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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Kultur

Graue Wände sind Geschichte

14.12.2016

Donnerschwee Sehnsüchtig starrt er die Wand an. Feuchter Dezemberwind wirbelt Erinnerungen auf. Bilder sagen mehr als tausend Worte. „Das waren noch Zeiten“, seufzt Ralf Voigt, schwärmt von großen Erfolgen, grandiosem Applaus, euphorischer Stimmung – „in dieser Kultstätte“.

Dann besinnt sich der sportliche Leiter des VfB Oldenburg, wischt sich Regentropfen aus den Locken, schüttelt Hände, lächelt. 1987 ist längst vorbei, er steht nicht mehr auf dem Fußballfeld, sondern in einem modernen Wohngebiet – unweit des ehemaligen Donnerschweer Stadions. Umringt ist er von Fans: Werner Späth, der als Bürgervereinsmitglied, mit Fotoapparat ausgestattet, diesen geschichtsträchtigen Moment festhalten will, zwei Damen die das alles hier „total schick“ finden und zwei Jungs, die sich wirklich so nennen, obwohl sie schon groß sind. Renke Harms ist in Donnerschwee aufgewachsen. Im Stadion wurden damals keine Tore mehr geschossen. Aber es gab Platz – für Fantasie und Farbe. „Meine ersten Graffiti-Versuche mit elf Jahren habe ich dort gestartet – eigentlich war das Grundstein für meine Karriere“, sagt der Jungunternehmer.

Zusammen mit Sebastian Zeberg leitet er die Wandgestaltungsfirma „Die Jungs“ und verschönert unschöne Flächen im Stadtgebiet und den angrenzenden Gemeinden: Die Schlosshöfe, das Sportzentrum der Uni und ein Wohngebiet am Sperberweg haben sie bereits in eine Augenweide verwandelt. Das Kreyenbrücker Projekt wurde von der Bau- und Wohngesellschaft GSG in Auftrag gegeben. Die Begeisterung war so groß, dass es nun eine Fortsetzung geben sollte: Im „total schick gewordenen“ Donnerschwee. Stefanie Brinkmann-Gerdes und Birgit Schütte von der GSG bestaunen mit Alt-Donnerschweer Ralf Voigt und Bürgervereinsmitglied Werner Späth am Dienstagnachmittag das fertige Kunstwerk.

Das frühere Vereinsheim des VfB, in dem sich jetzt ein Ladenlokal samt Café befindet, die Silhouette des Hafens als Schattenriss, ein typisch zackiger Vorbau der Donnerschwee-Kaserne, der inzwischen als Privatdomizil Teil des modernen Wohnquartiers geworden ist, die charakteristisch halbrund überdachte Messehalle, der alte Wasserturm, der mittlerweile in dritter Generation betrieben wird – und eben das Stadion, in dem einmal Tausende Fußballfans feierten und trauerten, sind alle auf einer langen Mauer in der Wehdestraße gegenüber des Supermarktes abgebildet. Mit Pinsel und Acrylfarben haben die beiden Schöpfer die Geschichte des Stadtteils auf dem Gemäuer der GSG verewigt.

Schmierereien fürchten die Jungs nicht: Das verstoße gegen der Ehrenkodex von Graffiti-Künstlern. Schaffen wollten sie auf jeden Fall etwas Nachhaltiges. „300 Arbeitsstunden – von Oktober bis Dezember. Am Ende wurde es echt kalt“, sagt Renke Harms, der nebenbei auch Präventionsprojekte mit Nachwuchs-Sprayern betreut. „Was hier mal war, wissen die wenigsten“, sagt er. Oft seien Kinder vorbeigekommen, hätten gefragt und gestaunt. Aber auch ältere Generationen wollten wissen, was die jungen Herren da an die Wand pinseln – dazu gehörte auch der jetzige Betreiber des Wasserturms. „Der ist zufrieden“, sagt Sebastian Zeberg – „die anderen auch.“ Mieter der GSG-Wohnungen freuen sich über den farbigen Rückblick – gestaltet in Pastell- und Erd-Tönen der anliegenden Häuser.

Obwohl nicht blau-weiß, ist auch Ralf Voigt hin und weg. Während sich Donnerschweer Werner Späth erinnert, wie er vom Balkon aus die lautstarken Emotionen auf dem heiligen Rasen mitverfolgt hat, beschließt der VfB-Sportsleiter, das hier sei „ein Ansporn, wieder in so einem Stadion zu spielen“ und wendet seinen Blick der Wand zu. Die Zeiten ändern sich, Mauern werden eingerissen, und die Stadt wird bunter.

Lea Bernsmann
Redakteurin
Redaktion Oldenburg
Tel:
0441 9988 2106

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