NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Kultur

Chor: Museum hütet Traditionsfahne

07.02.2015

Bürgerfelde Bedrückende Stimmung im Stadtmuseum: Für ein letztes Erinnerungsfoto mit der Gründungsfahne des Gesangvereins Eintracht Bürgerfelde bringen sich Chorleiter Hermann Egert und Vorstand Erich von Heese in der historischen Villa in Position. Dann folgt das letzte Kapitel in der Vereinsgeschichte. Mit ernsten Mienen übergeben Hermann Egert und Erich von Heese die 120 Jahre alte Vereinsfahne an den Leiter des Stadtmuseums, Dr. Andreas von Seggern.

„Auch wenn die Abgabe der Fahne die endgültige Besiegelung der Auflösung bedeutet, bin ich dankbar, dass dieses Stück Vereinsgeschichte im Stadtmuseum einen neuen Platz findet“, sagt von Heese mit trauriger Stimme.

Weil es an Sängerinnen und Sängern fehlte, sah sich der Vorstand im vergangenen Jahr gezwungen, den Verein aufzulösen (NWZ  berichtete). Vorausgegangen waren viele erfolglose Bemühungen, neue Mitglieder anzuwerben. Letztlich gaben die Verantwortlichen auf und meldeten den traditionsreichen Chor vom Sängerkreis Oldenburg ab.

Einwilligung und Werberichtlinie

Ja, ich möchte den täglichen NWZonline-Newsletter erhalten. Meine E-Mailadresse wird ausschließlich für den Versand des Newsletters verwendet. Ich kann diese Einwilligung jederzeit widerrufen, indem ich mich vom Newsletter abmelde (Hinweise zur Abmeldung sind in jeder E-Mail enthalten). Nähere Informationen zur Verarbeitung meiner Daten finde ich in der Datenschutzerklärung, die ich zur Kenntnis genommen habe.

Viele Vereine betroffen

Eintracht Bürgerfelde ist kein Einzelfall, weiß Museumsleiter von Seggern. „Traditionelle Vereine haben in den vergangenen Jahren mit einem starken Mitgliederrückgang zu kämpfen. Davon sind nicht nur Gesangsvereine betroffen, sondern auch Kegel- und Schützenvereine.“

Der Gesangverein Eintracht Bürgerfelde wurde 1894 zunächst als reiner Männerchor gegründet. Mit der Angliederung einer Frauengruppe pflegte man ab 1928 das gemischte Singen. Nach Zeiten, in denen das Interesse am Chorgesang so groß war, dass sogar eine Aufnahmesperre verhängt werden musste, schrumpfte die Mitgliederzahl ab 1980 zusehends. Bis zum vergangenen Jahr traf sich der Chor regelmäßig im Oldenburger Kegelzentrum an der Kreyenstraße, um volkstümliche Lieder und Schlager zu proben. Zuletzt hielten nur noch sechs Frauen und zwei Männer dem Verein die Treue. Das Durchschnittsalter lag bei 80 Jahren.

Die Zeugnisse der vielen schönen Vereinsjahre bleiben aber erhalten: Hermann Egert und Erich von Heese haben nicht nur die Fahne mit ins Museum gebracht. Sie geben auch diverse Plaketten und Medaillen in die Sammlung des Stadtmuseums. Darunter befindet sich beispielsweise die „Zelter-Plakette“ für besondere Verdienste um die Pflege der Chormusik, die dem Verein zum 100-jährigen Bestehen verliehen worden war. „Die Gegenstände sind bei uns gut aufgehoben. Es ist die Aufgabe des Museums, den Umbruch in der Vereinslandschaft Oldenburgs zu dokumentieren“, sagt Andreas von Seggern.

Private Treffen geplant

Dass das Interesse für den Chorgesang und traditionelle Vereine schwindet, bedrückt die leidenschaftlichen Sänger sichtlich. Der Kontakt unter den eng befreundeten Mitgliedern solle künftig durch private Treffen aufrechterhalten werden, so von Heese. Er war seit 1986, also rund 29 Jahre, Teil des Chors. Diese Leidenschaft führt er nun im Gesangverein Teutonia Eversten fort. Dort ist auch Hermann Egert weiter aktiv. Er dirigiert den Chor.

Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.