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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Kultur

Theater: Klischees mit Lust aufgebrochen

04.07.2016
NWZonline.de NWZonline 2016-07-04T05:13:49Z 280 158

Theater:
Klischees mit Lust aufgebrochen

Oldenburg Es gibt Zwitter in der Natur. Regenwürmer zum Beispiel. Die sind lang und rosa, tragen aber keinen Hut. Im Geschlecht jedenfalls sind sie männlich und weiblich zugleich und gehören somit gewissermaßen zum Gender Mainstreaming. Wenn man etwas über Gender wissen will – die Show „Gendergeschlender“, die am Freitagabend Premiere feierte und am Wochenende drei Mal über die Bühne der Uni-Aula ging, zeigt alles.

Klischees werden bedient und hinterfragt. In vertauschten Rollen und mit fetzigen Rhythmen wird hier der Mann zum Lustobjekt, um von den „Weibern“ lasziv und erotisch umgarnt zu werden. Wie die Perlen einer Kette reihen sich in der Revue die unterschiedlichsten Facetten der Geschlechterdarstellungen aneinander. Was ist eine ideale Frau, und was tut sie alles, um Power-Frau zu sein? Und steht nicht hinter jeder starken Frau ein fleißiger Hausmann?

Der wunderbare Schlager von Johanna von Koczian „Das bisschen Haushalt macht sich von allein“ zieht sich passend als Leitmotiv durch die Revue. Später greifen die Akteure auf der Bühne den Text der Gruppe „Wise Guys“ auf und hinterfragen spöttisch, ob denn eine Powerfrau „nicht auch nur ein Mann“ sei. Die instrumentale Begleitung der Musikstudierenden ist herausragend und gekonnt. Dabei springen die Musiker in fliegendem Wechsel von ihren Instrumenten auf die Bühne und sind Schauspieler, Tänzer und Sänger zugleich. Stimmgewaltig sind die Einzelstimmen, wie beispielsweise im Solo „Wir armen, armen Mädchen“ aus der Oper „Der Waffenschmied“ von Lortzing.

Nach der Pause wackeln, huschen und toben die Schauspieler singend und palavernd in verrückten Garderoben durch den Mittelgang der Aula an den Zuschauern vorbei zur Bühne, denn diese ist Ankleidezimmer und Orchestergraben zugleich. Nach schnellem Kostümwechsel erfolgt eine kuriose Persiflage auf die Barbie-Welt. In einer der letzten Darbietungen überzeugt der Solist nicht nur mit einer ergreifenden Transvestiten-Nummer, sondern agiert auch noch singend und tanzend beneidenswert problemlos auf unglaublichen High Heels.

Das Kooperationsprojekt der Institute für Musik und Materielle Kultur hatte sich damit auseinander gesetzt, geschlechtliche Stereotypen zu analysieren und unkonventionell zu betrachten (NWZ  berichtete). Man wollte bewusst irritieren und provozieren. Das ist grandios gelungen. Was im Rückblick bleibt, ist die Freude an der Spielbegeisterung sowie dem Engagement aller Mitwirkenden. Und – eventuell lohnt sich jetzt ein kritischer Blick auf die eigene Garderobe. Da lässt sich was machen. Typisch weiblich oder männlich in Schnitt, Farbe, Form und Material muss nicht mehr sein. Nur Mut! Geschlechteridentitäten sind immer ein Thema.