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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Kultur

KONZERT: Kleines Solistenensemble singt mit großer Noblesse

23.03.2009

OLDENBURG Spanische Motettenkunst der Renaissance, aus dem sogenannten „Goldenen Zeitalter“, brachte das jüngste Konzert der Capella St. Lamberti Oldenburg, des solistisch besetzten Ensembles, das sich unter der Leitung von Tobias Götting zu einer erstklassigen, in vielen Stilen versierten Gesangsformation entwickelt hat.

Spanien, geografisch wie musikalisch eher „am Rande“ gelegen, war an diesem Abend ganz nahe gerückt: mit Spitzenwerken der Vokalpolyphonie, und neben aller geprägten Eigenart, aller Kunstfertigkeit und Ausdruckstiefe der Werke ist deutlich geworden, wie genau sie zugleich dem gesamteuropäischen Stil jener Zeit, Blütezeit der motettischen Mehrstimmigkeit, entsprechen.

Bei Tomas Luis de Victoria, einem hervorragenden Vertreter des „europäischen“ Palestrina-Stils – er war mit Palestrina befreundet und in seinen Kompositionen oft kaum von ihm zu unterscheiden – erklärt das auch seine Biografie: als Kapellsänger und -meister in Rom (bis 1589). Von ihm gab es Teile der Missa „Salve“, und schon hier standen die Qualitäten der „Capella“, aber auch die penible und inspirierte Probenarbeit ihres Leiters Götting in hellstem Licht: bestechende Plastizität und Beweglichkeit, Wärme und Ausgeglichenheit, Intonationssicherheit aller Stimmen, atmende Phrasierung, Noblesse des Klangs.

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In Victorias „Vidi speziosam“, das gleichnishaft von der Taube, von Wasserbächen und Rosenblüten erzählt, waren Bildkraft und Poesie subtil zum Klingen gebracht.

Was in Vokalwerken der spanischen Renaissance an grandiosem Ausdruckspotenzial steckt, zeigte beispielhaft ein Marien-Hymnus („Tota pulchra es“) von Francisco Guerrero, Kathedralkapellmeister zu Sevilla. Wie hinter kunstvollem Linienspiel der Lamento-Ton aufklingt, bewiesen textgleiche Beiträge („Versa est in luctum“) von Sebastian de Vivanco und Alonso Lobo, Kathedralkapellmeister zu Toledo.

Dass alte Satzkunst, dringt man nur tief genug in sie ein, auch ohne romantisierenden Aufputz packende Atmosphäre entfaltet, zeigte Vivancos Stück „Crux fidelis“, bei dem es gelang, mit Hilfe sensibelster Klangmodellierung den Wortsinn bedeutungsvoll zu unterstreichen.

Spanisches auf dem Cembalo spielte, stilgetreu und fabelhaft virtuos, Karl-Ernst Went. In Pedro de Araújos Phantasia standen improvisatorische Gelöstheit, reiche Verzierung, Tänzerisches mit wechselnden Metren dicht beieinander. Kompositionen eines Anonymus, vorwiegend homophon, changierten zwischen überbordender Redseligkeit, tiefernster Meditation und – leeren Akkordspielereien. Went hat auch diese, wohl eher triviale Seite der frühen Tastenkunst mit exzellenter manueller Beherrschung geadelt.

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