NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Kultur

Finanzen: Knapper Etat zwängt Festival in enges Finanzkorsett

11.09.2014

Oldenburg Die Frage „Würden Sie anderen Leuten empfehlen, ein Filmfestival aufzuziehen?“ beantwortet Torsten Neumann mit einer Gegenfrage: „Wenn man Kino liebt, warum nicht?“ Es ist eine Antwort, in der der Haken nicht sofort sichtbar ist – das schöne Wort „lieben“ bedeutet bei einem Filmfest nämlich vielfach „verzichten“ und „Einschränken“. Und Neumann, Chef des nun 21 Jahre alten Filmfestes, weiß ein Lied davon zu singen.

Rund 300 000 Euro schwer ist der Etat fürs Festival (10. des 14. September) in diesem Jahr, gespeist wird er neben den Einnahmen vor allem mit Zuschüssen öffentlicher Institutionen (z.B. Stadt Oldenburg oder Nordmedia Film- und Mediengesellschaft) sowie mit Beiträgen privater Sponsoren (diesmal über 30 große und kleine Unternehmen). „Es sind durchweg gute Unterstützer, die hinter dem kulturellen Ansatz des Filmfestes stehen“, meint Neumann. „Wir arbeiten in einem gewachsenen Netzwerk zusammen.“

Und dennoch sitzt Küchenmeister Schmalhans bei jedem der 50Festivalfilme in vorderster Reihe. Denn die aktuelle Summe ist – mal wieder – um 40 000 Euro geringer als im Vorjahr, ein Sponsor kürzte seinen Zuschuss. Ein unerwartetes Minus in der Kasse, das das ohnehin enge Finanzkorsett der Filmtage noch mehr einschnürte. Man musste den „German Independent Award“, „Herzstück des Festes“, streichen, um über die Runden zu kommen. Die Kosten für Personal (Neumann: „Das Kernteam arbeitet schon sehr angestrengt und weit über das normale Pensum hinaus“) und für die modernste digitale Vorführtechnik sind die größten Kostenposten. „Wir müssen Technik auf höchstem Level anbieten, sonst kriegen wir viele Filme gar nicht, weil sie anders nicht zu präsentieren sind“, weiß der Filmfestchef. Weitere Kosten entstehen durch Reisen, Transporte und Aufenthalte.

Einwilligung und Werberichtlinie

Ja, ich möchte den täglichen NWZonline-Newsletter erhalten. Meine E-Mailadresse wird ausschließlich für den Versand des Newsletters verwendet. Ich kann diese Einwilligung jederzeit widerrufen, indem ich mich vom Newsletter abmelde (Hinweise zur Abmeldung sind in jeder E-Mail enthalten). Nähere Informationen zur Verarbeitung meiner Daten finde ich in der Datenschutzerklärung, die ich zur Kenntnis genommen habe.

Ideal ist darum etwas anderes für Torsten Neumann. 450 000 Euro – das ist die Summe, die seinem Filmfest angemessen wäre, um es in allen Teilen (Stars, Technik, Programm, Drumherum) gut auszustatten. Diese Höhe hatte der Etat zwar noch nie, aber man war einst auf dem Weg dahin. Dann kam das Jahr 2010 mit dem berühmten „Frosch-Festival“ als Protest gegen die Kürzung des städtischen Zuschusses um 40000 Euro (gleichzeitig zahlte die Stadt 40000 Euro für einen neuen Froschteich). SPD und Grüne im Rat waren über die Aktion verschnupft und beharrten fortan auf den Kürzungen. Oberbürgermeister Gerd Schwandner konnte sich in keiner Haushaltsrunde mehr mit seinem 95 000-Euro-Ansatz fürs Fest durchsetzen, der Zuschuss blieb gedeckelt bei 50 000 Euro.

Das verringerte Engagement von Sponsoren, die auf wirtschaftliche Gegebenheiten reagieren mussten, macht die 450 000 Euro vorerst aber zum schönen Etattraum. Dennoch könnte sich etwas ändern, wenn öffentliche und private Geldgeber gemeinsam in Sachen Kultur agieren, auch beim Filmfest. Das findet zum Beispiel Karin Katerbau vom Vorstand des Hauptsponsors OLB: Es müsse „grundsätzlich Aufgabe des Bundes und der Länder sein, eine kulturelle Grundversorgung für die Bürger sicherzustellen. Mit unserer Förderarbeit leisten wir gezielt finanzielle Ergänzungen und Aufbauarbeit, um Projekte mit zu entwickeln und die Region für die Menschen noch attraktiver zu machen.“ Aus heutiger Sicht, so Katerbau, wolle man die „seit 21 Jahren starke Partnerschaft fortsetzen“. Denn auch die OLB profitiere „von der Strahlkraft des Projekts“.

Der „glänzende Imageträger für Oldenburg“, wie das Filmfest überall und seit Jahren schon gelobt wird, hat wohl doch eine Zukunft.

Klaus Fricke
Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.