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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Kultur

Helfen im Rhythmus der Zeit

01.08.2016

Oldenburg „Behandle andere so, wie du von ihnen behandelt werden willst“, so spricht Jules (Julian White) an diesem Abend. Voller Leidenschaft verliest er sein Credo über die Achtung der Menschenwürde, die Forderung nach Fairness und ethischer Verantwortung. Und dann spielt er auf seiner Gitarre wunderbar feinsinnig und melancholisch zugleich ein Stück, das er für ein kleines Mädchen im Flüchtlingslager im Nordirak geschrieben hat. Warmherzige und melodische Klänge, die berühren.

Im Theater Laboratorium fand am Freitagabend ein Kleinkunst-Abend statt. Angekündigt war eine Wohltätigkeitsveranstaltung zugunsten der vielen vertriebenen Menschen im Nordirak, die in notdürftigen Unterkünften Zuflucht vor Gewalt und Terror finden.

Der in Oldenburg von Studierenden gegründete Verein „Our Bridge“ engagiert sich ehrenamtlich seit fast zwei Jahren in der Flüchtlingshilfe vor Ort nahe dem Flüchtlingscamp Xhankê. Es geht um die Sicherung elementarer Bedürfnisse von Waisen, Verwitweten mit kleinen Kindern und Menschen mit Beeinträchtigungen (die NWZ  berichtete). Zukunftsweisendes Projekt ist ein großes Waisenhaus für die vielen elternlosen Kinder. Die Pläne liegen vor, über Spenden soll die Finanzierung abgesichert werden.

Viele, ganz viele Menschen waren gekommen, um sich zu informieren und mit ihrer Bereitschaft zum Spenden das junge Team des Vereins zu unterstützen. Schon lange vor Veranstaltungsbeginn gab es keinen freien Sitzplatz mehr im Café. Es war rappelvoll . Als sich das erste Regennass verzogen hatte, füllte sich auch im Nu der lauschige Innenhof. Vielleicht die Hälfte aller Besucher hatte überhaupt nur Gelegenheit, die flotte und bunte Mischung künstlerischer Darbietungen zu verfolgen. Wer miteinander bekannt war, und das waren nicht wenige, tauschte zwischendurch auch schon mal sozialverträglich den Theatersessel mit dem Gartenstuhl. Man war ja immerhin auf einem Benefizabend, und da liegt vielleicht auch gegenseitige Wohltätigkeit ganz nahe.

Die Zuschauer konnten sich an lauter wie leiser Musik, klassischem Tanz und engagierten Textvorträgen erfreuen. Neben Rap, Pop und Tango fand selbst Heavy Metal, jazzig von Norma Braun und Fred Drobnjak („Just Friends“) interpretiert, Beifall und Begeisterung bei einem nicht allzu jugendlichen Publikum.

Country Music mit Linc van Johnson und seiner kleinen Band machte an diesem Abend den „Aufwärmer“. Es gelang ihnen tatsächlich mühelos mit Geige, Mandoline, Gitarre und Gesang (Anna-Maria Kleinmann), die Menschen im Saal zum Stampfen, rhythmischen Klatschen und, man glaubt es kaum, zum lautstarken Mitsingen zu verführen. Manche benutzten ihren Handstock zum Klopfen. Das ergab einen kräftigen eigenen Takt. Nun ja, und den zahlreichen Benefizbesuchern schien der legendäre Jonny Cash in guter Erinnerung zu sein. Im Laboratorium dampfte es förmlich.

Zwischen den künstlerischen Auftritten gab es viele Informationen per Projektion über die Arbeit des jungen Teams von „Our Bridge“ in den Krisenregionen. Videos und Fotos zeigten anschaulich, wie wichtig es den Organisatoren ist, dass Spendengeld und Hilfsgüter tatsächlich direkt bei den Notleidenden ankommen. Ein weiterer großer Vorteil liegt darin, dass die Organisatoren arabisch sprechen und sich somit vor Ort verständigen können.

Eigentlich entstand die Idee für dieses Benefizkonzert zufällig: Ali Akyola verpasst den Bus, Catarina Altenau fährt ihn zum Hauptbahnhof – er erzählt von seinen Aufenthalten und den Aktionen in den Flüchtlingslagern im Irak, und sie, zuständig für die gesamte Organisation im Theater Laboratorium, entwickelt daraus ein Vorhaben.

In einer Seifenoper hätte das Zusammentreffen der beiden jungen Menschen eine Liebesgeschichte werden können, aber in Oldenburg wurde daraus ein unvergesslicher Benefizabend. Pavel Möller-Lück stellte sein Theater samt Gastronomie kostenlos zur Verfügung, und alle Künstler und Helfenden engagierten sich mit Freude, viel Aufwand und vor allem leidenschaftlich für den guten Zweck.

Ein langer Abend mit wohlwollendem und großzügigem Oldenburger Publikum endete mit einer beträchtlichen Spendensumme von rund 4000 €Euro. Die Organisatoren waren am Ende allesamt glücklich über den gelungenen Abend und über die große Hilfsbereitschaft aller Beteiligten. „Our Bridge“ kann nun seine Projekte fortsetzen und Kleidung, Nahrung, Heizung, medizinische Versorgung oder auch Wasser direkt an die Geflüchteten vor Ort weitergeben. Und die Erfüllung des Traumes von Paruar Bako, ein Waisenhaus zu bauen, rückt immer näher.

„Jeder Mensch hat die Chance auf eine Zukunft verdient“, unter diesem Motto gibt es im Internet reichlich Hintergrundinformationen unter:


     www.ourbridge.de 
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