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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Kultur

Mit dem Topfschwamm über Luftballons

08.02.2012

OLDENBURG Wie klingt es, wenn man mit einem Topfschwamm über einen Luftballon schabt? Da quietscht es, knarrt und knirscht. So ein Luftballon hat eine ganze Reihe eigenartiger Geräusche in petto, die sich je nach Art der Bewegung des Schwamms auch noch steuern lassen.

Wenn, wie im Kunstverein beim Konzert des oh ton-ensembles, drei Musiker nach Partitur ihre präparierten Luftballons bearbeiten, dann entsteht gar eine effektvolle Kammermusik, garniert sicher auch mit einem ordentlichen Schuss Humor.

„Shopping4“ (komponiert 2005/6) hat Komponist Michael Maierhof das Trio genannt, bei oh ton ist es nur eines von zehn Musikwerken. Jeweils kammermusikalisch besetzte Stücke, u. a. von Kaija Saariaho, Joji Yuasa, Eckart Beinke oder Juliane Klein, sorgen für eine lange, kontrastierende Reihe Neuer Musik. Der Rahmen aber unterscheidet sich von herkömmlichen Konzert-Konzeptionen: Ohne lange Pausen folgen die Musikwerke einander und nehmen einen Platz ein im dramaturgischen Konzept des Abends.

Effektvoll bereits Nicolaus Hubers „Clash Music“ (1988), bei dem zwei Beckenpaare markant das Konzert eröffnen. Später, auf Frederick Rzewskis „piano-piece #4“ (1977) mit seinen ruhelosen, verspielten und eingängigen Rhythmusfiguren, folgen die stummen, Hörprozesse symbolisierenden Handgesten von Robin Hoffmanns „OEhr“ (2006). Danach dann Simon Steen-Andersens „Study for String Instrument #1“ (2007), das durch die langen Glissandi und die als körperlichen Kontrapunkt angelegten, ausufernden Bögen von Cellistin Eva Boesch bei aller Gestik klanglich massiv und eindringlich ist.

Eine ausgeklügelte Licht- und Bildregie unterstreicht die Wirkungsmacht des Konzertkonzepts. Künstlerin Doris Garduhn hat dabei Vorsicht walten lassen – projizierte Bilder und Videos drängen sich nie vor die Klänge, bleiben dezent, ermöglichen aber dem Publikum einen weiteren, assoziativen Raum der Wahrnehmung.

Auch darauf mag sich der Konzerttitel „Musik im Raum“ beziehen, der zudem auf den konkreten Handlungsraum anspielt: Der Saal im Kunstverein wird von den Musikern in seiner Breite genutzt, immer wieder entstehen so neue klangräumliche Perspektiven. Im Zentrum dabei steht indes die Musik.

Mit erheblicher Wandlungsfähigkeit und spieltechnischer Souveränität agierten die Musiker des oh ton-ensembles (Cellistin Boesch, daneben Keiko Murakami, Flöte; Thomas Hell, Klavier; Michael Pattmann, Perkussion) als erstklassige Sachwalter und präsentieren Musik, die immer wieder neu und abwechslungsreich erscheint.

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