemals befriedet werden könne, solange die Toten keine Würdigung fänden. Und Bildhauer Udo Reimann bot an, die Schüler zu beraten, falls sie einen Gedenkstein entwerfen wollten.