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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Kultur

Lasershow im „Renaissance“ stellte alles in den Schatten

24.05.2014

Oldenburg Ein hämmernder Drumcomputer-Beat hallt aus den Boxen. Zur Synthesizermelodie und Basslinie von New Orders „Blue Monday“ breiten sich blaue und grüne Linien über den Köpfen der Tanzenden aus – eine Momentaufnahme im Frühjahr 1983 aus dem „Renaissance“, die eine der Besonderheiten der Oldenburger Großdiskothek zeigt: Das „Rinne“, wie die Gäste ihre Disco nannten, verfügte damals über die erste Weißlicht-Laseranlage Deutschlands. Bedient wurden die Laser am Lichtpult von Rainer Urbschat, der nicht nur die Light-Show im Griff hatte, sondern als DJ Musik auflegte. „Zweimal am Abend haben wir die Lasershow gestartet“, erinnert sich der heute 61-Jährige. Um den Effekt nicht verpuffen und die Kosten nicht ausufern zu lassen. Elf Liter Wasser verbrauchte die Anlage pro Minute, erzählt Urbschat. Außer „Blue Monday“ habe er damals gerne auch „In the Air Tonight“ von Phil Collins „verlasert“.

Das am 19. September 1979 an der vorderen Alexanderstraße von Wilfried Hohnholt und Rüdiger Mammen eröffnete „Renaissance“ unterschied sich nicht nur durch die spektakuläre Laseranlage von den anderen Discos der Stadt. Verfolgt wurde ein Konzept, das „Diskothek und Konzertsaal, Kneipe, Café und ein Restaurant mit französischer Küche“ unter einem Dach vereinte, schrieb damals die NWZ.

Die großzügigen Räumlichkeiten erleichterten durch eine klare Gliederung das integrative Konzept. Die Gäste betraten die Diskothek über einen Vorraum, an den sich die weiteren Bereiche anschlossen. Neben der eigentlichen Disco mit Tanzfläche gab es zwei Kneipen, von denen eine mit Instrumenten – Klavier und Gitarre – ausgestattet war, die für individuelle musikalische Einlagen genutzt werden konnten.

Der Saal im „Renaissance“ war zweigeschossig: Eine Galerie bot einen guten Überblick über die Tanzfläche und das Publikum, war aber offenbar auch nicht ganz ungefährlich: Rainer Urbschat erinnert sich daran, dass einmal eine Frau absichtlich über die Balustrade geklettert war und drei Meter tief hinab gestürzt war: „Zum Glück war ihr nichts Ernsthaftes passiert.“

Die musikalische Auswahl hatten sich die Betreiber lange überlegt, so Urbschat. „Wir haben bewusst Breitband gefahren und die Musik auf den Geschmack von Frauen ausgerichtet.“ Dahinter stand das Kalkül, dass eine große Anzahl tanzender Frauen die Männer wie von selbst ins Lokal lockt. Das Konzept ging auf: In den Anfangszeiten sei es so voll gewesen, dass es schon um 21 Uhr kein Durchkommen zu den Theken mehr gegeben habe, sagt Urbschat: „Keiner konnte ahnen, dass der Laden so einschlägt.“

Bässe im Badezimmer

Einer, der das hautnah zu spüren bekommen hat, ist Tino Eden. Er hat damals in einer Wohnung an der Nelkenstraße „Wand an Wand“ mit dem „Renaissance“ gewohnt. „Das war eine wilde Zeit“, blickt der 55-Jährige zurück. Den wummernden Bässen von nebenan konnte er sich nicht entziehen – weder unter der Bettdecke, noch unter Wasser in der Badewanne. Anwohner-Beschwerden begegneten die Betreiber so: Eintritt und Getränke waren für Tino Eden frei.

Hits von Radio Hilversum

Rainer Urbschat selber hatte eigentlich nur drei Monate aushelfen wollen, um DJs einzuarbeiten. Daraus wurde dann sogar eine Teilhaberschaft, als Rüdiger Mammen ausstieg. Die neuesten musikalischen Trends spürte er als DJ beim holländischen Radio Hilversum auf, indem er einen grenznah wohnenden Bekannten mit einer Richtantenne ausstattete. Aus den Aufnahmen mixte Urbschat Tapes fürs „Renaissance“.

Für die legendären Lichtshows ergänzte er den Laser der Schweizer Firma ACR durch einen Rechner auf Amiga-Basis, die so genannte „Fritz-Kiste“, mit der Urbschat Bilder zur Musik programmieren konnte. Der ACR-Chef war davon so beeindruckt, dass er Rainer Urbschat abwarb. In der Folgezeit stattete der Oldenburger Light-Jockey Diskotheken in ganz Deutschland aus und rückte auch Fernsehshows ins rechte Laser-Licht.

DJ legt weiter auf

Derweil ging es mit dem „Renaissance“ nach einem Besitzerwechsel bergab. Das Ende kam dann abrupt: Ein Großfeuer zerstörte am 6. August 1991 den großen Saal der Diskothek, 1992 lehnte die Stadt den Antrag des Eigners auf Wiederaufbau des Saals ab. Im vorderen Bereich eröffnete für kurze Zeit noch einmal das „Rock-Café“, ohne jedoch an alte Zeiten anknüpfen zu können. Nach jahrelangem Leerstand wurde das Gebäude, das früher Tanzlokale wie „Astoria“ und „Zillertal“ beherbergt hatte, im Oktober 2002 abgerissen. Erst im vergangenen Jahr wurde die Baulücke wieder geschlossen: In der vorigen Woche eröffnete dort ein Hotel der B&B-Kette.

Rainer Urbschat legt indes immer noch auf – demnächst am 28. Juni bei der DJ-Night im Schlossmuseum Jever, die an die Ausstellung „Break on through to the other side“ anknüpft. Urbschat freut sich schon auf das Wiedersehen mit alten Weggefährten: „Das ist ein friedliches Woodstock.“


Spezial unter   www.nwzonline.de/discos-oldenburg 
Stephan Onnen
Redakteur
Redaktion Oldenburg
Tel:
0441 9988 2114

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