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Aktualisiert vor 2 Minuten.

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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Kultur

Wo das Geschlecht keine Rolle spielt

29.06.2016

Oldenburg Schöner Gigolo. Armer Gigolo: Im Takt des 20er-Chansons tänzelt ein junger Herr im Anzug auf die Bühne. Über dem feinen Zwirn trägt er einen Rüschen-Schlüpfer. Armer Gigolo.

Elena will es so. Als eine von 18 Studentinnen der Materiellen Kultur hat die 21-Jährige hier die Fäden in der Hand: Seit zwei Semestern bereiten sie ein bühnenreifes Geschlechtswirrwarr vor. Männer in Reifröcken, Frauen in Blaumännern werden Nina Hagens „Unbeschreiblich weiblich“, Udo Lindenbergs „I love me selber“ oder Friedrich Holländers „Ich weiß nicht, zu wem ich gehöre“ interpretieren. Im rasanten Rollenwechsel werden 18 verschiedene Songs aller Genres und Epochen zu einer regenbogen-bunten Revue verflochten. „Gendergeschlender – Nichts Edlers sei als Weib und Mann...?“ heißt das Institut-übergreifende Theaterprojekt.

Ungezogen angezogen

Während sich Musikstudenten mit Dramaturgie, Inszenierung und Inhalt des Stückes beschäftigt haben, waren ihre Kommilitonen aus der Materiellen Kultur in Kleingruppen für Kostümierung und Bühnenbild zuständig. Wenn sich der Vorhang hebt, treten Orchester, Band, Tänzer und Solisten in einem begehbaren Kleiderschrank auf. Und da geht es angezogen-ungezogen zu: „Erst fängt es ganz klassisch an – mit klaren Rollenbildern. Frauen tragen Kleider, Männer Hosen. Aber dann werden Klischees aufgebrochen. Bis zur völligen Verfremdung“, sagt Gesche.

Sex und Gender

Zu Klängen von Johannes Brahms lässt die 36-Jährige die Darsteller in Reifröcken über die Bühne flanieren. „Natürlich auch die Jungs. Mit ausgepolsterten Hintern.“ Sie lacht. Wenn es nach ihr ginge, wäre die Revue noch skurriler, noch frecher, noch kritischer geworden. Im amüsanten Gendergeschlender würde der Grundgedanke, Geschlechterrollen infrage zu stellen, etwas untergehen.

Die Studenten der Materiellen Kultur haben sich zur Vorbereitung auf das Stück mit Theorien der amerikanischen Philosophin Judith Butler beschäftigt. Sie unterteilt Geschlecht in die biologische Kategorie „Sex“ und die soziale Kategorie „Gender“. Männer- und Frauen-Rollen würden von der Gesellschaft definiert – und besonders über Kleidung ausgedrückt.

Im sozialen Netzwerk Facebook können Nutzer übrigens neben den Kategorien Mann und Frau zusätzlich aus knapp 60 weiteren Gender-Varianten wählen – ganz wie es gefällt.

Madonna und Mozart

Dass es auf dieser Welt nicht nur schwarz und weiß, Mädchen und Jungen, gibt, ist spätestens seit dem Grand Prix-Sieg einer bärtigen Diva bekannt. „Von der Zauberflöte zu Conchita Wurst“ war lange auch Arbeitstitel des Bühnenprojektes. Die Geschlechter-Grauzonen mit Song-Auswahl und Kostümierung zu einem kunterbunten Gesamtkunstwerk zu machen, aber auch das Publikum zum Nach- und Umdenken anregen, ist das Ziel: Irritationen erwünscht.

Während die Darsteller Madonna und Mozart schmettern, ziehen sie sich aus und an. Ob das beim Musizieren wirklich reibungslos klappt, wird noch spannend. Gesche und Isabel haben im Zweierteam Kleider aus Loch-Metall entworfen. Das Material gab’s im Baumarkt. Andere Arbeitsgruppen haben Tage und Nächte an der Nähmaschine verbracht. Bis kurz vor der Premiere wird noch um- und abgesteckt, verworfen und entworfen.

Bei der Aufführung werden neben schwarzen, geschlechtsneutralen Grundkostümen rund 100 schrille Outfits zum Einsatz kommen. Dazu gehören auch Phallus-Zepter.

Nicht alle Darsteller schwingen die Stoff-Penisse mit Begeisterung: „Zickereien gab es nicht – aber einige hatten schon Ideen, was sie lieber tragen würden“, sagt Gesche. Rückblickend findet sie das Gemeinschaftsprojekt aber einen „gelungenen Gedankenaustausch“. Viel habe sich im Prozess, bei den Proben und Treffen entwickelt. Auch ihre Ansichten zu Geschlechterrollen und Gleichberechtigung. „Gehaltsklassen sind das beste Beispiel“, sagt sie.

Vorhang auf für Freiheit

Frau ist die Studentin dennoch gerne. „Ich zeige das auch – aber es kann durchaus spannend sein, mit den Rollen zu spielen.“ Vor der Premiere hat sie keine Angst, Elena allerdings plagt etwas Lampenfieber – auch wenn die 21-Jährige sich freut, den schönen Gigolo im Rüschen-Schlüpfer antanzen zu lassen.

Wenn sich der Vorhang zu dem gigantischen Geschlechtswirrwarr hebt, ist nicht nur die Aufregung wurst.
Die Revue Gendergeschlender Revue – Nichts Edlers sei als Weib und Mann...? ist am Freitag, 1. und Sonnabend, 2. Juli, um 20 Uhr in der Uni-Aula (Ammerländer Heerstraße) zu erleben. Eine weitere Vorstellung gibt es am Sonntag, 3. Juli, um 14 Uhr. Karten kosten 10, ermäßigt 6 Euro.

Lea Bernsmann Redakteurin / Redaktion Oldenburg
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