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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Kultur

Leben zwischen Wolfs- und Schafspelz

06.05.2016

Oldenburg Am Beginn der Geschichte des jungen Wolfes Ferdinand stehen gleichermaßen Verlust und Neuanfang. Auf der gemeinsamen Flucht vor dem Hunger sterben seine Eltern. Ein kinderloses Schafspaar nimmt Ferdinand auf und erzieht ihn wie sein eigenes Junges. Der Wolf wächst behütet als Schaf in der Herde auf. Er hat Freunde, erfährt die erste große Liebe.

Bis ein Unfall passiert, der Ferdinands geschützte Welt und sein Selbstbild zusammenbrechen lässt: Freundin Melanie liegt nach einem gemeinsamen, nächtlichen Ausflug jenseits der Grenzzäune tot am Boden. Der Verdacht fällt auf Ferdinand und er muss gehen, zurück in das Wolfsrudel. „Einmal Wolf, immer Wolf!“, so lautet die Begründung. Nur grenzt man ihn im Rudel ebenso aus wie in der Schafherde.

In „Die besseren Wälder“ fragt Autor Martin Baltscheit nach der Bedeutung von Herkunft für den persönlichen Lebensweg. Er ist dafür bekannt, in seinen Theaterstücken und Büchern bildhaft und damit kindgerecht von diesen und anderen großen Themen zu erzählen. Nicht zuletzt deshalb gilt er als Meister der modernen Fabel. Eigentlich.

Denn Baltscheit spielt mit den Genres, findet Dramaturg Matthias Grön. „Er ist ein Schelm, was das angeht.“ Das Stück sei keine klassische Fabel, weil die traditionelle Rollenverteilung der Tiere fehle. „Da stünde ein Fuchs zum Beispiel für einen schlauen Menschen, und das ist hier nicht der Fall.“ Die Tiere hinterfragten vielmehr ständig ihre Identität und ihre Rolle. Nicht nur Wolf Ferdinand, auch Bär und Gans befänden sich auf einer ständigen Gratwanderung zwischen Ich-Sein und Anpassung an gesellschaftliche Normen.

Herkunft? Erziehung? Erfahrungen? Charakter? Baltscheit fragt, was von alldem bestimmend für die eigene Zukunft ist. „Dabei ist interessant, dass die Konflikte erst von außen kommen“, sagt Regisseur Ingo Putz. Ferdinand sei mit sich selbst und seinen Besonderheiten im Reinen. „Erst als ihn seine Adoptiveltern als Wolf definieren und gleichzeitig die Wölfe als Schaf, stellt ihn das vor große Entscheidungen.“

Besonders sei auch, dass sich die Thematik anders als bei Fabeln üblich nicht auf eine Moral reduzieren lasse. „Vielleicht ist die Essenz, dass jeder selbst entscheidet, wie er lebt und mit wem.“

Für diesen Blick auf die Herkunftsfrage erhielt Martin Baltscheit für „Die besseren Wälder“ schon 2010 den Deutschen Jugendtheaterpreis. Heute ist die Frage nach Identität und die Suche nach dem eigenen Platz in der Welt aktueller denn je. Mal ernst, mal komisch durchleben Zuschauer ab 12 Jahren diese Reise gemeinsam mit dem Wolf Ferdinand.

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