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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Kultur

Liegt Adolf von Nassau im Heizungskeller?

30.01.2016

Oldenburg Er gilt in den Niederlanden als eine Art Held, als Freiheitskämpfer allemal. Sein Name taucht in der holländischen Nationalhymne auf (vierte Strophe zwar, aber immerhin). Kurzum: „Er ist in Holland eine Legende“, sagen Lammert Doedens und Ralph Hennings. Der Groninger Historiker und der Oldenburger Theologe müssen es wissen, schließlich dreht sich zurzeit bei ihnen alles um „ihn“. Um den holländischen Grafen Adolf von Nassau (1540-1568).

Seit die beiden ihre These veröffentlicht haben, Adolfs sterbliche Überreste lägen in einem Sammelsarg im Heizungskeller der Lambertikirche (die NWZ  berichtete), sorgt der Bruder des großen holländischen Fürsten Wilhelm von Oranien für Aufregung. „Was geschah mit Graf Adolf?“, fragt bang das Adels-Internetportal www.nettyroyal.nl, und die Amsterdamer Zeitung „Trouw“ jubelt: „Endlich liegt Adolf richtig“.

Wo der Held liegt

Man merkt, es ist für Holländer durchaus von Interesse zu wissen, was aus einem ihrer Helden des Spanisch-Niederländischen Krieges (1568-1648) geworden ist. Adolf von Nassau, ein erfahrener Feldherr, hatte als Befehlshaber der Kavallerie zusammen mit seinem Bruder Ludwig seine Truppen in die erste große Schlacht des 80 Jahre währenden Freiheits- und Religionskampfes gegen Spaniens katholischen König Phillip II. geführt. Der Waffengang am 23. Mai 1568 bei Heiligerlee nahe Groningen wurde zwar gewonnen, Adolf selbst aber überlebte den Tag nicht: Der gegnerische Truppenführer Johann von Ligne tötete ihn.

Dennoch: Dieser erste holländische Sieg auf dem Schlachtfeld, dem zunächst diverse Niederlagen folgten, festigte Adolfs Ruf als glorioser Freiheitskämpfer endgültig. Der zweitjüngste Bruder von Wilhelm Oranje, dem „Vater des Vaterlandes“, wurde zunächst mit allen Ehren in einer Klosterkirche in der Nähe von Groningen beigesetzt. Ruhe war dem Toten damit aber nicht vergönnt. Man habe „Angst gehabt vor der Rache der Spanier, die sich möglicherweise den Leichnam holen wollten“, meint Historiker Doedens, „und deshalb wurde eine sicherere Grabstelle gesucht.“

Fragt sich nur, wo es sicher sein könnte für einen gefallenen Nationalhelden. Seit gut 20 Jahren treibt den 55-Jährigen dieses Problem um, verbunden mit einem intensiven Studium zum Teil bislang unbekannter Quellen. Und das Forschen, an dem sich seit zwei Jahren auch Ralph Hennings als Pastor der Lambertikirche beteiligt, brachte erste Erfolge ein: Doedens fand eine Urkunde, der zufolge Adolfs Gebeine in einer nahen Stadt verborgen (lateinisch: „oppidum condendum“) wurden. „Infrage kommen da zunächst Emden, Aurich, Leer und Wittmund“, überlegt Doedens. „Doch alle vier Städte sind Holland zu nah. Oldenburg dagegen lag auch auf evangelischem Gebiet und war doch weit genug entfernt von der Grenze, als dass Spanien einen Einfall ins Deutsche Reich hätte wagen können.“

Eine Sensation?

Bedeutender (Doedens: „Eine Sensation“) war danach die Entdeckung des Taufbuchs von Mauritz (1567-1625), erster evangelisch getaufter Sohn Wilhelms von Oranien. In dem Dokument ist Graf Anton I. von Oldenburg (1505-1573) als einer von drei Paten verzeichnet. „Das beweist, wie eng die Familien Nassau und Oldenburg verbunden waren“, betont Hennings. „Durch diese Taufe ist ganz klar ein Fürstenbündnis geschlossen worden.“ Zudem ist belegt, dass Ludwig von Nassau (1538-1574) sich bald nach der Beerdigung seines Bruders nach Oldenburg begab, hier aber nicht offiziell im Schloss, sondern inoffiziell im Haus Achternstraße 40 logierte. „Während des Besuchs wurden heimlich Vorbereitungen getroffen für die Überführung des Leichnams“, vermutet Doedens.

Noch bleibt aber, trotz guter Faktenlage, alles Spekulation. Gewissheit kann es nur geben, wenn man die Gebeine Adolfs von Nassau in der Lambertikirche nachweist. Sollten sie tatsächlich dort liegen, dann im heutigen Heizungskeller, unzugänglich aufbewahrt hinter einer weiß getünchten Mauer in einem Sammelsarg. Der wurde im Jahr 1937 aufgestellt, um Gebeine unklarer Herkunft, die man bei der vorletzten Heizungssanierung der Kirche freigelegt hatte, zu verstauen. „Die Nazis waren da nicht zimperlich“, sagt Hennings. Besser erging es den Überresten von Graf Anton Günther und seiner Frau Sophie Katharina sowie von Graf Anton I. und seiner Frau Herzogin Sophie; ihre Särge, Kenotaphe und Grabdeckplatten sind erhalten (und zum Teil in der Kirche ausgestellt).

Fürsten im Sammelsarg

Der Sammelsarg im Kirchenkeller birgt sogar in doppelter Hinsicht Brisantes. Möglicherweise liegen hier die Gebeine von Adolf von Nassau, „ganz sicher“, so Hennings, aber die Überreste von Graf Christoph von Oldenburg (1504-1566). „Für uns ist er fast der wichtigere“, meint Pastor Hennings. „Christoph förderte die Reformation im Oldenburgischen sehr stark, führte sie hier quasi ein. Es wäre schön, seine Gebeine im Jubiläumsjahr der Reformation 2017 hier zu wissen.“

Wissenschaftlich handfeste Ergebnisse über den Inhalt des Sammelsargs sollen noch in diesem Jahr DNA-Untersuchungen der Knochen einbringen, die Anthropologen der Universität Göttingen vornehmen werden. 15 000 Euro an Fördermitteln stehen zur Verfügung, die Wissenschaftler haben zugesagt – im Heizungskeller der Lambertikirche wird bald eine Mauer aufgebrochen. Und wenn die Vergleiche mit Genmaterial von Verwandten belegt, dass Adolf von Nassau doch nicht bis nach Oldenburg kam? „Dann mache ich einfach weiter“, gibt sich Lammert Doedens trotzig-optimistisch. „Aber seine Gebeine liegen da unten. Garantiert!“

Klaus Fricke

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