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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Kultur

Kleine Glocke historische Sensation

29.11.2013

Oldenburg Das Schloss verfügt über einen weiteren wahren Schatz: Genau genommen über eine alte Glocke. die bei der laufenden Sanierung der Laterne geborgen wurde (die NWZ  berichtete).

„Die kleine Glocke ist als ein ganz besonderes kulturhistorisch und campanologisch (glockenhistorisch) bedeutendes Instrument zu sehen“, meint Sebastian Wamsiedler aus Salzgitter. Der Glockensachverständige ist im Internet auf den in der NWZ  veröffentlichten Artikel über die Glocke gestoßen. „Die Glocke ist nämlich nicht nur ein Schmuckstück, sie ist vielmehr ein Juwel“, schwärmt Wamsiedler. Es handele sich um die älteste noch existierende Glocke der Stadt Oldenburg, vermutlich sogar der evangelisch-lutherischen Kirche im Oldenburger Land.

Das Instrument sei höchstwahrscheinlich bereits im 14. Jahrhundert, spätestens jedoch im ersten Drittel des 15. Jahrhunderts gegossen worden. Als Vergleichsglocke könne die nicht mehr existierende Glocke der Kirche zu Dedesdorf (50 Kilometer nordöstlich von Oldenburg gelegen) herangezogen werden. Hierbei handele es sich eindeutig um eine Glocke aus dem 14. Jahrhundert, die zudem starke Ähnlichkeiten mit der kleinen Oldenburger Schlossturmglocke erkennen lasse. Wamsielder vermutet, dass die beiden Glocken in der selben Werkstatt gegossen worden sein könnten.

Als älteste Glocken der Stadt galten bisher alle, die im kirchlichen Besitz sind. Vermutlich stammt die kleine Glocke des Schlosses aus dem Rasteder Kloster, das 1526 vom letzten Mönch verlassen wurde. An der Stelle des Klosters wurde nach 1566 das Rasteder Schloss errichtet. Für die kleine Glocke gab es darin keinen Platz mehr. Wahrscheinlich ließ sie Graf Anton Günther deshalb im Jahr 1608 nach Oldenburg bringen, als er beim Schlossumbau den alten, sehr schiefen Turm abreißen und durch einen neuen ersetzen ließ. Die große Glocke ist laut Wamsiedler mit Sicherheit im Jahr 1507 gegossen worden, wohl von einem Schüler aus der Osnabrücker Van-Wou-Schule.

Die kleine Glocke (beide waren Bestandteil der Turmuhr) hängt mittlerweile wieder an ihrem angestammten Platz und verschwindet nicht (wie ursprünglich geplant) in einem Magazin. Die große Glocke war dem Heiligen Nicasius von Reims gewidmet, hat Michael Reinbold, Leiter der Abteilung Kunstgewerbe am Oldenburgischen Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte, zudem herausgefunden. Gleiches gilt für den Altar, der sich in dem Rasteder Kloster befunden hat. Deshalb ließen sich durchaus Zusammenhänge herstellen. Durch die Enge in der Laterne entging das Instrument dem Schicksal, in einem der beiden Weltkriege eingeschmolzen worden zu sein. Sie passte nicht durch die Stützbalken hindurch. Für die kleine allein hätte sich der Aufwand wohl nicht gelohnt.

Reinbold ist ferner auf Unterlagen gestoßen, aus denen hervorgeht, dass Graf Anton Günther seinen Konstabler 1628 beauftragt hatte, eine Uhr zu konstruieren, deren Ziffernblätter in alle vier Himmelsrichtungen zeigen sollten. Ursprünglich gab es wohl nur ein Ziffernblatt, das nur vom heutigen Schlossplatz aus zu sehen war.

Während der Sanierung der Laterne sind die Eisen- durch Kupfernägel ersetzt worden. Auch die eisernen Sturmhaken an der Turmspitze wurden entfernt, um das nur ein Millimeter dicke Kupferdach vor dem herabtropfenden Eisenoxid zu schützen.

Die Sanierung des Turms und der Laterne ist nahezu abgeschlossen, es wird jetzt nur noch gestrichen. „Das Gerüst wird ab nächster Woche abgebaut“, kündigt Alexandra Busch-Maaß, Bauoberrätin beim Staatlichen Baumanagement Ems-Weser, an.


NWZ TV    zeigt einen Beitrag unter   www.nwz.tv/oldenburg-stadt 
Thomas Husmann Redakteur / Redaktion Oldenburg
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