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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Kultur

Musik vergnügt Bauch und Ohr

08.03.2012

OLDENBURG Frau Lengrenage aus Précigny-les-Balayettes konnte geholfen werden. „Monsieur!” schrieb sie an den Komponisten Eric Satie in Paris, „seit acht Jahren leide ich an Nasenpolypen, kompliziert durch ein Leberleiden und rheumatische Schmerzen. Nach mehrfacher Anwendung Ihrer Gymnopédies war ich vollständig geheilt.” Das war 1888.

Ob die Klavierstücke dieses Namens mit ihren Anspielungen an Tänze von Jünglingen im alten Sparta 2012 beim zahlreichen Publikum im Horst-Janssen-Museum ähnlich durchschlagend Beschwerden gelindert haben könnten, ist spekulativ. Auf jeden Fall beglückt und vergnügt das Programm des Pianisten Johannes Cernota aus Sandkrug die Hörer beim Verein der Musikfreunde (VMO). Der mehrfach bis hin zum Preis der deutschen Schallplattenkritik ausgezeichnete Satie-Spezialist steht für Authentizität. Er weiß, dass diese Musik „jedes Mal anders klingt”, dass Tagesform und Gemütslage sie stets prägen.

Vielleicht wischt er dieses Mal etwas stärker die Nebel beiseite, die Satie mit Bezeichnungen wie „triste”, „douloureux” oder „grave” über seine Miniaturen gelegt hat. Mit Prägnanz und Humor erschließt er jene Stücke, die sich in der Fernsehwerbung so abgeschliffen haben. Die Kunst in Cernotas Spiel ist der scheinbar leichtfüßige Schritt durch alle Vertracktheiten hindurch zum tiefgründigen Inneren. Wort- und Bildprojektionen lösen grotesk manche Verwirrungen aus oder auch auf.

Da schwappen bei Cernota alle Gemütswellen hoch und runter. Drollig, kauzig, witzig, schroff, ironisch, Zweifel machend, sanft berührend. Da funkelt der französische Esprit, da donnert aufgesetztes Pathos.

Das reinste Vergnügen sind Saties 20 Skizzen „Sports et Divertissements”. Sie werden zum perfekten Verwirrspiel zwischen Ernsthaftigkeit und kunstvoller Verballhornung.

Und ja: Wenn Musik dem Bauch so viel Vergnügen bereitet und den Kopf so hinterhältig zum verdutzten Nachdenken anregt, dann ist ihr Genuss gesund. Sie wäre glatt eine Kassenleistung wert. Für Madame Lengrenage und alle anderen.

Vier Pianisten hat der Verein der Musikfreunde (VMO) für die Reihe „Große Pianisten im Kleinen Haus” verpflichtet:

Die Kanadierin Janina Fialkowska spielt am 2. September Grieg, Schubert und Chopin.

Der junge Franzose Bertrand Chamayou, bekannt auch als Begleiter der Cellistin Sol Gabetta, ist für den 7. Oktober verpflichtet.

Musik des Jahres 1913 steht am 27. Januar 2013 in Evgebi Koroliovs Programm. Mit Ehefrau Ljupka Hadzigeorgieva spielt er auch Strawinskys vierhändige Fassung des „Sacre du Printemps.“

Daniil Trifonov, aus Russland, stellt sich am 12. Mai 2013 vor.

Die Mitgliederzahl im VMO ist auf über 450 gestiegen. Vorsitzende Constanze Schmidt-Wilkens sieht das als Bestätigung der neuen Programme.

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