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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Kultur

Große Anteilnahme vor Mausoleum

06.10.2014

Oldenburg Gertrud Kerkojus ist trotz ihrer Gehbehinderung gerne gekommen. „Das, was wir heute hier erleben, ist deutsche Geschichte“, sagt die auf ihren Rollator gestützte 79-Jährige. Als Oldenburgerin sei es für sie selbstverständlich, Anton Günther Herzog von Oldenburg zu verabschieden. Schließlich könne sie sich auch noch an die Beerdigung von Anton Günthers Mutter erinnern.

Gertrud Kerkojus steht an diesem Sonnabendmittag zusammen mit etwa 300 weiteren Menschen vor der Lambertikirche, als der Sarg mit dem Verstorbenen aus der Kirche getragen wird.

Schon vor Beginn des rund einstündigen Trauergottesdienstes hatten sich die ersten Zuschauer vor der Lambertikirche versammelt. Ebenso wie Holger Terhorst nutzen viele die Gelegenheit, sich in eines der beiden Kondolenzbücher einzutragen. „Ich habe schließlich 13 Jahre lang in Oldenburg gewohnt“, erklärt der aus Lingen angereiste Familienvater.

Kutscher beeindruckt

Während Bischof Jan Janssen im Gottesdienst an die Verdienste des Seniorchefs des Hauses Oldenburg erinnert, fährt draußen Hans-Hermann May mit der von vier schweren Rappen gezogenen Trauerkutsche vor. Der Inhaber eines Zucht- und Fahrstalls in Fürstenau (Landkreis Osnabrück) hat zusammen mit Züchter Günter Stolle (Wüsting) vier Alt-Oldenburger Pferde eingespannt. „Eine solche Trauerfeier als Kutscher mitzuerleben, ist auch für mich etwas Besonderes“, gesteht May und rückt seinen Zylinder zurecht.

Nur wenige Meter entfernt steht Heino Praß in der Sonne. „Ich wollte das Ganze miterleben, weil es mich interessiert“, erzählt der 65-jährige Wiefelsteder, der vor einiger Zeit einen Kachelofen erbte, der früher einmal der herzoglichen Familie gehört hatte.

Derweil hält Rudolf Gensior das Geschehen mit seinem Fotoapparat fest. „Für mich ist das ein historisches Ereignis“, erklärt der mit der Geschichte des Hauses Oldenburg bestens vertraute Rentner. Gespannt verfolgt er, wie die Trauergäste die Lambertikirche verlassen. Unter ihnen befindet sich auch Erste Stadträtin Silke Meyn, die die Stadt Oldenburg vertritt.

Kurz darauf setzt sich die Kutsche mit dem geflaggten Sarg auf der Lafette in Bewegung. Nach Schätzung der Polizei nehmen an die 1000 Menschen am Trauermarsch teil. Vom Kasinoplatz geht es über Theater- und Heiligengeistwall zum Pferdemarkt und dann weiter über die Nadorster Straße zum Gertruden-Kirchhof.

Vom Straßenrand aus verfolgen zahlreiche Menschen – zumeist mit Handykameras in der Hand – den Umzug. Beeindruckt zeigt sich Anke Kracke. „Es ist angemessen und würdevoll“, beschreibt die 70 Jahre alte Oldenburgerin die Szenerie. Jürgen Ramke (58) und Hedda Rosenboom (43) hätten es besser gefunden, wenn die Polizei nicht nur jeweils eine Fahrspur, sondern die Straßen komplett gesperrt hätte. „Das wäre für einen stillen Trauermarsch passender gewesen.“

Als die Kutsche vor dem Mausoleum auf dem Gertruden-Kirchhof stoppt, atmet Michael George erleichtert durch. Der Präsident des Reiterverbands Oldenburg organisierte den Trauermarsch. „Besser hätte es nicht klappen können“, sagt er.

Auch Heiko Godow nickt zufrieden. Der Vorsteher der Eutiner Schützengilde hatte den Umzug mit 30 Schützenbrüdern begleitet. Godow: „Vor zwei Jahren besuchte Anton Günther noch unser Schützenfest. Er hat auch immer mitgeschossen. In Erinnerung bleibt mir besonders sein spitzfindiger Humor.“

„Oldenburger Geschichte“

Unterdessen haben sich Hunderte von Menschen vor dem Mausoleum in einer Schlange eingereiht, um noch einmal Abschied zu nehmen. Fast fünf Stunden lang bleibt das Grabmal dafür geöffnet. „Das war für mich sehr bewegend“, schildert Michael Moese (36) seinen Eindruck beim Verlassen des Mausoleums. „Wir erleben hier ein Stück Oldenburger Geschichte“, meint Fabian Ebelt (28). Eine 78-Jährige aus Wildeshausen erinnert an die Bescheidenheit des Verstorbenen. „Ich habe ihn mehrmals bei Reitveranstaltungen in Rastede erlebt.“

Dirk Sandstede (65) aus Edewecht konnte sich bei vielen persönlichen Begegnungen ein genaues Bild von Anton Günther Herzog von Oldenburg machen. „Er war ein toller Typ“, schwärmt das Vorstandsmitglied des Ammerländer Reitclubs. Nur: „Das Rezept seiner Gurkenbowle bleibt uns ein Geheimnis.“


Mehr Bilder unter   www.nwzonline.de/fotos-region 
NWZ TV    zeigt einen Beitrag unter   www.nwz.tv/oldenburg-stadt 
Rainer Dehmer Oldenburg / Redaktion Oldenburg
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