• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Markt
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • LocaFox
  • Shop
  • Events
  • Tickets
  • nordbuzz
  • FuPa
  • Werben
  • Kontakt
NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Kultur

Jüdische Gemeinde blüht seit 25 Jahren

09.08.2017

Oldenburg Die jüdische Gemeinde zu Oldenburg wird 25 Jahre alt. Ein guter Grund, Geburtstag zu feiern

Leo Trepp bei einem seiner Besuche in Oldenburg. BILD: Peter Duddek

Leo Trepp

Beim Festakt zum 25-jährigen Bestehen wird die Stadt Oldenburg Leo Trepp posthum ehren, erklärt der Gemeinde-Vorsitzende Jehuda Wältermann. „Ich freue mich sehr darüber“, sagt Wältermann. Ebenso lobt er die enge Zusammenarbeit mit der Stadt Oldenburg.

Leo Trepp wurde am 4. März 1913 in Mainz geboren. Vom 1. August 1936 an war er Rabbiner in Oldenburg. 1938 wurde er in das KZ Sachsenhausen deportiert, konnte jedoch im gleichen Jahr nach England und später in die USA emigrieren. Er starb am 2. September 2010 in San Francisco.

Mit dem Leo-Trepp-Lehrhaus gedenkt die jüdische Gemeinde zu Oldenburg ihrem letzten Landesrabbiner. Als es im Mai 2011 eröffnet wurde, sagte die damalige Vorsitzende der Gemeinde, Sara-Ruth Schumann: „Für uns ist Leo Trepp der Rabbiner der Versöhnung.“ Und in diesem Geist solle das Lehrhaus geführt werden.

Seit 2011 werden in dem Haus, das seinen Sitz im Gebäude in der Leo-Trepp-Straße hat, Vorträge organisiert. Außerdem gibt es eine Kooperation des Lehrhauses mit der Carl-von-Ossietzky-Universität.

Die nächste Veranstaltung, an der das Leo-Trepp-Lehrhaus und der Studiengang Interkulturelle Jüdische Studien beteiligt ist, findet am Sonntag, 20. August, von 15 bis 18 Uhr im PFL statt. Dort geht die Ringvorlesung „Diaspora – Heimat, Fremde, Lebensmodell“ weiter.

– und das nicht nur an einem Tag, sondern gleich eine ganzen Woche lang. Los geht es am Sonntag, 13. August, um 11 Uhr mit einem Festakt im städtischen Kulturzentrum PFL, Peterstraße 3.

Aber mit dem offiziellen Festakt soll die Feier nicht vorbei sein: „Ich freue mich sehr darüber, dass unsere Gemeinde 25 Jahre alt wird und dass wir das mit der ganzen Gemeinde feiern werden“, sagt Jehuda Wältermann, der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde zu Oldenburg. Auch wenn es bis dahin noch einiges zu organisieren gibt. Die Vorbereitungen für die Festwoche hätten schon im vergangenen Jahr angefangen, erklärt Wältermann. „So richtig in die Planung sind wir dann im Februar diesen Jahres eingestiegen.“

Konzerte, Film und Feste

Am Montag, 14. August, gibt der Chor der jüdischen Gemeinde mit Rabbinerin Alina Treiger, Kindern und Erwachsenen ein Konzert im Wilhelm 13, Leo-Trepp-Straße 13. Um 16 Uhr beginnt es. Auch am Dienstag, 15. August, wird es musikalisch. Um 20 Uhr spielt das Trio „Sol sayn gelebt“ aus Bremen zum Klezmer-Konzert auf.

Die Geburtstagsfeier nimmt Farschid Al Zahedi als Anlass am Mittwoch, 16. August, seinen Film „Wir glaubten, die Sonne geht nicht wieder auf“ zu zeigen. Der Film dokumentiert den vergessenen und verdrängten Oldenburger NS-Prozess der 60er-Jahre und wird um 19.30 Uhr im Kinoladen (Wallstraße 24) zu sehen sein.

Den Abschluss der Festwoche macht am Sonntag, 20. August, das Kantoren-Duo Nicola David und Yoed Sorek mit einem Konzert um 15 Uhr im PFL. Der Eintritt zu den Veranstaltungen während der Festwoche ist kostenlos.

Jüdische Geschichte

Zeitstrahl

6. August 1992: Die jüdische Gemeinde zu Oldenburg wird erneut gegründet. Es ist der zweite Versuch nach der Shoa, jüdisches Leben in die Stadt zu holen. Bei der Gründungsversammlung sind 34 Personen.

1992 bis 1995: In der Zeit war der damalige Landesrabbiner Dr. Henry Brandt für die jüdische Gemeinde zu Oldenburg zuständig.

März 1995: Der Einzug in das Synagogengebäude in der Wilhelmstraße findet statt. Heute ist die jüdische Gemeinde zu Oldenburg in der Leo-Trepp-Straße 15-17 zu finden.

1995 bis 2004: Die Rabbinerin Bea Wyler übernahm die Gemeinde in Oldenburg. Sie war die erste Frau nach der Shoa, die in Deutschland als Rabbinerin tätig war.

2000: Das Gemeindehaus sowie die Mikwe, ein Tauchbad zum Zweck der Reinigung von ritueller Unreinheit, sind fertig. Außerdem konnte ein neuer Friedhof gekauft werden.

2006 bis 2008: Auf Frau Wyler folgt der Rabbiner Daniel Alter. Nach ihm gab es jedoch eine Übergangszeit, in der Jonah Sievers, Landesrabbiner von Niedersachsen, zuständig war.

17. Juni 2012: Feier zum 20-jährigen Bestehen der Gemeinde. Gäste sind unter anderem der Ex-Universitäts-Präsident Michael Daxner, Jürgen Trittin (Grüne) und Dieter Graumann.

27. März 2011: Seitdem wird die jüdische Gemeinde zu Oldenburg erneut von einer Frau geleitet: Rabbinerin Alina Treiger übernahm das Amt.

Dass es in Oldenburg nun seit 25 Jahren am Stück wieder jüdisches Leben nach der Shoa gibt, ist besonders einer Frau zu verdanken: Sara-Ruth Schumann war Mitbegründerin der jüdischen Gemeinde, die am 6. August 1992 erneut in Oldenburg ins Leben gerufen wurde.

Zwar gab es schon einmal nach dem Zweiten Weltkrieg eine Jüdische Gemeinde in Oldenburg – sie wurde 1945 von Adolf de Beer gegründet – jedoch ging sie Ende der 60er Jahre in der Gemeinde Hannover auf. Denn damals gab es zu wenig Mitglieder.

Das war 1992 anders: Zwar waren es bei der Gründung nur 18 Mitglieder, aber schon in den 90er Jahren wuchs die Gemeinde auf 300 Mitglieder an. Auch heute noch hat sie rund 300 Mitglieder, davon sind 20 Kinder und Jugendliche, sagt Wältermann. Er legt bei seiner Arbeit als Nachfolger von Schumann einen besonderen Wert auf die Förderung der Jugendarbeit. „Dafür, dass wir eine verhältnismäßig kleine Gemeinde sind, ist unsere Jugendarbeit gut aufgestellt und auch die Sonntags-Schule entwickelt sich“, freut sich Wältermann.

Bevor Sara-Ruth Schumann 2012 aus gesundheitlichen Gründen zurücktrat, war sie nicht nur die Vorsitzende sondern auch die gute Seele der Gemeinde. Sie nahm den Schlüssel für die neue Synagoge im Rahmen der „Woche der Brüderlichkeit“ im März 1995 entgegen und verhielt sich sehr geschickt, als im gleichen Jahr in Oldenburg mit Bea Wyler die erste Rabbinerin Deutschlands verpflichtet wurde.

Damals löste dies einen deutschlandweiten Disput aus, da die orthodoxen Juden in Deutschland es als Affront verstanden, dass eine Frau Rabbinerin werden sollte. Doch Schumann gelang es, eine offene Konfrontation zu vermeiden und gleichzeitig hinter Wyler zu stehen.

Rabbinerinnen-Tradition

„Bea Wyler wird auch zum Festakt anwesend sein, obwohl sie zuvor noch eine Barmitzwa in der Schweiz hat“, freut sich Wältermann über ihren Besuch.

Auch heute hat die jüdische Gemeinde zu Oldenburg eine Rabbinerin: Alina Treiger ist seit dem 27. März 2011 als Ortsrabbinerin für Oldenburg und Delmenhorst zuständig und wirkt natürlich auch bei der Festwoche mit.


Mehr Informationen unter   www.juedischegemeinde-zu-oldenburg.de 
Stöbern Sie in über 70 Jahren Zeitgeschichte in unserem NWZ-ePaper Archiv.

NWZ-ePaper Archiv
Stöbern Sie in über 70 Jahren Zeitgeschichte in unserem NWZ-ePaper Archiv.