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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Kultur

Grandezza auf einem verqueren Instrument

06.07.2017

Oldenburg Juan Sebastian Duarte, gerade 15 geworden, spielt Fußball, mehrere Instrumente, vor allem Bandoneon. Der Musiker aus Paraguay präsentiert das etwas verquere Instrument schon in Haltung und Musikalität mit jener Grandezza, Lässigkeit und Intensität, wie sie Südamerikaner an diesem von dem Deutschen Heinrich Band entwickelten Instrument zelebrieren.

Duartes Auftritt in der fast voll besetzten Forumskirche St. Peter beim Kultursommer ist aber nur die halbe Wahrheit. Die ganze ist: Das gesamte Orquestra y Voces „Sonidos de la Tierra“ ist eine Wucht! 21 junge Musiker hat Luis Szaran auf eine Mammut-Tournee durch Österreich, die Schweiz, Italien und Deutschland mitgenommen, Streicher, Holzbläser, Continuo-Orgel und sieben Sängerinnen und Sänger mit faszinierend eigenem Timbre.

Szaran zählt zu den größten Bewegern im kleinen Land, eingekeilt zwischen Brasilien und Argentinien. Er ist in Asuncion Leiter des Philharmonischen Orchesters, aber vor allem ein Volksheld. Seit 2002 baut er in dem Jugendprojekt „Klänge der Erde“ Kindern aus Slums und vernachlässigten Landgebieten Zukunftschancen auf. 18 000 junge Menschen haben inzwischen durch die Musik Zusammenarbeit, Teamgeist und Kreativität gelernt und Selbstbewusstsein gewonnen.

Das Musikprogramm gleicht einer Geschichts- und Landeskunde. Die Jesuitenmission als Projektträger erinnert an die Zeit zwischen 1609 und 1767. Hunderttausenden von Indianer hatten die Jesuiten in sogenannten Reduktionen ein alternatives Modell zur üblichen Kolonialpolitik der Unterdrückung geboten. In diesen Kommunen blühten auf festen wirtschaftlichen Grundlagen und in einer mitmenschlichen Gesellschaft auch Kunst und Musik.

Das Sonidos-Ensemble belebt diese Musik mit virtuosem Können und persönlichem Elan. Neben europäisch wirkenden Kompositionen von Domenico Zipoli oder Martin Schmid stellen sie erst in den vergangenen Jahren aufgefundene Partituren anonymer peruanischer Komponisten. Weniger raffiniert aber verstärkt innig und volkstümlich wirkt da das peruanische Barock. Religiöse Vertonungen wie ein Magnificat oder ein Senora Santa Maria zeigen eindringlich, wie sich Barockmusik griffig mit religiösen Ritualen und regionalen Vorlieben verbindet.

Vollends in ihrem Element sind die Musiker in jenem Teil, der auch in Europa als typisch für südamerikanische Klänge und Rhythmen erkannt wird. Doch sie bedienen hier keine folkloristischen Klischees. Ob Bandoneon, ob paraguayische Harfe (packend: Eva Natalia Gonzalez), ob solistisch oder tutti: Die Musik zieht durch ihre Unmittelbarkeit und Vielfalt die Hörer unhaltbar in ihren Sog. Das ganze Konzert ist eben eine Wucht!

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Forumskirche St. Peter | Kultursommer

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