• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Deals
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • Veranstaltungskalender
  • Fußball
  • Werben
  • Kontakt
  • Über uns
 
NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Kultur

Klavierbau: Nach 160 Jahren flott dabei

02.06.2017

Oldenburg So ein Klavier hat im Normalfall 88 Tasten, viele feste Teile und jede Menge Mechanik. Doch für Ulrich Punke hat es neben dem persönlichen Klang oft auch eine einzigartige Vergangenheit. Der Klavierbauer und Restaurator aus Leidenschaft verbindet mit seiner Arbeit die oft über Generationen reichende Geschichte mit der Gegenwart. „Den Didot und den Pelletan schicken wir gerade auf Reisen”, sagt der Geschäftsführer von Piano Rosenkranz. „Unsere Zwillinge treten in Düsseldorf von diesem Juni an bis 2018 in der Deutschen Oper am Rhein auf.“

Nun kennt jeder Pianist die Marken Steinway, Bechstein, Bösendorfer oder Yamaha. Doch was, in aller Welt, ist ein „Didot“, und was ein „Pelletan“? Punke nutzt die Familiennamen der Erstbesitzer sozusagen als Kosenamen. „Sie gehören zur Großfamilie Pleyel“, sagt er. Jahrgang 1857 sind beide Instrumente, hergestellt in der Pariser Fabrik des Komponisten, Handwerkers und Verlegers dieses Namens. Aufgespürt und aus Frankreich nach Oldenburg gelotst hat Punke sie vor vier Jahren. Gelotst ist dabei ein verharmlosender Ausdruck. Der „Didot” etwa musste 2013 in der Bretagne mit einem Kran aus dem zweiten Stock eines Hauses gehoben werden. Er ist das identische Modell zum kurz vorher erworbenen „Pelletan”.

Lebensgeschichten

„Hinter den Instrumenten stecken oft ausschweifende Lebensgeschichten”, erzählt Punke. Sie haben viele Zoomstufen. Wie bei den Didots. Die berühmte Drucker- und Schriftgießerfamilie als einstiger Besitzer ist heute noch ein Begriff in der Schriftkunst. Die Type Didot-Antiqua steht für feine Eleganz. Oder bei Eugène Pelletan. Der Schriftsteller und Publizist wandte sich als linker Politiker scharf gegen das Zweite Kaiserreich. „Es ist eine spannende Forschungsarbeit, den Zeitläufen der einstigen Besitzer nachzuspüren”, begeistert sich Punke. Wie bei menschlichen Zwillingen machen bei aller Gleichheit gerade die Unterschiede das persönliche Profil aus. Punke schlägt den „Didot” an: Er stellt sich als hell und kräftig vor, jedenfalls für die damals erreichbare Dynamik. Gegenprobe beim „Pelletan”: Samtiger und wärmer kommt der Klang herüber. Doch gemeinsam erfüllen sie das musikalische Ideal – in der Gleichheit genau den eigenen Charakter zu entwickeln.

„Die Hammerkopf-Filze machen den Unterschied aus”, wird der Klavierbauer fachlich. Das sind die Auflagen auf den Hämmern, die die Saiten anschlagen. Während Leder allmählich verhärtet, verfeinert Filz den Klang, nutzt aber auch eher ab. Beim „Didot” verrichten die alten Filzauflagen noch ihr Werk. Der „Pelletan” hat neue erhalten, ganz nach altem Konstruktionspatent. 1826 hat es Henri Pape eingereicht. Der Oldenburger Restaurator hat sich zu ihm auf eine Zeitreise begeben. „Da hat er sogar festgelegt, wie hoch der Anteil an Kaninchenhaaren sein muss”, sagt er und zeigt auf eine französische Handschrift.

Enthusiastische Arbeit

Die fast schon enthusiastische Arbeit in der Oldenburger Firma Piano Rosenkranz hat sich herum gesprochen. Ein im vorigen Jahr restaurierter Erard-Vorzeigeflügel von 1850 befindet sich aktuell in Potsdam im Kultureinsatz. In Düsseldorf werden die beiden Pleyels in einer Inszenierung der „Petite Messe solenelle” von Gioacchino Rossini antreten. Sie ist im Original für Chor, Solisten, zwei Klaviere und Harmonium gesetzt. „Da passen die beiden Flügel aus der Rossinizeit ideal”, ist Punke überzeugt, gibt aber zu bedenken: „Ich bin jedoch gespannt, wie sie sich auf einer großen Opernbühne optisch und musikalisch behaupten.” Ehrensache, dass er sich persönlich davon überzeugen wird.

Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.