• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Markt
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Events
  • Tickets
  • nordbuzz
  • FuPa
  • Kontakt
  • Werben
NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Kultur

„Liebe zum Schauspiel-Beruf wird ausgenutzt“

10.11.2016

Oldenburg Macbeth, Das Gespenst von Canterville, Tschick: alles wunderbar – wenn man im Publikum sitzt. Auch, wenn man auf der Bühne steht. Nur hinterm Vorhang ist es trister als gedacht.

Diesen ernüchternden Blick hinter die Kulissen hat NDR1 am Dienstagabend in seiner Sendereihe „Jetzt reicht’s“ in der Exerzierhalle ermöglicht (Ausstrahlung an diesem Donnerstag, 19 Uhr).

Unter dem Titel „Kultur am Katzentisch – Oldenburger Schauspieler wollen bessere Arbeitsbedingungen“ ging es um verblüffend niedrige Gagen, regelmäßige Kurzfristverträge, fehlenden Kündigungsschutz selbst für Schwangere und die ständige Angst, bald vor dem Nichts zu stehen.

Öffentlich gemacht hat die Misere das „Ensemble Netzwerk“, eine Initiative, die im Ensemble des Staatstheaters gestartet wurde und im ganzen Land Widerhall findet.

Lisa Jopt vom „Netzwerk“ sagt: „Es ist ein bundesweites Problem. An den meisten Theatern wird zu viel produziert mit zu wenig Leuten und zu wenig Geld.“ Aber die Bezahlung sei in Oldenburg „besonders schlecht“. Das bestätigen die Schauspieler: „Ich liebe meinen Beruf und ich liebe dieses Theater.“ Diese große Lust werde ausgenutzt. „Wenn nichts übrig bleibt auf dem Konto, wird es trotz des Applauses hart.“

Nach fast drei Jahren am Staatstheater hat eine Schauspielerin 1289 Euro am Monatsende auf dem Konto (2000 Euro brutto). Eine andere bekommt im 6. Berufsjahr 1400 Euro heraus (2275 Euro brutto) – bei einer Wochenarbeitszeit von 48 Stunden. Die Texte werden in der Freizeit gelernt. Die Euphorie, es ans Staatstheater geschafft zu haben, halte unter den herrschenden Bedingungen „eineinhalb bis zwei Jahre – dann hat man keinen Bock mehr“, spitzte es eine von ihnen zu.

Jörg Löwer von der Bühnengenossenschaft verlangt, „dass mehr Geld ins System muss“, auch die Arbeitszeiten würden nicht eingehalten. Der SPD-Landtagsabgeordnete Ulf Prange zeigt gemeinsam mit der Kulturausschuss-Vorsitzenden Ursula Burdiek Verständnis für die Forderungen. Er verweist aber auf die Kosten. 15 Millionen flössen aus Baumitteln ins Staatstheater – etwa für die Sicherheit.

Intendant Christian Firmbach „begrüßt“ den Protest. Die schwierigen Bedingungen träfen auch auf Regieassistenten, Sänger und Tänzer zu. Das Theater bemühe sich bereits, Entlastungen zu ermöglichen. Vieles koste aber nun mal Geld – auch eine vom Vorgänger-Intendanten geschaffene Exerzierhallen-Bühne. Und er habe „Zielvorgaben zu erfüllen“. Für die angestrebte Zuschauerzahl brauche er zahlreiche Produktionen – und vieles mehr. Lisa Jopt forderte, diese Zielvorgabe mal unter die Lupe zu nehmen.

Für Moderator Hans-Jürgen Otte stellte sich aber auch die Frage nach der Notwendigkeit der zusätzlich geschaffenen „Sparte 7“. Gesprochen werden könne zudem über die Tatsache, dass jeder Intendant „mit seiner ganzen Entourage“ ans nächste Theater ziehen könne. Eine Abkehr von dieser „feudalistisch“ anmutenden Praxis könne Schauspielern endlich Planungssicherheit geben. Ihre hohe Professionalität hänge nicht ab von der Intendanz.

Weitere Nachrichten:

Staatstheater | SPD