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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Kultur

Meditative Akkorde und Breitseiten auf die Ohren

16.06.2014

Oldenburg Die Abendsonne taucht die Aula im Staatlichen Baumanagement in warmes Licht. Angesichts des eindrucksvollen Ambientes fragt man sich, warum dieser akustisch ordentliche Saal nur wenig für Konzerte genutzt wird. Für derlei Gedanken ist Zeit, denn klanglich passiert zunächst nicht viel: Vier Mikrofone, die das oh ton-ensemble über Lautsprechern pendeln lässt, erzeugen leise Rückkopplungen, die sich bei jedem Durchgang in Steve Reichs „Pendulum Music“ ein wenig ändern. Dann nehmen die Rückkopplungen erheblich an Lautstärke zu, es brummt, quietscht, pfeift zudringlich. Im Publikum halten sich viele die Ohren zu, immer mehr verlassen den Saal. An die Schönheit des Ortes denkt da sicher keiner mehr.

Nach dieser vollen Breitseite sind die Ohren so richtig freigespült. Jetzt kann sie gern richtig losgehen, die vom klangpol-Netzwerk veranstaltete „Lange Nacht der Musik“, in der die ganze Peterstraße zu klingen beginnt und die zahlreichen Besucher zwischen 14 Veranstaltungsorten flanieren. Die Kontraste zwischen den vielen kurzen Konzerten und Performances sind dabei maximal. Wer nach einer Klangattacke wie der von Steve Reich innere musikalische Einkehr sucht, der findet sie beispielsweise bei Karl-Ernst Went.

Der Marathonmann der Langen Nacht hat sich in einen kleinen Saal der Musikschule zurückgezogen. Unermüdlich spielt er dort über viele Stunden hinweg endlose Akkordketten, geformt von Leon Lukasiewicz als harmonische Essenz aus Bach-Musik. Den Hörer reißen bald Klänge von draußen aus der Bachschen Meditation. Die vier „klangpolar“-Stationen machen an diesem warmen Sommerabend Musik auch zu einem Outdoor-Erlebnis. Etwa als Schlagwerk-Battle vor dem PFL oder, gleich daneben, mit den putzigen Toy Pianos, von denen sich manch Komponist des 20. Jahrhunderts inspiriert fühlte. Die Cellistin Marie Schmit setzt sich unten an der Haaren ins Grüne und zerstört das vermeintlich pittoreske Genrebild mit den elektronisch hart verzerrten Celloklängen aus Michael Gordons „Industry“.

Inzwischen senkt sich die Nacht über dem riesigen Konzertsaal Peterstraße. Doch ob mit Hille Perl und ihren Orlandoviols in der Garnisonkirche, Schlagzeug-Ensembles im PFL oder dem Blue-Screen-Ensemble des Oldenburger Blauschimmel Ateliers gleich nebenan – die Auswahl bleibt bis in den späten Abend groß. Erst weit nach Mitternacht klingt diese wunderbare Nacht der Musik langsam aus.


NWZ TV    zeigt einen Beitrag unter   www.nwz.tv/oldenburg-stadt 
Mehr Bilder unter   www.nwzonline.de/fotos-oldenburg 

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