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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Kultur

Gurken am Lappan und illegale Enten

14.05.2016

Oldenburg Als letztes Bandmitglied von „Gloria“ betritt Klaas Heufer-Umlauf die Bühne, frenetischer Jubel brandet auf. Doch erst einmal sagt der sonst so redselige Fernsehstar nichts, sondern singt nur. Zwei Songs hintereinander – „Warten“ und „Das, was passiert“. Dann erst begrüßt Heufer-Umlauf am Donnerstagabend das Publikum in der ausverkauften Kulturetage – und wie: Nämlich mit einer Liebeserklärung an Oldenburg, für ihn die „schönste Stadt Deutschlands“: „Diese Stadt hat mich gemacht“, bekennt der gebürtige Oldenburger. Hier kennt er „zu jedem Meter Bordstein fünf Geschichten“. Eine davon wird sogleich erzählt: Am Lappan, erinnert sich der 32-Jährige, habe er immer die Gurken aus dem Cheeseburger nach oben katapultiert.

„Queen von Oldenburg“

Ob das seine Oma gewusst hat? Die grauhaarige alte Dame sitzt oben auf der Galerie mit roter Kostümjacke in der ersten Reihe und wird von ihrem Enkel zwischen zwei Stücken besonders begrüßt als „Queen von Oldenburg“.

Sie sieht ebenso wie die begeisterten 850 Fans, dass ihr Klaas, der bislang vor allem mit TV-Dauerpartner Joko Winterscheidt Berühmtheit erlangte (u. a. „Circus HalliGalli“ und „Duell um die Welt“), sich auch als Sänger hören lassen kann. An der Seite von Mark Tavassol (zuvor „Wir sind Helden“) hat er enorm an Sicherheit gewonnen. Umklammerte er auf den ersten beiden „Gloria“-Tourneen stets fest den Mikrofonständer, ist er jetzt zunehmend mit kabellosem Mikro und klarer Stimme auf der Bühne unterwegs. Diese Bewegungsfreiheit erlaubt ihm sogar Rock’n’Roll-Posen: Weil die jedoch nicht so recht zu „Glorias“ Gitarren-Pop passen, rockt die Band kurzerhand zu Elvis’ „That’s all right“ – und in der ohnehin heißen Kulturetage wird es noch ein paar Grad wärmer. Im Endspurt des Stücks springt Heufer-Umlauf vom Schlagzeugpodest.

Backstage: Die Mitglieder der Projektgruppe „Schule ohne Rassismus“ – (v. l.) Hassan, Albert, Pascal, Brian, Alina, Mirja und Sheila – trafen sich vorm Konzert in der Kulturetage mit ihrem „Paten“ Klaas Heufer-Umlauf BILD: privat

Treffen mit Oberschülern: „Sympathisch und offen“

Dem Star ganz nah: Klaas Heufer-Umlauf hat am Donnerstagabend kurz vor dem Konzert in der Kulturetage „backstage“ eine Schülerdelegation der Oberschule Eversten empfangen.

Der TV-Entertainer hatte im Vorjahr die Patenschaft für das Projekt „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ übernommen und ließ sich nun von den Schülern Hassan, Albert, Pascal, Brian, Alina, Mirja und Sheila darüber informieren. „Sympathisch und offen“, so empfanden die Schüler ihren Paten, der sich eine gute halbe Stunde Zeit nahm. Er ermunterte die Schüler, sich argumentativ für Auseinandersetzungen mit rechtspopulistischen Bewegungen zu wappnen und ermutigte sie zu Toleranz und zu einem empathischen Zugehen auf Geflüchtete.

Auch das Solidaritätsprojekt zum Wiederaufbau von Schulen in der zerstörten syrisch-kurdischen Stadt Kobane, für das sich die Schüler engagieren, stieß bei Klaas Heufer-Umlauf auf großes Interesse. Er versprach, mit seinen Möglichkeiten für den am 1. September im Eversten Holz geplanten Sponsorenlauf zu werben.

Fast das gesamte „Gloria“-Material überzeugt mit poetischen und doppelbödig surrealen Textzeilen. Zwischen herrlich melancholisch angehauchten Songs wie „Geister“, „Haut“, „Stolpersteine“ oder „Vage“ streut Klaas Heufer-Umlauf im launigen Spagat immer wieder Anekdoten ein: So erfährt das Publikum, dass er früher in Oldenburg eine Untergrundorganisation zum illegalen Enten-Füttern auf dem Dobbenteich gegründet haben will und dass ihm jetzt in Berlin die Nachbarschaft mit Rammstein-Sänger Till Lindemann Angst gemacht hat, weil der den Namen des Rotweins in Heufer-Umlaufs Küche per Fernglas ausgespäht habe. Letzteres ist die Überleitung zum Song „Eigenes Berlin“.

Emotionales Ende

Für musikalischen Glanz bei „Gloria“ sorgen neben Mark Tavassol (Bass und Gitarre) an diesem Abend Marcus Schneider (Gitarre), Tim Schierenbeck (Schlagzeug), Ruben Seevers (Bass) und Deniz Erarslan (Gitarre).

Nach 80 Minuten gehen „Gloria“ von der Bühne, um die Fans zwei Zugaben erklatschen und die „Bandseele streicheln“ zu lassen. Nach dem temporeichen „Endlich kombinieren“ überrascht die Band mit einer starken Coverversion der „Wir sind Helden“-Single „Wenn es passiert“. Den letzten Song „Gute Nacht, bis morgen“ widmet „Gloria“ der 2011 an Sklerodermie gestorbenen Organspende-Aktivistin Claudia Kotter. Besser und emotionaler kann man ein Konzert nicht beenden. Klaas Heufer-Umlauf behält es „noch lange in schöner Erinnerung“. Das gilt wohl für alle an diesem Abend.


Mehr Bilder unter   www.nwzonline.de/fotos-oldenburg 
Stephan Onnen
Redakteur
Redaktion Oldenburg
Tel:
0441 9988 2114

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