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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Kultur

Cartoons nehmen Oldenburger aufs Korn

06.11.2015

Oldenburg Beinahe wäre sein eigener Cartoon Wirklichkeit geworden: Als Hannes Mercker am Donnerstagvormittag beim Horst-Janssen-Museum einem abbiegenden Auto ausweichen wollte, kreuzte er die Fahrbahn eines rabiaten Radlers und musste sich beschimpfen lassen: „Der hat mich angeschrien: Soll ich Sie totfahren?“, berichtet der Zeichner. Eine ähnliche Szene hatte er schon im Jahr 2013 aufs Papier gebracht – natürlich mit dem ihm eigenen Humor, bei dem einem bisweilen das Lachen im Halse stecken bleibt: Ein schimpfender Radfahrer reißt einem Mann, der auf den Radweg getreten war, im Vorbeirasen den Arm ab. „Diese Radfahrer werden aber auch immer aggressiver!“, echauffiert sich der Mann in dem makabren Cartoon. „Du wirst auch immer zimperlicher!“, entgegnet seine Frau. Ist das witzig? Und wie! Mit seinen Zeichnungen war Mercker 2009 und 2012 für den Deutschen Cartoon-Preis nominiert, in diesem Jahr ist er erstmals zur Verleihung des Deutschen Karikaturenpreises nach Dresden eingeladen.

Doch jetzt ist der 32-Jährige erst einmal in Oldenburg, seiner Heimatstadt. Im Stadtmuseum eröffnet der Wahl-Mannheimer Mercker an diesem Freitag eine Ausstellung mit 110 Cartoons und Zeichnungen, darunter die Serie „Cartoons über Oldenburg“, in der er Merkwürdiges, Sonderbares und Komisches im Leben und Treiben Oldenburgs aufs Korn nimmt. „Er tut das – auch aus der Distanz eines mittlerweile seines unmittelbaren lokalen Umfeldes entwachsenen Künstlers – stets mit einem Augenzwinkern, nie herablassend oder böswillig“, sagt der Leiter des Stadtmuseums und Kurator der Ausstellung, Andreas von Seggern. Die Handschrift von Merckers Oldenburg-Cartoons sei von einer durchgängigen Grundsympathie für seine Heimatstadt getragen, findet von Seggern: „Sein Humor zeichnet sich durch Liebe zum Detail, Wortwitz und durch ein feines Gespür für die Komik absurder Situationen aus.“

Eröffnung am Freitag

Eröffnet wird die Ausstellung „Hannes Mercker: Cartoons und Zeichnungen“ an diesem Freitag, 6. November, um 19.30 Uhr im Stadtmuseum (Am Stadtmuseum 4-8) mit Livemusik von der Oldenburger Sinti-Swing-Band Chapeau Manouche. Amon Thein übernimmt die Einführung.

Die 110 Werke sind bis zum 6. Dezember zu den Museumsöffnungszeiten zu sehen.

Zur ersten Führung lädt das Stadtmuseum am Sonntag, 8. November, mit dem Kunstvermittler Dirk Meyer ein. Beginn ist um 16 Uhr. Kosten: drei Euro plus Eintritt.

Bislang sind zwei Bücher mit Merckers Oldenburger Cartoons im Isensee-Verlag erschienen: „Hier bitte keine Fahrräder abstellen!“ (2012) und „Möchten Sie den Stau umfahren?“ (2009). Jetzt freut er sich über die „tolle Möglichkeit, im Stadtmuseum auszustellen“ und ist gespannt auf die Reaktionen. Ob auch glühende Oldenburg-Patrioten schmunzeln können, wenn Graf Anton Günthers Pferd „Kranich“ über seinen zur Legende verklärten Schweif stolpert?

Hannes Mercker hat im Laufe der Jahre ein umfangreiches Oeuvre geschaffen, das sich thematisch immer wieder von der Ortsgebundenheit löst. Dass dabei nicht selten der Alltag des jungen Vaters von Zwillingen die Zeichenfeder führt (Beispiel „Bällchenbad bei Ikea“), macht seine Arbeiten noch sympathischer. Bemerkenswert ist auch seine Hinwendung zur politischen Karikatur.

Die Ausstellung passe „wunderbar“ zum neu aufzubauenden Profil des Stadtmuseums, lobt Andreas von Seggern, der der historischen und zeitgenössischen satirischen Grafik einen eigenen Sammlungsbereich widmet. Der Erwerb von 50 Oldenburg-Cartoons aus Merckers Ideenschmiede bildet dafür den Grundstock. Besonderer Blickfang ist ein vier mal zwei Meter großes Wimmelbild mit Oldenburger Motiven, das Mercker eigens für die Ausstellung gezeichnet hat.

Kunstvermittler Dirk Meyer, der sich intensiv mit Hannes Merckers Arbeit beschäftigt und Führungen durch die Ausstellung anbietet, ist überzeugt: „Wir haben von ihm noch einiges zu erwarten.“

Stephan Onnen
Redakteur
Redaktion Oldenburg
Tel:
0441 9988 2114

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