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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Kultur

Graf Anton Günther reitet wieder durch Oldenburg

30.09.2017
Frage: Sie haben beim Oldenburger Landesturnier am 24. Juli 2011 dem Stifter des Graf Anton Günther Reiterstandbildes, Klaus Dirks, versprochen sich für eine Aufstellung beim Oldenburger Schloss einzusetzen. Jetzt ist auch das 350. Todesjahr von Anton Günther zum größeren Teil herum und noch immer steht das Reiterstandbild an der Cloppenburger Straße/Ecke Buschhagenweg auf dem Grundstück einer Waschstraße.
Horst Milde: Ja, das stimmt, und dort wird der Graf von vielen Oldenburgern bedauert.
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PRO: Nicht sichtbar in der Stadt

Frage: Kommen Sie. Das ist doch nur Ihre Meinung ...
Horst Milde: Nein. Immer wieder werde ich gefragt, wann dieser unwürdige Zustand beendet wird. Ich kann dann nur auf die Verantwortlichen im Land und in der Stadt verweisen. In meiner Zeit als Präsident des Verwaltungsbezirks Oldenburg wäre diese Frage in zwei Minuten entschieden gewesen. Das Reiterstandbild stünde längst am Schloss, dort wo es auch hingehört.
Frage: Nun ja, es hat einen demokratischen Prozess um einen absolutistischen Herrscher gegeben.
Horst Milde: Das sehe ich anders. Alle Oldenburger Bürgervereine sind einstimmig für eine Aufstellung beim Schloss eingetreten. Daneben haben sich über 3 700 Oldenburger spontan mit ihrer Unterschrift hinter meine beim Niedersächsischen Landtag eingereichte Petition gestellt. Schließlich haben sich bei einer Umfrage der NWZ 86 Prozent der Leser ebenfalls für die Aufstellung beim Schloss, fünf Prozent an einem anderen Standort und nur fünf Prozent dagegen ausgesprochen. Klarer kann doch der vielbeschworene Bürgerwille, der vom Landtag, aber auch vom Rat der Stadt missachtet wird, nicht sein.
Frage: Es gab ja auch noch andere ablehnende Stimmen.
Horst Milde: Das ist richtig, das bestreite ich ja auch nicht. Lange vor dem Einreichen der Petition hat es viele Gespräche gegeben. Begonnen mit einem ablehnend verlaufenen Gespräch mit dem Direktor des örtlichen Schlossmuseums, Prof. Rainer Stamm, mit der Ministerialdirigentin Dr. Annette Schwandner vom Niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur, mit Ministerpräsident David McAllister, mit dem Vorsitzenden des Landtagsausschusses für Wissenschaft und Kultur, Wolfgang Wulf (SPD), mit dem Vorsitzenden der CDU-Landtagsfraktion, Björn Thümler, ein sehr kurzes Gespräch auf dem Hof des Oldenburger Schlosses – zu mehr war sie nicht bereit - mit der Ministerin Prof. Johanna Wanka, und schließlich einem Briefwechsel mit einer ablehnenden Antwort von ihr.
Frage: Und wo waren Ihre Mitstreiter?
Horst Milde: Bernd Eylers hatte meines Wissens ebenfalls eine Petition eingereicht. Aber als einziger von den Genannten bekannte sich nur Wolfgang Wulf für die SPD-Landtagsfraktion zur Aufstellung des Denkmals, und - um das nicht zu unterschlagen - ein Jahr später auch die SPD-Stadtratsfraktion. Wegen der negativen Haltung aller anderen war die Petition das letzte Mittel, um zu einer positiven Entscheidung zu kommen.
Frage: Die Petition wurde aber doch auch abgelehnt.
Horst Milde: Leider ja. Diese Petition stützt sich auf die Stellungnahme des Niedersächsischen Ministeriums für Wissenschaft und Kultur. Verantwortlich dafür sind Johanna Wanka und sicherlich nicht zuletzt Annette Schwandner. Die in der Stellungnahme aufgeführten ersten beiden hauptsächlichen Gründe zitiere ich wörtlich: „Nach Einschätzung von Experten (Prof. Dr. Rainer Stamm, Direktor des Landesmuseums für Kunst und Kulturgeschichte in Oldenburg) ist das Standbild nicht nur anachronistisch, sondern auch fehlerhaft. Zum Beispiel wurde der Regentenstab des Grafen als Reitgerte dargestellt. Nach 1918 wurde in Deutschland kein Reiterstandbild eines früheren Monarchen errichtet.“
Frage: Das war aber noch nicht alles...
Horst Milde: Weitere Ablehnungsgründe sind: Der – von mir vorgeschlagene Standort vor einer Seite des Haupteinganges des Oldenburger Schlosses – sei ungeeignet, da dem Land lediglich ein schmaler, etwa fünf Meter breiter Streifen um das Schloss sowie der Innenhof und ein schmaler Grünbereich zwischen dem Schloss und den angrenzenden Straße gehört. Allein auf Grund seiner Größe könne das Reiterstandbild daher auf dem landeseigenen Areal am Schloss weder aufgestellt noch angemessen präsentiert werden, und schließlich sei die Aufstellung von Kunst im öffentlichen Raum auf Dauer angelegt und bedürfe deshalb einer gründlichen und transparenten Abwägung der zuständigen Entscheidungsträger. Deshalb sei, analog zur künstlerischen Ausgestaltung von Baumaßnahmen des Landes, auch für die Aufstellung von Kunst im öffentlichen Raum auf landeseigenen Flächen die Abstimmung mit dem Fachministerium und dessen Beteiligung am Auswahlverfahren üblich und darüber hinaus sei eine Abstimmung mit dem Land über das Gesamtprojekt, also Auftrag, Gestaltung, Aufstellungsort, nicht erfolgt.
Frage: Klingt nach einer klassischen Antwort aus einer Behörde.
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CONTRA: Und ewig grüßt ein Graf

Horst Milde: Alle diese Gründe sind meiner Meinung nach entweder subjektiv, falsch, unrichtig oder können als Muster für eine beispielhafte bürgerferne Bürokratie dienen.
Frage: Können Sie das näher erläutern?
Horst Milde: Ja. Die Einschätzung des Reiterstandbildes ist nicht von Experten, das müssten ja mehrere sein, sondern nach dem Wortlaut der Stellungnahme nur von einem Experten, nämlich Dr. Stamm als „anachronistisch“ vorgenommen worden. Diese Einschätzung ist nichts weiter als seine vorgefasste subjektive Meinung. Wenn sich Tausende Bürger für das Denkmal aussprechen, dann ist die Meinung von Herrn Stamm anachronistisch. Seine Beurteilung der Statue als fehlerhaft ist ein armseliges Hilfsargument. Es spielt in dem Zusammenhang überhaupt keine Rolle, was der Graf in seiner Hand hält, sei es ein Regentenstab oder eine Reitgerte.
Frage: Es gab ja noch mehrere Argumente aus Hannover.
Horst Milde: Die tendenziöse Behauptung: „Nach 1918 wurde in Deutschland kein Reiterstandbild eines früheren Monarchen errichtet“, ist eindeutig falsch. Die Verfasser der Stellungnahme wissen nicht oder verschweigen, dass 1980 das Reiterdenkmal von Friedrich dem Großen in Berlin Unter den Linden und 1993 das Reiterdenkmal für Kaiser Wilhelm I. am Deutschen Eck in Koblenz unter Beifall der Bürger aufgestellt wurden.
Frage: Der Standort am Schloss fiel ja auch durch.
Horst Milde: Auch diese Stellungnahme ist mehr als fragwürdig, wenn nicht gar ebenso falsch. Da wird einfach behauptet, allein aufgrund seiner Größe könne das Reiterstandbild auf dem landeseigenen Areal am Schloss weder aufgestellt noch angemessen präsentiert werden. Aber ein Jahr später, im Juli 2013 wird vor dem Schlosseingang eine Terrasse für ein Café mit 50 Sitzplätzen genehmigt und auch gebaut. Auf der Fläche dieser Terrasse hätte das Denkmal mehrfach Platz gehabt. Beim Kultursommer in diesem Jahr wurde dort sogar ein großes Trapezgerüst aufgebaut. Diese Beispiele allein zeigen, dass die ministeriellen Aussagen nicht widersprüchlicher sein können und zur Politikverdrossenheit beitragen.
Zusammengefasst werde ich den Verdacht, als sollte der Landtag bewusst getäuscht werden, nicht los.
Frage: Eine schwere Anschuldigung. Warum setzen Sie sich nun mehr als sechs Jahre für das Reiterstandbild ein?
Horst Milde: Weil ich es für notwendig halte. Es geht hier aber nicht allein um ein Denkmal, sondern vielmehr auch um den sichtbaren Umgang mit guter deutscher Geschichte, die durch das Handeln von Anton Günther zugleich mit den damals wichtigsten Ländern Europas verbunden ist. Gerade in einer Zeit nicht endender Kriege ist es wichtig, an seine für sein Land und seine Menschen erfolgreiche Friedenspolitik zu erinnern. Hätte es zu seiner Zeit schon den Friedensnobelpreis gegeben, er hätte ihn verdient und auch bekommen.
Frage: Ruhe geben werden Sie wohl nicht. Wollen Sie, jetzt im 350. Todesjahr des Grafen, weiter für das Denkmal kämpfen?
Horst Milde: Ja, ich werde noch einmal das Gespräch mit den neugewählten Oldenburger Landtagsabgeordneten suchen, vielleicht auch mit der neuen Landesregierung reden oder gar schließlich eine neue Petition beim Landtag einreichen. Das wird es dann aber auch von mir gewesen sein. Ich habe dann mein Versprechen, mich für das Denkmal einzusetzen, gegenüber Klaus Dirks, Bernd Eylers und Herzog Anton Günther endgültig eingelöst.
Lars Reckermann Chefredakteur / Chefredaktion
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