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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Kultur

Mehr Witz auf der Pfanne

05.08.2015

Oldenburg Stumm ist nur das W. Alles Andere von Barry Wray ist überaus kommunikativ. Zu erzählen hat der Brite aus seinem fast 75-jährigen Leben mehr als tausend Worte. Von bleibenden Bildern ganz zu schweigen: Da war die Zeit als Berufssoldat in Deutschland, der Kriegseinsatz im Jemen, die Kindheit als Arbeitersohn in Yorkshire, der turbulente Alltag mit der sechsköpfigen Patchwork-Familie im Bümmersteder Haus. Hier ist er zu Hause, hier will er bleiben.

Auch wenn das stumme W nur schwer über bundesrepublikanische Lippen kommt. „Die Deutschen nennen mich Wrai“, sagt er seufzend. Nach bald fünf Jahrzehnten hat er sich an die sprachlichen Grenzen gewöhnt. Geografische hat Barry Wray Anfang der 1960er-Jahre überschritten. Stationiert im Harz hat sich der junge Soldat in eine Deutsche verliebt und für sie, samt Leben in der Fremde, entschieden. Brake hieß der ferne Ort an der Weser, wo der junge Brite einen Wisch mit Stempel zur offiziellen Anmeldung bekam. Am 9. August jährt sich seine Einbürgerung zum 50. Mal. Staatsbürgerschaft hat der Oldenburger aber nur die seines Geburtslandes. „Ich wollte mal den Doppelpass beantragen. Aber als die mir auf dem Amt gesagt haben, dass ich einen Deutschtest machen soll, bin ich wieder gegangen“, sagt Barry Wray. Nö: Dafür hat er nicht jahrelang Steuern gezahlt und die fremde Sprache gelernt. „Außerdem“, sagt er, „bin ich Europäer. Das reicht.“

Königreich für Karriere

Eine Daueraufenthaltskarte erlaubt ihm zu bleiben, solange er will. Also für immer: „In England wäre ich nie so weit gekommen, wie hier“, sagt der 73-Jährige und erzählt von den damaligen Verhältnissen im Königreich, der Kluft zwischen Working- und Upperclass, seinem mühseligen Aufstieg nach oben – vom einfachen Tischler bis zur eigenen Monteur-Firma in Oldenburg. Irgendwann konnte er sich sogar ein Haus bauen, in dem sechs Kinder, eine Frau und viele Erinnerungen Platz hatten. Geld für häufige Besuche in der ehemaligen Grafschaft Nordenglands blieb allerdings nie: „Ich bin dort, so oft es geht. Einmal im Jahr“, sagt er.

Heimweh? Doch. Hin und wieder befalle ihn das. „Heike“, sagt er dann zu seiner Frau, „Ich möchte nach England.“ Heike sagt dann: „Fahr mal.“ Ein paar Tage genießt ihr Mann so das gesellige Treiben in den Pubs, britischen Sinn für Humor – den Deutschen fehle, leider Gottes, jeglicher – und ein anständiges Frühstück. Neben Witzen können die Engländer nämlich hervorragende Eier mit Speck machen. Der Duft eines britischen Breakfast samt gebratenen Schweinewürstchen, Pilzen und Tomaten weht auch hin und wieder durch die Türspalten des Bümmersteder Hauses. „Aber nicht so häufig. Und nur als Brunch“, sagt der Familienvater. Den Pfannenheber schwingt er zwar gerne für Kind und Kegel, bevorzugt aber vernunftshalber Müsli mit Obst.

Bier und Bacon

Deftig feiern können aber auch die Deutschen mit ihren Kohlfahrten und gutem Gerstensaft. Bollerwagentouren und Bier genießt Barry Wray durchaus. Volksfeste hat er sogar einige Jahre als Mitglied verschiedener Vereine organisiert. Mittlerweile sind Treffen mit den neun Enkeln größere Feste. Zu seinem Jubiläum, dem 50. Jahrestag in Deutschland, will er kein großes Getöse machen – vielleicht mit Bekannten aus der Englisch-Akademie in Kreyenbrück anstoßen. Vielleicht Ham and Eggs brunchen? Vielleicht.

Spaß und Sprachhürden

Ganz bestimmt gibt es keinen Weg zurück nach England: „Hier habe ich mir alles aufgebaut. Hier werde ich auch sterben.“ Nicht ganz so todernst und sehr norddeutsch fährt er fort: „Fuffzig Jahre hier aushalten – und trotzdem den Humor behalten. Was will man mehr?“ Spaß versteht der Oldenburger Brite mit dem stummen W inzwischen sogar bei der deutschen Aussprache seines Nachnamens.


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Lea Bernsmann
Redakteurin
Redaktion Oldenburg
Tel:
0441 9988 2106

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