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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Kultur

Leise Töne von großer Intensität

20.03.2015

Oldenburg Ganz leise schlich sich Veranstalter Paddy Maindok am Mittwochabend in der Pause des Konzertes von Randi Tytingvåg auf die Bühne des Theater Laboratorium, um auf die nächsten Veranstaltungen hinzuweisen. Ganz leise deshalb, weil er die besondere Stimmung des Abends nicht stören wollte. Randi Tytingvågs Musik sei so, als laufe man auf Zehenspitzen über einen See mit ganz dünner Eisdecke – still und fragil, aber unglaublich intensiv. So könnte man es nennen. Man könnte aber auch mit einem Wort sagen: schön.

Die norwegische Sängerin war in den vergangenen vier Jahren bereits zweimal in Oldenburg, allerdings in anderer Besetzung: mit Akkordeon, Bass, Gitarre, Klavier und Schlagzeug. Bei ihrem diesjährigen Tour-Auftakt in Oldenburg ging es etwas minimalistischer zu. Mit Dag S. Vagle (Gitarre/Gesang) und Erlend Aasland (Banjo/Gitarre/präpariertes Klavier/Gesang) standen ihr diesmal „nur“ zwei großartige Musiker zur Seite (Aaslands eigenwillige Rhythmusgestaltung mit dem Banjo wäre eine eigene Rezension wert).

Die zurückgenommene Instrumentierung bedeutet durchaus einen Stilwandel. Die älteren Songs von Randi Tytingvåg sind stiloffene Wohlfühlmusik jenseits des Jazz. Die neue Randi Tytingvåg setzt mehr auf die leiseren Töne. Die Musik der Norwegerin ist (vielleicht auch durch die Geburt ihrer Tochter, die sie als unfassbares Wunder empfindet) noch intensiver geworden – feinsinniger, verletzlicher, was man angesichts deutlicher Country- und Folk-Einflüsse aus Amerika nicht unbedingt erwarten würde. Ihre Musik, ihr sympathisches Auftreten, der feine Humor teilen mit: Diese Frau ist mit sich im Reinen.

Ihre Arrangements von Stücken weltbekannter Musiker (u. a. Joni Mitchell, Tom Waits, Louis „Satchmo“ Armstrong, Charly Chaplin) sind bemerkenswert eigenständig. Die Interpretation von Armstrongs „Wonderful World“ steht in einer Reihe mit Katie Melua & Eva Cassidy, die da Maßstäbe gesetzt haben.

Tytingvågs Vielseitigkeit ist ihre besondere Stärke. Ihre wandelbare Stimme nimmt gefangen, mal kraftvoll stark und bestimmend, mal hingehaucht wie bei Monroe, aber immer mit ungeheurer Intensität. Sie singt meistens in englischer Sprache, manchmal auch auf Deutsch („Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt“) oder in ihrer Heimatsprache Norwegisch.

Hinter jedem ihrer eigenen Songs steht eine Geschichte. Es sind Texte von poetischer Leichtigkeit, wie man sie überzeugender kaum präsentieren kann. Balsam für die Seele.

Ein gebannt lauschendes Publikum im fast ausverkauften Theater Laboratorium verlangte nach gut zwei Stunden am Schluss mit frenetischem Beifall nach mehr. Das Trio kam dem mit mehreren Zugaben nach, ehe Randi Tytingvåg mit einem norwegischen Abendlied ohne jede Instrumentalbegleitung einen wundervollen Abend angemessen beendete.

Thomas Haselier

Archiv
Tel:
0441 9988 2085

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Theater Laboratorium

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