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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Kultur

Dafür gehen am Samstag Tausende auf die Straße

14.06.2017

Oldenburg 83 Prozent der Deutschen sind dafür, die Ehe auch zwischen zwei Männern oder zwei Frauen zuzulassen. Das jedenfalls geht aus einer Studie der Antidiskriminierungsstelle des Bundes hervor. Sollte also alles gut sein aus Sicht der Homosexuellen. Oder nicht?

Dass trotzdem am kommenden Samstag, 17. Juni (ab 12 Uhr), wieder viele Tausend Lesben und Schwule beim Christopher Street Day (CSD) Nordwest auf die Straße gehen werden, kann CSD-Sprecher Kai Bölle allein mit einem genaueren Blick auf die Zahlen begründen. „Rund 88 Prozent der Befragten haben kein Problem damit, wenn eine Kollegin lesbisch sind. Eine lesbische Tochter empfinden allerdings rund 40 Prozent als unangenehm“, sagt er.

Hier finden Sie die Strecke des Demonstrationszugs

Oldenburg gilt als tolerante Stadt. Doch auch hier gibt es Fälle von Diskriminierung. Oder wie Bölle es beschreiben würde: „Oldenburg ist sehr offen, zwei Männer können hier tagsüber Hand in Hand durch die Innenstadt gehen. Aber am Samstagabend in der Wallstraße würde ich das nicht empfehlen.“

CSD-Liveticker aufNWZonline.de

Am Samstag berichten die Redakteure Inga Wolter und Denis Krick ab 12 Uhr immer wieder live per Facebook-Videostream von der Demo. Auch auf Instagram gibt es Fotos und Videos.

Solche Einstellungen lassen sich nicht von oben herab verändern. Die CSD-Teilnehmer können nur dazu aufrufen, diese Gedanken auf die Probe zu stellen. Anders sieht es bei gesetzlichen Grundlagen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen aus. Hier hat das CSD-Team klare Forderungen formuliert.

Änderung Artikel 3

Seit mehr als 15 Jahren gibt das Lebenspartnerschaftsgesetz Homosexuellen eine Grundlage, auch rechtlich als Paar zu gelten. Zu vollwertigen Ehe gibt es allerdings noch Unterschiede. Für Bölle handelt es sich daher vielmehr um „in Gesetz gegossene Diskriminierung“. Wäre man gleichgestellt, bräuchte es kein eigenes Gesetz.

SPEZIAL: Alles zum CSD Nordwest in Oldenburg

Die CSD-Organisatoren setzen daher nun ganz oben an: am Grundgesetz. Im Gegensatz zu anderen gesellschaftlichen Minderheiten werden Homo- und Transsexuelle hier nicht explizit vor Diskriminierung geschützt. Der CSD Nordwest geht daher mit der Forderung nach der Einbeziehung der sexuellen Identität in den Artikel 3 auf die Straße. Bislang ist hier eine Benachteiligung unter anderem aufgrund der Sprache, der Herkunft, des Glaubens oder aufgrund einer Behinderung untersagt.

Schule und Bildung

Den Schulen misst das CSD-Team eine besondere Bedeutung zu. Informationen über Homo- und Transsexualität müssten nicht nur in Schulbüchern in die pädagogischen Aus- und Fortbildungsrichtlinien aufgenommen werden. Wichtig sei es, die Lehrpläne auch umzusetzen. Sexuelle Vielfalt solle bewertungsfrei berücksichtigt werden. Schon in der Berufsausbildung und im Studium sollten diese Inhalte thematisiert werden, so die Forderung.

Auf Schulhöfen sehen die CSDler immer noch weit verbreitete Homophobie. Gerade hier müsse antihomosexuellen Äußerungen deutlich widersprochen werden, damit die Ablehnung nicht in den Alltag übergreife und dort in gewalttätigen Handlungen eskaliere. Umso erfreuter sind die Organisatoren der Demo, dass sich mit der IGS Kreyenbrück und der IGS Helene-Lange-Schule gleich zwei Schulen am CSD beteiligen.

Verein und Freizeit

Auch für die Jugendarbeit in den Vereinen, insbesondere in der Aus- und Fortbildung von Jugend- und Übungsleitern, wünscht sich das CSD-Team einen Blick auf das Thema. Für Jugendliche sei das eigene Coming-Out und die Identitätsfindung oft ein beschwerlicher Prozess. Neben der Schule sei es oft das Vereinsleben, das bei dieser Persönlichkeitsentwicklung eine wichtig Rolle spiele.

Beruf

Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz verbietet zwar Diskriminierung aufgrund der sexuellen Identität. Doch an der Um- und Durchsetzung haben die CSDler große Zweifel. Hilfreich sei die Verankerung des Themas in den Unternehmen, zum Beispiel analog zu den Gleichstellungsbeauftragten.

Spezielle Anforderungen sieht die Gruppe besonders im Bereich der Sicherheitsbehörden sowie in Alten- und Pflegeeinrichtungen. Polizisten sollten im Zuge der Aus- und Weiterbildung sensibilisiert werden, um homophobe Gewalt erkennen zu können, so die Forderung. Fachkräfte in der Alten- und Krankenpflege müssten dahingehend geschult werden, dass Menschen unterschiedliche sexuelle Bedürfnisse und Schambereiche haben. Dies sei nötig um diese sensiblen Bereiche im Alltag auch respektieren zu können.