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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Kultur

Neue Professur an Uni Oldenburg: Keine Angst vor Plattdeutsch

20.10.2020
Keine Angst vor Plattdeutsch. Selbst wer die Sprache nie gelernt hat, kann sich an der niederdeutschen Literatur freuen. Niederdeutsch ist zwar vor allem eine gesprochene Sprache, aber sie braucht zum Überleben ihre Literatur. Das sagt die Germanistin Doreen Brandt, die mit dem Wintersemester eine neue Professur für niederdeutsche Literatur an der Universität Oldenburg angetreten hat.
Frage: Frau Brandt, sind Sie selbst mit Niederdeutsch aufgewachsen?

Doreen Brandt: Da muss ich Sie enttäuschen. Ich bin keine Muttersprachlerin. Aber meine Großeltern haben Plattdeutsch gesprochen. Mir war das lange Zeit nicht bewusst. Ich habe nur gemerkt, die sprechen irgendwie anders. Dass das Plattdeutsch ist oder Niederdeutsch, ist mir erst später klar geworden. Und ich habe auch erst viel später erfahren, dass ich einen Urgroßvater hatte, der selbst auf Plattdeutsch geschrieben hat

Frage: Niederdeutsch war früher die Sprache Norddeutschlands, wird aber immer mehr durch Hochdeutsch verdrängt. Wie sehen Sie die Perspektive für die Fortexistenz?

Brandt: Es gibt die Europäische Charta der Regional- und Minderheitensprachen von 1992, der sich die norddeutschen Bundesländer angeschlossen haben. Sie haben sich dazu verpflichtet, Niederdeutsch als Regionalsprache im Norden zu erhalten und zu fördern und dafür die notwendigen Strukturen zu schaffen. Deshalb gibt es Niederdeutsch an den Schulen und an den Universitäten. Gleichzeitig stimmt es, in der Alltagskommunikation ist das Niederdeutsche rückläufig. Ich habe auch gelesen, dass viele Autoren, die auf Niederdeutsch schreiben, schon über 50 sind. Bei der jungen Generation ist die Frage, ob sie Niederdeutsch als Teil ihrer Herkunft, ihrer Region ansehen. Und ob sie das Niederdeutsch, das sie in der Schule lernen, dann in den Alltag übernehmen.

Frage: Plattdeutsch ist vor allem gesprochene Sprache. Welche Rolle spielt die Literatur, um die Sprache zu erhalten und zu übermitteln?

Brandt: Die niederdeutsche Literatur ist spätestens seit Mitte des 19. Jahrhunderts wieder sehr produktiv. Und sie zeigt, über welche komplexen Ausdrucksmöglichkeiten die Sprache Niederdeutsch überhaupt verfügt. Das ist für die Wahrnehmung von Niederdeutsch als lebendiger Sprache enorm wichtig. Das kann Anlass sein, die Sprache zu lernen. Neben Musik und Theater verschafft diese Literatur der Sprache einen hohen Stellenwert in der Gesellschaft. Literatur hilft, die Sprache zu fördern und zu erhalten. Dazu dienen zum Beispiel Literaturwettbewerbe und -preise.

Frage: Von welchen niederdeutschen Werken oder Autoren sollte man als Hochdeutschsprechender schon mal gehört haben?

Brandt: Wenn wir in den älteren Bereich gehen, dann ist das sicherlich die Geschichte von „Reyneke de Vos“ (Reineke Fuchs) aus dem 16. Jahrhundert. Auch der „Sachsenspiegel“, eine Rechtssammlung aus dem 13. Jahrhundert, war in Niederdeutsch geschrieben. Aus dem 19. Jahrhundert sind das Klassiker wie Klaus Groth, Fritz Reuter oder John Brinck­man, aus dem 20. Jahrhundert Autoren wie Johann Diedrich Bellmann. In der Gegenwart ist die niederdeutsche Literatur besonders produktiv in der Lyrik und im Hörspiel.

Frage: Und wie fängt man an, diese Werke zu lesen, wenn man eigentlich kein Plattdeutsch kann?

Brandt: Ich habe damals auch einfach angefangen zu lesen, habe ein Wörterbuch zu Hilfe genommen und bin ganz gut zurechtgekommen. Manchmal ist die Schreibweise fremd, man muss auf die Aussprache und die Bedeutung schließen. Es hilft, wenn man schon Erfahrung mit Dialekten hat. Manchmal versteht man Plattdeutsch besser, wenn man ein Theaterstück sieht oder ein Hörbuch hört. Wer Lyrik mag, fängt eben damit an. Nur keine großen Hürden aufbauen, einfach machen!

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