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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Kultur

Multitalent dreht am großen Rad

15.08.2015

Oldenburg Es ist ein höllisch schwieriger, anspruchsvoller Stoff: In Peter Shaffers Psycho-Drama „Equus“ sticht ein verstörter Teenager als Stallbursche Pferden im Wahn die Augen aus. Welcher Jung-Schauspieler wagt sich an eine solche Rolle, noch dazu, wo er sich am Ende splitternackt auf der Bühne bewegen muss? Klaas Schramm hatte diesen Mut – als 19-Jähriger in seiner ersten Rolle an der Studiobühne in seiner Heimatstadt Essen. „Das war schon eine Herausforderung“, erinnert sich Schramm. Heute zählt der mittlerweile 40 Jahre alte Mime zu den profiliertesten und gefragtesten Ensemble-Mitgliedern des Oldenburgischen Staatstheaters. Seit 2005 hat er ein festes Engagement, in der im September beginnenden neuen Spielzeit ist er in gleich vier Stücken zu sehen. In Oldenburg fühlt er sich mit seiner Frau und seiner vierjährigen Tochter „extrem wohl“.

Mit Lindenberg-Stimme

Anfangs war Schramm vor allem in musikalischen Stücken vertreten, „weil ich singen kann“, wie er sagt. Dieses Talent zeigt er auch aktuell in der neuen Wunschkonzert-Reihe „Melodien für Moneten“, in der Schauspieler mit ihren Gesangsqualitäten Einnahmen für einen guten Zweck generieren.

Und auch wenn gar nicht gesungen wird, lässt Schramm, in jungen Jahren Gründer einer Punk-Band, gerne eine musikalische Note einfließen: In Schillers „Kabale und Liebe“ nuschelte er sich mit Udo-Lindenberg-Stimme durch seine Rolle und erntete dafür Szenenapplaus.

In Oldenburg gilt er längst als Publikumsliebling, der zuletzt auch im „ernsten Fach“ reüssiert hat. Schramm hat ein Faible für abgründige Charaktere. So wie die Figur des Soldaten „Woyzeck“, die er als geplagtes Opfer am Rande des Nervenzusammenbruchs „bis zum Anschlag“ gespielt hat. Auf der Bühne musste er sich ständig durch das Gittergeflecht eines überdimensionalen Käfigs hangeln – für Schramm auch körperlich eine der „anstrengendsten Rollen“ bisher. Nicht minder intensiv war seine Darstellung des Obdachlosen Danny in der vergangenen Spielzeit im Solo-Stück „Protestsong“ über die Occupy-Bewegung. Schramm hat dabei all’ seine Facetten zeigen können. Er durfte mal brüllen, pöbeln, das Publikum zum Mitsingen und Parolen-Skandieren animieren, mal melancholisch seine Position reflektieren.

Der älteste „Tschick“

Eine schräge Type ist auch Andrej Tschichatschow alias „Tschick“ – für Klaas Schramm ist die Titelfigur in der erfolgreichen Theaterfassung des gleichnamigen Jugendromans seine absolute Lieblingsrolle, die „auch nach 95 Aufführungen noch großen Spaß macht“. „Ich bin wohl der älteste Tschick Deutschlands“, sagt Schramm über seine Darstellung des jugendlichen Abenteurers. Auch den „Albert“ – der gehörnte Bräutigam in „Die Leiden des jungen Werther“ – spielt er „sehr, sehr gerne“. Das Stück ist ab dem 16. September wieder im Programm, ebenso wie das Drama „Supergute Tage oder die sonderbare Welt des Christopher Boon“ (ab 24. November). Schramm bereitet sich außerdem auf zwei Premieren vor: Ab dem 6. November spielt er in Henrik Ibsens Schauspiel „Nora“. Besondere Aufmerksamkeit dürfte „Terror“, dem ersten Bühnenstück von Bestsellerautor Ferdinand von Schirach, gewiss sein, das am 20. Februar 2016 Premiere feiert. Weil dieser Termin mit der nächsten Auflage des „Classic meets Pop“-Spektakels kollidiert, verzichtet Schramm „schweren Herzens“ auf den Moderatoren-Job, der ihm seit 2013 an der Seite von Annie Heger viel Spaß bereitet hatte.

Als Hörspiel-Sprecher: Klaas Schramm am Mikrofon. BILD: privat

Sein Werdegang

Geboren: 1974 in Essen

Theater:
1994 bis 1995 Stückvertrag an der Studiobühne Essen
1995 bis 1999 Schauspielstudium an der Hochschule des Saarlandes für Musik & Theater
1999 bis 2003 Engagement am Stadttheater Hildesheim
seit 2005 engagiert am Oldenburgischen Staatstheater
seit 2009 Theaterarbeit mit Jugendlichen in den Theaterclubs des Staatstheaters

Film und Fernsehen:
„Schlaflos in Oldenburg“, Spielfilm (2010)
„Aus der Tiefe des Raumes“, Kinofilm (2004)
„A Small Place“, Kurzfilm (2004)
„Die Rättin“, Fernsehfilm (1997)
„Oldenburg – Shoppen, Bummeln & Genießen“ (Imagefilm)

Hörspiel:
Podcast-Serie „Die unerhörten Fälle des Edgar Auris“
„Hörgänge Oldenburg“ von Christian Gude (fünf Hörspiel-Episoden)

Mehr Infos unter

Moderation:
Classic meets Pop (seit 2013)

Mehr Infos unterhttp://oldenburg.hoergaenge.net/die-hoergaenge-oldenburg/

Zur Schauspielerei hat Klaas Schramm mit 16 durch eine Theater-AG an der Essener Goethe-Schule gefunden. Er sei eher ein schlechter Schüler gewesen, gesteht Schramm. Nur in der AG habe er wirklich Erfolg gehabt. Das Gymnasium beendete er mit der Fachhochschulreife und begann eine Lehre als Groß- und Außenhandelskaufmann. Die währte nur drei Monate, bis er seinen ersten Stückvertrag an der Essener Studiobühne und 1995 einen Platz am Schauspielstudium in Saarbrücken erhielt.

Heute gibt er seine Erfahrungen selber gerne an junge Talente weiter. Im fünften Jahr entwickelt er in den Theaterclubs des Staatstheaters Stücke mit Nachwuchsschauspielern im Alter von 13 bis 18 Jahren. In diesem Jahr hat Schramm bei „Strahlendgrau“, einem Stück über Depressionen, Regie geführt. Er hofft damit auf eine Nominierung fürs Bundesfestival der Jugendclubs an Theatern, das im Januar im brandenburgischen Senftenberg stattfindet.

Vorliebe für rostige Räder

Die Nachwuchsarbeit ist für Schramm „Hobby“. Seine zweite Leidenschaft ist indes nicht so naheliegend. Der Mann restauriert gerne alte Fahrräder. In seinem Garten stehen drei rollende Oldtimer: ein Miele-Fahrrad aus dem Jahr 1957, ein Drahtesel der Marke NSU aus dem selben Baujahr sowie ein 1967er Gefährt der Heidemann Werke Einbeck. Über 150 Fahrräder, schätzt er, hat er schon restauriert. Klaas Schramm dreht eben am großen Rad – nicht nur als Schauspieler.

Stephan Onnen
Redakteur
Redaktion Oldenburg
Tel:
0441 9988 2114

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