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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Kultur

Musik auf fremdem Kontinent

21.07.2016

Oldenburg Immer wenn Kultursommer ist und auf dem Schlossplatz kraftstrotzende Rockmusik aus Südamerika aufgerufen wird, ist gutes Wetter garantiert. Eine neue Oldenburger Regel, die mit dem grandiosen Konzert von Doctor Krapula (Kolumbien) seit 2015 gültig ist. Und eine Regel, die mit dem Auftritt von Che Sudaka (Argentinien/Kolumbien) am Dienstagabend musikalisch und wettertechnisch bestätigt wurde.

Also alles wie vor einem Jahr? Wiederholung wegen des großen Erfolges, nur mit anderen Musikern? Nein keineswegs. Che Sudaka teilen sich zwar mit Doctor Krapula den Sinn für südamerikanische Los-geht-die-Party-Musik, doch die Cumbia-Band dieser Kultursommer-Saison ist weitaus deutlicher in ihren politischen Aussagen als die vom Vorjahr. Das mag vor allem daran liegen, dass die nachnamenlosen Brüder Leo (Gesang, Gitarre), Kachafaz (Gesang) sowie ihre Mitstreiter Jota (Gitarre, Gesang) und Cheko (Akkordeon, Rhythmusmaschine, Gesang) eine Vergangenheit haben.

Die argentinischen Brüder und die beiden Kolumbianer waren um die Jahrtausendwende als illegale Einwanderer nach Barcelona gekommen, wo sie sich zunächst als Straßenmusiker durchschlugen, ehe sie 2002 als Band entdeckt wurden. Inzwischen längst mit legalem Status in Spanien versehen, erzählen ihre Texte aber doch viel von den bitteren Erfahrungen, die sie als Fremde auf einem fremden Kontinent gemacht haben.

Titel wie „Sin papeles“ („Ohne Papiere“) oder „La ley del miedo“ („Das Gesetz der Angst“) bewiesen die politisch aktuelle Seite von Che Sudaka – die allerdings wurde, und das durchaus bewusst, von der fröhlichen Partymusik übertönt.

Für manche pophistorisch geschulte Zuhörer klang das zwar „ärgerlich, schrecklich, viel zu laut“, die meisten der rund 5500 Leute vor der Bühne aber jubelten dem Quartett zu, tanzten und klatschten lautstark. Für Che Sudaka ein guter Grund, selbst euphorisiert vom eigenen Auftritt zu sein. „Wir brauchen kein Schlagzeug und keinen Bass, wir brauchen nur euch, das Publikum“, beschrieb Kachafaz kurz und bündig die Wahl des Instrumentariums seiner Gruppe.

Und tatsächlich: Ohne das gelungene Zusammenspiel zwischen Künstlern und Zuhörern hätten die teils rasend schnellen Songs wohl nur halb so viel Spaß gemacht. Sprachbarrieren waren schnell überwunden, wo der Rhythmus (Ska und Cumbia, etwas Punk und viel Latino-Folkrock) alle vereinte.

Die Mestizen-Musik, in der einzelne Lieder oft zu 15-minütigen Tanz-Zyklen addiert wurden, ließ die 5500 auf dem Schlossplatz am Ende jedenfalls fröhlich und lächelnd nach Hause gehen. Und das ist, bei allem politischen Anspruch, doch ein gutes Ergebnis. Wie freute sich Sänger Leo schon mitten im Konzert: „Wir haben heute ganz viele neue Freunde gefunden. Wir sind hier eine Familie.“

Der Kultursommer und die schöne Abendsonne machen’s möglich.

Klaus Fricke

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