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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Kultur

Offener Brief kritisiert Programm des Staatstheaters

14.11.2015

Oldenburg In einem offenen Brief an Generalintendanten Christian Firmbach kritisieren jetzt elf Oldenburger Theatergänger die sogenannte Sparte 7 des Staatstheaters. In diesem eher experimentierfreudigen und auch partizipativen Format können Zuschauer häufig das Geschehen beeinflussen: Dazu gehört vor allem das Zukunftsprojekt „Postkollaps – gemeinsam weniger erreichen“, das das Theater in Zusammenarbeit mit der Universität anbietet.

Aus Sicht von Lehrer Rolf Jordan, der den offenen Brief namens aller unterzeichnet hat, wird in der „Sparte 7“ von einem öffentlich subventionierten Staatstheater einseitig Propaganda betrieben für die Freiwirtschaftslehre und deren Gründungsvater Silvio Gesell (1862-1930). Nach Meinung der Unterzeichner (darunter Hochschullehrer und Lehrer) suggeriere der Titel „Postkollaps – gemeinsam weniger erreichen“, den Anspruch, die Welt retten zu wollen. In den Augen der Unterzeichner werden aber die demokratiefeindlichen, antisemitischen und menschenverachtenden Komponenten des Finanztheoretikers verschwiegen.

Besonders kritisch werden in diesem Zusammenhang auch die in der Projektskizze erwähnten „Huntetaler“ als Regionalwährung gesehen.

kommentar

Freiheit auf der Bühne

Die Freiheit zwischen der Bühne, der Politik und dem Parkett ist ein hohes Gut. Zu Zeiten des Kalten Krieges honorierten etwa nicht alle Politiker, dass der „linke“ Bertolt Brecht gespielt wurde, womöglich noch die „Heilige Johanna der Schlachthöfe“. Da konnten dann schon einmal Subventionen gestrichen werden, wenn in der DDR ein Ulbricht wieder gegen die BRD wetterte. Schließlich machte Brechts Witwe Helene Weigel in Ostberlin Theater. Freiheit ist ja auch immer die Freiheit der Andersdenkenden.

Aufgabe des Theaters ist zu unterhalten, auf jeden Fall. Aber es sollte auch inspirieren, provozieren und zu neuen Gedanken einladen. Man kann nicht ausschließlich „Die lustige Witwe“ spielen, dennoch hat sie ihre Berechtigung im Programm.

Ein „Repair-Café“ begeistert viele junge Menschen für Theater – und so hat es auch seine Berechtigung. Neue Formate müssen neben den Klassikern ausprobiert werden. Theater hat schließlich auch einen gesamtgesellschaftlichen Auftrag.

Wie Generalintendant Christian Firmbach dazu mitteilt, beschäftige man sich mit der Kritik in dem offenen Brief. Es sei aber auch Aufgabe des Theaters, aktuelle Strömungen – wie etwa die postökonomische Wachstumskritik – aufzugreifen und sie ins Bewusstsein der Gesellschaft zu heben. Als Beispiel nennt er etwa das Stück über die ermordete russische Journalistin Anna Politkowskaja, das Donnerstag Premiere feierte. „Die meisten von uns haben das doch längst wieder vergessen, dennoch ist es ein wichtiges Thema.“

In der „Sparte 7“ hat sich das Theater für alle Projekte lokale Partner gesucht. So gehört etwa das beliebte Repair-Café in der Baumgartenstraße dazu, aber auch „Utopoly“ in der Exerzierhalle. „Die regionale Währung ist doch nur ein Gedankenspiel“, erklärt Firmbach. „und das muss erlaubt sein und soll anregen, auf neue Ideen zu kommen.“

In der Vorstellung zu diesen Projekten „Sparte 7“ hatte Prof. Dr. Niko Paech, Spezialist für Postwachstumsökonomie an der Universität, erklärt, die darstellende Kunst sei bestens geeignet, Nachhaltigkeit sinnlich erfahrbar zu machen und alternative Realitäten kennenzulernen.

Wachstumskritiker Paech hatte sich schon früher von der Gesamttheorie Gesells distanziert, und auch Firmbach tut es. „Aber ich verteidige mit aller Gewalt, dass wir mit alternativen Formaten experimentieren. Warum nicht einmal während der Vorstellung twittern oder ähnliches?“ Man müsse als Theater auch für das junge Publikum interessant bleiben.

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