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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Kultur

Konzert: Moderne produziert ihre eigenen Mythen

14.01.2013

Oldenburg Im Rahmen des Komponisten-Colloquiums lud das Institut für Musik der Universität in die Ansgari-Kirche zu einem Konzert „Zwischen Mythos und Moderne“. Das Detmolder Ensemble Horizonte mit der Flötistin Alina Weidlich, der Klarinettistin Merve Kazokoglu, der Harfenistin Lydie Römisch, dem Schlagzeuger Jens Brülls, der Geigerin Mareike Neumann, der Bratscherin Maria Pache, der Cellistin Martina Styppa und dem auch Oboe spielenden Leiter Jörg-Peter Mittmann – realisierte auf Einladung des Instituts für Musik der Universität sieben Musikwerke der jüngsten Vergangenheit auf eine eindringliche Art, die niemanden kalt ließ.

Die musikalische Moderne, so Mittmann in seiner Hinführung, habe viele Jahre ihre Probleme mit dem Mythos gehabt. Mythisches Denken sollte nach 1945 eigentlich überwunden werden. Dieser radikale Schnitt mit einer Jahrtausende alten Tradition ließe sich aber nicht durchhalten. Musik im Spannungsfeld zwischen antiken Mythen und moderner Aneignung wie dem Trauergesang „Charisma“ von Iannis Xenakis auf den Tod eines Schülers, zeugten von einer Archaik jenseits vom klassizistischen Ideal.

Roberto Reale, derzeit Promovend in Oldenburg, ließ sein Werk „souffle“ uraufführen. Der Atem als Geburtsstunde der Musik versetzte in die Genese von Musik, die mit Atemgeräuschen der Solisten begann und nach Evolutionen des Ausdrucks wieder ins Atmen zurücksank.

Der Sizilianer Salvatore Sciarrino war mit „muro d’orizzonte“ vertreten, einer Klanglandschaft, die an seine Heimat erinnern soll und zwischen feinen Luftgeräuschen, Stille und pulsierend-animalischen Klängen oszilliert. Im Bild einer Lotusblume ließ die in Köln lebende Japanerin Malika Kishino die Entfaltung des Lebens durch trübes Wasser zu schönster Blüte „himmelwärts“ aufleuchten.

Weniger versöhnlich ging es bei der Uraufführung von Rami Chahins „Eunus“ zu: Eunus war ein Sklave in Sizilien und der Anführer des ersten Sklavenaufstandes gegen Rom. Die sechs Musikerinnen und der Dirigent agierten in metallisch klirrenden Fußfesseln; die Musik reflektierte die Gewalt wie auch – mit klaren Melodien – die Möglichkeit einer Befreiung. Doch längst produziert die Moderne ihre eigenen Mythen, denn der Syrer Eunus machte sich zum König Antiochos, errichtete eine Militärdiktatur und ließ die sizilianischen Sklaven für sich arbeiten. Nicht erst heute schlägt Aufklärung zurück in Gewalt und verdrängten, unbegriffenen Mythos.

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