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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Kultur

Menschen mit Handicap haben den Dreh raus

10.08.2016

Oldenburg „Bitte Ruhe! Die Türen schließen! Wir drehen!“, ruft Eike Weinreich laut. Im Versammlungssaal des PFL hören an diesem Dienstag alle auf das Kommando des Regisseurs, die vielköpfige Filmcrew und das Heer von Statisten verstummen schlagartig. „Impro Abspann, die 1.“, kündigt die Regieassistentin an und schlägt die Filmklappe.

Es ist der drittletzte Drehtag für die Tragikomödie „Offshore“, die der gebürtige Oldenburger Weinreich seit dem 1. August in seiner Heimatstadt in Szene setzt. Eine wichtige Rolle spielen dabei elf Beschäftigte der Gemeinnützigen Werkstätten. Die Laien-Darsteller verkörpern in dem Film einen Behinderten-Chor, der für „Jockel“ (gespielt von Jürgen Sarkiss) die letzte Chance auf einen Neuanfang bietet. Der gescheiterte Musiker muss nach einer im Selbstmitleidsrausch begangenen Straftat Sozialstunden in den Werkstätten ableisten und übernimmt die Chorleitung. Jockel muss sich nicht nur mit den Betreuern auseinandersetzen, sondern rasch einen Zugang zu den Mitgliedern des außergewöhnlichen Chores finden.

Am Film-Set ist Weinreich dieser Zugang gelungen. Die gehandicapten Schauspieler haben offenkundig riesigen Spaß an der Schlussszene des Streifens, die zu den beschwingten Klängen von Musikern der Flower Street Jazzband in einen fröhlichen Tanz vor der Bühne mündet. Dutzende Statisten mit Behinderung – ebenfalls aus den Werkstätten – tanzen gemeinsam mit Profi-Schauspielern, die Weinreich für sein Projekt engagiert hat. Die „Profis“ gehören wie Weinreich zum Ensemble des Stadttheaters Oberhausen.

Um Kosten zu sparen, hätte der Regisseur seinen Debütfilm auch in Nordrhein-Westfalen drehen können, doch die Zusammenarbeit mit den Werkstätten in Oldenburg ist für den 30-Jährigen eine Herzensangelegenheit: Hier hat er nach dem Abi (2005 am Neuen Gymnasium) seinen Zivildienst abgeleistet. Einige der Mitarbeiter kennt er sogar noch persönlich. Die Arbeit mit den behinderten Laien-Schauspielern empfindet er als bereichernd: „Sie bringen enorme Lebendigkeit in den Film.“ Profi-Mime Torsten Bauer, der im Film einen Werkstatt-Gruppenleiter spielt, sagt: „Am Ende weiß man gar nicht, wer eigentlich die Behinderung hat.“ Am Set seien viele kleine Freundschaften entstanden.

Der authentische inklusive Ansatz des Projekts, das Behinderte höchst respektvoll darstellt und sie mit ihren Stärken und Talenten zeigt, hat auch Wolfgang Bartels und Martin Grapentin, die Vorstandsvorsitzenden der Stiftung Teilhabe, beeindruckt. Sie fördern den Film bereits mit 8000 Euro und deuteten am Dienstag an, dass ihnen sehr daran gelegen sei, noch offene Finanzierungslücken zu füllen. „Wir bräuchten noch 25 000 Euro, um ohne Bauchschmerzen eine professionelle Post-Produktion zu sichern“, sagt Produzent Knut Jäger, Geschäftsführer der Hamburger Heimathafen Film & Media GmbH. Weitere Förderer werden gesucht.

Im Januar soll der Film fertig sein und auf der Berlinale und dem Saarbrücker Filmfestival um den Max-Ophüls- Preis gezeigt werden. Jägers Ziel ist es, „Offshore“ mit 40 bis 50 Kopien bundesweit in die Kinos zu bringen. Dann bekäme die Tragikkomödie tatsächlich ein Happy-End.


NWZ TV    zeigt einen Beitrag unter   www.nwzoniine.de/videos/oldenburg-stadt 

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