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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Kultur

Jetzt ist es amtlich

04.09.2015
NWZonline.de NWZonline 2015-09-04T08:25:40Z 280 158

Oldenburger Kartoffeldöner:
Jetzt ist es amtlich

Oldenburg Es gibt nur einen Kartoffeldöner – das hat Hani Al Hay jetzt amtlich. Das Deutsche Patentamt in München hat dem aus dem Libanon stammenden Nadorster Imbisswirt jetzt per Gebrauchsmusterschutz bescheinigt, dass er der Erfinder des multikulturellen Gerichts ist. Und – viel wichtiger – dass niemand außer ihm den Kartoffeldöner unter diesem Namen auf den Markt bringen darf. „Zehn Jahre lang“, sagt Hani Al Hay und lächelt.

„Als das Schreiben aus München kam“, erzählt er, „konnte ich kaum arbeiten, so habe ich mich gefreut.“ Denn er war sich zunächst nicht sicher, ob er den Antrag wagen sollte: „Viele sagten, er habe keine Chance.“ Er tat es trotzdem. Denn die Sache mit dem Multi-Kulti-Gericht treibt ihn schon seit Januar um. Damals hatte der Imbisswirt Kartoffel und Dönerfleisch als Beispiel für Kulturgrenzen überschreitender Kulinarik kreiert – und damit einen Kommentar zu dem Pegida-Plakat „Kartoffeln statt Döner“ geleistet. „Miteinander statt Gegeneinander“ ist sein Motto – und das hat seinen Grund.

Hani Al Hay, der seinen Imbiss seit 17 Jahren betreibt, ist selbst Flüchtling. Ende der 80er Jahre flohen seine Eltern mit ihren Kindern aus dem vom Bürgerkrieg zerrissenen Libanon nach Deutschland. Über Ostberlin kam die Familie in den Westen. „Nach Blankenburg“, erinnert sich der Nadorster. Danach das erste eigene Heim für die Familie („ohne Heizung“), die Schule, in der Hani kein Wort verstand: „Ich sah die Kinder den Mund auf- und zumachen und dachte: Diese Sprache lerne ich nie. Aber ich habe mir gesagt: Ich darf nie aufgeben, es lohnt sich – und das rate ich jedem Flüchtling, der hierher kommt: Man hat eine Chance, aber man muss dafür etwas tun!“ Er lernte Deutsch, arbeitete nach der Schule in Rasteder Gärten und Ställen, um sein eigenes Geld zu haben – und machte am Ende seinen eigenen Imbiss auf.

DIE Antwort auf Pegida kommt aus Oldenburg, Artikel vom 17. Januar 2015

„Mein Leben ist jetzt Kartoffel“, Artikel vom 21. Januar 2015

Der Kartoffeldöner brachte ihn jetzt in die Medien – er hat eine Kolumne („Dönschnack“) auf Bremen 4, Pro 7 drehte für Galileo in seinem Imbiss, bundesweit berichteten Zeitungen. Den Umsatz hat das nicht in schwindelnde Höhen getrieben. Aber das störe ihn nicht, sagt der Wirt: „Ich kann mich mit wenig zufriedengeben.“

Dennoch treibt ihn die einmalige Chance um, die ihm das Schreiben des Patentamts eröffnet. „Ich habe den Schlüssel, das Tor ist offen – jetzt muss ich was draus machen.“ Gespräche mit einem möglichen Partner über eine überregionale Vermarktung laufen, „aber sicher ist noch nichts.“ Nur eines: „Selbst wenn ich mal erfolgreich bin, werde ich mich für Bedürftige einsetzen. Ich will niemand anders werden.“ Seine eigene Geschichte hat ihn davon überzeugt, dass man nur im Miteinander leben kann. „Niemand sucht sich aus, Flüchtling zu sein“, sagt er – „denn niemand kann bestimmen, wo er geboren wird.“

NWZplay zeigt ein Video über Hani Al Hay: