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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Kultur

Ihre Bilderwelten bleiben im Kopf

29.10.2016

Oldenburg Sie lernten sich vor über 60 Jahren kennen und arbeiteten über Jahrzehnte eng zusammen. Die weltberühmte schwedische Kinderbuchautorin Astrid Lindgren (1907–2002) schätzte die Illustrationen von Ilon Wikland sehr. „Mit deinen Bildern hast du mitgeholfen, dass meine Bücher ihre Leser erreichen. Viele Kinder werden sich ihr Leben lang an die Bilder erinnern, die du geschaffen hast“, schrieb Lindgren einmal in einem Katalog zu einer Ausstellung mit Wiklands Bildern.

Flucht aus Estland

Die diesjährige Oldenburger Kinder- und Jugendbuchmesse (Kibum) präsentiert die einzigartige Bilderwelt der 86-jährigen Illustratorin in einer Ausstellung in der BBK-Galerie. Das Plakat zur Schau mit dem Titel „Über Tisch und Bänke“ stammt von Ilon Wikland selbst. Es zeigt den Drachen mit den roten Augen, die Brüder Löwenherz, Karlsson vom Dach, Ronja Räubertochter und viele andere Figuren aus den Büchern von Astrid Lindgren, denen sie Gesicht und Gestalt gegeben hat. „Mittlerweile wächst die vierte Kindergeneration mit Wiklands Bildern auf“, unterstreicht Regina Peters, Organisatorin der Kibum, die Bedeutung der Bilderbuchkünstlerin.

1930 in Tartu in Estland geboren, wächst Ilon Wikland bei den Großeltern auf und muss als 14-Jährige allein auf einem Schiff nach Stockholm flüchten. In einem Flüchtlingsheim wird sie schwer krank. Ihre Rettung sind Papier und Malstifte, die ihre Tante ins Krankenhaus bringt. Wikland zeichnet sich quasi gesund, über Bücher lernt sie die schwedische Sprache und findet Zugang zur Kunst. Sie absolviert eine Ausbildung als Illustratorin, besucht Kunsthochschulen in Stockholm und London und arbeitet als Grafikerin in Verlagen.

Auf der Suche nach Aufträgen lernt sie 1953 Astrid Lindgren kennen, die gerade ihr Manuskript zu „Mio, mein Mio“ beendet hat. Sie bittet Wikland um Skizzen für das Buch. Es ist der Beginn einer jahrzehntelangen Zusammenarbeit und Freundschaft.

Wikland hat mit Ausnahme von Pippi Langstrumpf und Michel aus Lönneberga alle Bücher von Astrid Lindgren illustriert. Ihre typischen Kinderfiguren haben Stupsnasen und runde Wangen und stapfen zumeist fröhlich und unbekümmert, aber immer selbstbewusst durch ihre Welt. Die Zeichnungen sind reich an Details und fein ausgearbeitet.

Ideen für ihre Figuren findet Wikland im Alltag und auf Reisen. Ihre Räubergestalten in dem Buch „Ronja Räubertochter“ sollen zum Beispiel durch eine Warteschlange vor einem Schnapsladen inspiriert worden sein. Ihre dramatische Flucht aus Estland hat sie 1996 in den Illustrationen zum Buch „Die lange, lange Reise“ verarbeitet. Den Text schrieb Rose Lagercrantz, die für Lesungen zur Kibum kommt.

Frisch und fröhlich

Mit Astrid Lindgrens Geschichten und Ilon Wiklands Bildern aufgewachsen ist die Hamburger Bilderbuchkünstlerin Katrin Engelking (46). Sie war noch im Studium, als sie der Verleger Friedrich Oetinger 1996 damit beauftragte, Pippi Langstrumpf ein neues Gesicht zu geben und das stärkste Mädchen der Welt erstmals in Farbe zu illustrieren. Das sei wie ein Sechser im Lotto gewesen, erinnert sich Engelking an ihre Arbeit für „Pippi feiert Weihnachten“. Im gleichen Jahr lernt sie Astrid Lindgren persönlich bei einem Besuch der Autorin in Hamburg kennen – ein großer Moment für die junge Künstlerin.

Es bleibt nicht bei dem einen Pippi-Langstrumpf-Buch. Katrin Engelking gestaltet auch Lindgrens Kinderbuchhelden Michel aus Lönneberga, Ronja Räubertochter, Karlsson vom Dach, Madita, die Brüder Löwenherz und natürlich die Kinder von Bullerbü.

Die Kibum zeigt in einer Ausstellung im Foyer der Kinderbibliothek beim Kulturzentrum PFL in einer Premiere 30 Originale von Engelking aus der Anthologie „Von Bullerbü bis Lönneberga“, die bei Oetinger (224 Seiten, 19,95 Euro) erschienen ist.

Die 46-Jährige ist eine Perfektionistin. Ihre Arbeit beginnt mit dem Lesen der Bücher, die sie illustrieren soll. Zu jeder Buchfigur entstehen zunächst mehrere Skizzen mit Bleistift oder Kugelschreiber, genau studiert sie dabei Mimik, Bewegung und Körperhaltung der Akteure. Bevor sie zu Pinsel und Acrylfarbe greift, entstehen zarte Vorzeichnungen und dreidimensionale Modelle aus Ton und Knetgummi.

Ganz wichtig ist für sie der Gesichtsausdruck ihrer Figuren: „Die Gefühle müssen deutlich erkennbar sein“, betont die Künstlerin, die sich als großer Astrid-Lindgren-Fan bezeichnet. Das Ergebnis ihrer detailverliebten Illustrationen ist frisch, fröhlich und farbenfroh.

So liegt Engelking künstlerisch auf einer Wellenlänge mit Ilon Wikland – generationsübergreifend.

2500 Neuerscheinungen präsentiert die Oldenburger Kibum vom 5. bis 15. November im Kulturzentrum PFL (Peterstraße 3). Öffnungszeiten: montags bis freitags 8.30–19 Uhr, samstags und sonntags 10–19 Uhr.

Die Ausstellung „Über Tisch und Bänke“ präsentiert vom 6. bis 27. November in der BBK-Galerie (Peterstraße 1) rund 60 Originale von Ilon Wikland (Zeichnungen, Aquarelle, Pastelle) und über 100 von ihr illustrierte Buchcover und Bücher. Geöffnet: täglich 10–18 Uhr. Eröffnet wird die Schau am 6. November um 15 Uhr.

Die Bilderbuchkunstvon Katrin Engelking steht im Mittelpunkt der Ausstellung „Von Bullerbü bis Lönneberga“, die vom 6. bis 15. November im Foyer der Kinderbibliothek am PFL zu sehen ist. Eröffnet wird die Schau am 6. November um 16 Uhr. Öffnungszeiten: täglich 10–18 Uhr.


     www.kibum-oldenburg.de 
Lore Timme-Hänsel
Redakteurin
Kulturredaktion
Tel:
0441 9988 2065

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