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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Kultur

(K)ein böses Erwachen

15.09.2016

Oldenburg Irgendwo in den Alpen. Sechs Menschen sind unter einer Lawine in einem Zugabteil gefangen. Die Luft wird allmählich knapp, das Licht fällt immer wieder aus, das Abteil droht abzurutschen. Unter den Eingeschlossenen im eisigen Gefängnis ist die junge Greta. Eigentlich war sie auf dem Weg nach Wien, wo sie ihre Mutter besuchen wollte, die seit vielen Jahren im Koma liegt und künstlich am Leben gehalten wird. Nun befindet sie sich selber in einer ausweglosen Situation.

Das ist die Ausgangslage für Andreas Schaaps’ Spielfilm „Das letzte Abteil“. Der 36-jährige Regisseur ist gebürtiger Oldenburger, er hat am Gymnasium Eversten Abitur gemacht. Zum Filmfest kehrt er regelmäßig in die Stadt zurück – diesmal mit seinem dritten Spielfilm. Darin bedient er sich nur vordergründig an Elementen aus Horror- und Katastrophenfilmen. Sein Film mutiert zunehmend zum Drama, die Handlung wird von Minute zu Minute surrealer.

Schaap geht es um grundlegendere Fragen: Inwieweit soll und darf die moderne Medizin in das Leben und vor allem in das Sterben der Menschen eingreifen? Und müssen wirklich immer bis zuletzt alle technisch möglichen Mittel ausgeschöpft werden, um einen eigentlich schon toten Menschen am Leben zu halten? „Diese Fragen habe ich mir schon lange gestellt“, sagt Schaap. Er macht daraus ein Drehbuch, begeistert mit Grimme- und Fernsehpreis-Trägerin Anna Fischer (30) eine erfolgreiche Schauspielerin für die Doppel-Hauptrolle von Tochter und Mutter. Schaap findet private Investoren und beginnt im Jahr 2014 mit den Dreharbeiten.

Auf letztem Weg begleiten

Ein Jahr später, kurz nach dem Oldenburger Filmfest im September 2015, entscheidet sich Schaap, aus Berlin zurück nach Oldenburg zu ziehen, um seine erkrankten Eltern auf ihrem letzten Weg zu begleiten.

Es ist ein wolkenverhangener, aber trockener Tag Ende November, das Thermometer kommt nicht über sechs Grad hinaus. Es ist der Tag, an dem Andreas Schaaps Vater Klaus im Alter von 72 Jahren stirbt. Seine Mutter Johanna beschließt kurz darauf, nichts mehr zu essen. Sie will ihrem Mann in den Tod folgen.

Schaap, als rechtmäßiger Betreuer eingesetzt, steht vor der schwersten Entscheidung seines Lebens: Erfüllt er seiner Mutter den Wunsch, nicht mehr weiterleben zu wollen, oder verlängert er ihr Leben über eine Magensonde und durch künstliche Ernährung? Soll er ihr etwa beim Sterben zusehen? „Mich hatte eine unglaubliche Parallelität zum Film eingeholt“, sagt Schaap. Für das Drehbuch hatte er nach reiflicher Überlegung eine rationale Entscheidung pro passiver Sterbehilfe getroffen. „Das half mir in meinem persönlichen Dilemma.“ Seine Mutter stirbt am 31. Dezember 2015, nur vier Wochen nach seinem Vater.

„Das höchste Gut ist in meinen Augen das selbstbestimmte Leben, die Freiheit“, sagt Schaap. Im Film sieht sich seine Protagonistin dieser Freiheit beraubt, nicht nur im Abteil, sondern auch auf der Koma-Station. Im Film übernimmt Greta – wie Schaap im realen Leben – Verantwortung. Sie stellt sich der Schuld ihrer Mutter, deren Koma durch einen gescheiterten Selbstmordversuch nach dem von ihr verursachten Tod zweier Skifahrer ausgelöst worden war. Nur so kann Greta den Albtraum im Abteil beenden.

Den Eltern gewidmet

Als sich Andreas Schaap um seine Eltern kümmerte, verlegte er den finalen Schnitt seines Werkes zur Schwarzseher Filmproduktion nach Oldenburg. „Diese letzte Phase hatte noch einmal viel Einfluss auf den Film. Es hilft mir bei der Verarbeitung meiner Trauer, dass ich ihn jetzt hier in meiner Heimatstadt uraufführen kann.“ „Das letzte Abteil“ ist Klaus und Johanna Schaap gewidmet.
 „Das letzte Abteil“ wird an diesem Donnerstag ab 19 Uhr im Theater Hof/19 (ausverkauft) und am Sonnabend, 17. September, ab 23.45 Uhr im Studio des „Cine k“ gezeigt.