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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Kultur

Wie viel Anarchie braucht der Alltag?

21.11.2017

Oldenburg

Frage: In Ihrem Klassiker „Abwasser“ sagen Sie, dass „Danger Dan“ der dümmste Künstlername ist, den es gibt. Ist er das wirklich?
Danger Dan: Ja, das ist auf jeden Fall schon ein sehr dummer Künstlername. Ich schäme mich durchgehend. Es hat sich in meinem Freundeskreis eingebürgert, dass Leute mich oft Danger oder Dangy nennen. Und wenn ich in eine Bar reingehe und ein Kollege ruft: „Hey Danger“, dann drehen sich alle um und denken: „Okay, was ist jetzt gemeint.“ Und dann passiert nichts Gefährliches, sondern stattdessen komme ich einfach rein. Das ist mir oft sehr unangenehm.
Frage: Also würden Sie sich nicht als gefährlich bezeichnen?
Danger Dan: Nein, auf keinen Fall. Ich bin viel lieber, als mir lieb ist.
Frage: Zur Namensgebung Ihres neuesten Projektes: Was steckt hinter dem Albumtitel „Anarchie und Alltag“?
Danger Dan: Also, der Titel spielt auf das Fehlfarben-Album „Monarchie und Alltag“ an, das uns allen gut gefällt und hinter dem wir uns gerne eingereiht hätten. Wobei ich sagen muss, an „Monarchie und Alltag“ kommt so schnell wahrscheinlich kein Album mehr ran. Wir fanden die Idee schön, es „Anarchie und Alltag“ zu nennen, zumal das oft im Widerspruch zueinander steht. Der Alltag scheitert so oft an seinen anarchistischen Momenten und verfolgt keine Regeln, aber die politische Utopie der Anarchie geht auch im Alltag ständig unter. In diesem Wechselbad der Gefühle entstanden dann das Album und der Albumtitel.
Frage: Wie viel Anarchie braucht denn der Alltag?
Danger Dan: Das kommt immer drauf an, welche Anarchie gemeint ist. Im Volksmund wird die Anarchie oft verwechselt mit einer Art Chaos, und das ist halt nicht diese herrschaftsfreie Gesellschaft, die Anarchie eigentlich sein soll. Ich glaube, in einem guten Alltag tut es gut, wenn Ausnahmen die Regeln bestätigen und wenn Unvorhergesehenes passiert. Ich glaube, in einer kompletten Routine kann man auch ein Leben ersticken. Das ist das Schöne am Leben, dass alles nicht planbar ist.
Frage: Versuchen Sie selbst, darauf zu achten, nicht in dieser Routine zu versinken?

Antilopen Gang

Die Antilopen Gang wurde 2009 gegründet. Die Rap-Gruppe besteht aus Koljah, Panik Panzer und Danger Dan. Jetzt gehen sie mit dem Album „Anarchie und Alltag“ auf Tour.

Am 18. Dezember treten sie um 20 Uhr in der Kulturetage auf.

Im Vorverkauf kosten die Karten 22,80 Euro (Sitzplatz), 21,70 (Stehplatz). An der Abendkasse gibt es einen Sitzplatz für 25 Euro, Stehplatz für 24 Euro

Danger Dan: Bei mir ist es eher umgekehrt. Ich versuche eher, gegen mein inneres und äußeres Chaos anzukämpfen. Ich muss darauf achten, dass ich eine Tagesstruktur in irgendeiner Form aufrechterhalte. Also ich habe das umgekehrte Problem, dass halt ständig irgendwas Blödes passiert, oder dass meine ganze Biografie ein einziges Chaos ist. Ich wünschte mir manchmal ein bisschen mehr Ruhe. Wobei, wenn die Ruhe einkehren würde, dann sehnte ich mich wahrscheinlich wieder nach dem Chaos.
Frage: Apropos Chaos: Im Tour-Trailer sind Sie auf der Suche nach Stahlkappenschuhen und Schmerzmitteln unterwegs, weil es bei Ihrer Tour hart zugehen soll. Was erwartet die Konzertbesucher?
Danger Dan: Es ist für alle etwas dabei, und alle werden sich ärgern. Unsere Konzerte haben mindestens drei Standbeine. Zum einen machen wir klassische Hip-Hop-Shows, wo alle schön tanzen können wie sie möchten. Aber wir haben auch eine Punkband dabei und spielen auch Eins-a Schrammel-Punk, wo Leute rumspringen, pogen und ausrasten. Und das ist auch der Teil, bei dem wir uns öfter mal eine Prellung zulegen. Aber natürlich haben wir auch ruhigere Momente und spielen nur Klavier und Gesang. So ähnlich wie bei Richard Clayderman. Das ist dann der Moment, in dem sich der Punker mit der Nietenlederjacke fragt, was er eigentlich auf einem Antilopen-Gang-Konzert macht.
Frage: Was hören Sie auf Tour selbst für Musik?
Danger Dan: Wir haben mindestens drei Musikgeschmäcker, die aber auch ständig wechseln. Wir hören schon viel Hip-Hop, aber auch ganz viel Punkrock. Was sich für uns eingebürgert hat und was auch in Oldenburg jeder sehen wird, ist, dass wir als letztes Lied vor unserer Show immer „We are the Champions“ von Queen spielen, denn auf Queen können wir uns alle einigen. Und nach unserem Konzert als erstes Lied spielen wir „Wir müssen hier raus“ von „Ton Steine Scherben“. Das ist eine Konsens-Band der Antilopen Gang.
Frage: Zusammen mit dem neuen Album haben Sie auch das Punkrock-Album mit dem ironischen Titel „Atombombe auf Deutschland“ aufgenommen. Wie kam es dazu?
Danger Dan: Also die Idee hatten wir schon lange. Und wir hatten uns in unserem Schaffensprozess des Albums ursprünglich mal vorgenommen, dass wir auch musikalisch mehr Punkrock zulassen möchten. Da ist aber das Problem, dass man schnell in eine Crossover-Falle tappt – dass oft die Versuche, Hip Hop und Punkrock-Elemente zu vermischen, total schiefgehen. Dann haben wir uns dazu entschieden, das voneinander zu trennen und ein Hip-Hop-Album und ein Punkrock-Album zu machen, anstatt zwei Stile miteinander zu mischen.
Frage: Sie setzen in Ihren Texten öfter auf Ironie. Inwiefern führt das zu Problemen beziehungsweise Missverständnissen?
Danger Dan: Das führt immer wieder zu Missverständnissen. Ironie funktioniert so, dass sich Sender und Empfänger einer Nachricht eigentlich auf die Botschaft schon geeinigt haben. Dann sagt man das Gegenteil von dem, was man eigentlich meint, und der Empfänger der Nachricht kann das auch decodieren. Jetzt haben wir aber mittlerweile so eine große Reichweite mit unserer Musik, dass die auch mal im Radio läuft oder, dass Leute auf Youtube darüber stolpern, mit denen wir uns vorher nicht auf die Botschaft geeinigt haben. Und dann ist natürlich klar, dass es da öfter zu Missverständnissen kommt. Auch das ist in diesem Konzept Ironie mit eingeplant. Für alle, die es verstanden haben, ist es total unterhaltsam.
Frage: Wie ist es denn mit dem Song „Fick die Uni“? Wird oft gedacht, Sie hassen Universitäten?
Danger Dan: Interessanterweise ist das Lied insbesondere in akademischen Kreisen ganz oft gehört worden. Und nachdem wir es released haben, hat uns wahrscheinlich jeder, der eine Asta-Party veranstaltet hat, versucht, auf die Party zu buchen. Also gerade Studenten verstehen das Lied wahrscheinlich besser als Nicht-Studenten, weil sie Teile des Textes aus ihrem Leben kennen, aber es gab da auch komplette Missverständnisse. Es gab mal ein Auftrittsverbot für uns in Wien, weil Leute tatsächlich gedacht haben, wir würden gerne Brillenträger schlagen wollen, weil in dem Lied gesagt wurde, Studenten seien immer Brillenträger und Brillenträger müsste man verprügeln. Das halte ich doch für ein Missverständnis.
Frage: Was hat das Lied für Ihre Karriere bedeutet?
Danger Dan: Das ist ein Fluch und ein Segen gewesen. Es gibt Bands, die öfter auf einfach nur ein Lied reduziert werden – One-Hit-Wonder. Ganz viele Leute kennen nur das Lied und wollen auch nur das Lied hören. Und nach „Fick die Uni“ gab es mal zwei Jahre, wo tatsächlich oft nur gesagt wurde: „Ach, das sind doch die mit ‚Fick die Uni‘“. Und alles andere kannte keiner. Dass unsere Musik durchaus viel facettenreicher sein kann oder auch nicht immer lustig sein muss, sondern wir auch ein trauriges Liebeslied schreiben können, das hatte da niemand auf dem Schirm.
Frage: Und wie sieht das jetzt aus?
Danger Dan: Das wurde dieses Jahr abgelöst durch das Lied „Pizza“. Alle haben gedacht: „Ach, das sind doch die lustigen Männer, die Lieder über Pizza machen.“ Dass es aber eigentlich auf einem eher traurigen, vielleicht sogar düsteren Album drauf ist, haben dann auch viele nicht verstanden. Es ist ein bisschen schade, wenn man immer auf ein Lied reduziert wird. Aber immerhin schaffen wir es, alle paar Jahre auf ein neues Lied reduziert zu werden.
Frage: Also vorher wurden Sie zu vielen Uni-Partys eingeladen. Werden Sie jetzt vom Pizza-Lieferservice gebucht?
Danger Dan: Es gab Annäherungsversuche von Pizza-Lieferservicen, von denen wir allerdings nach kurzer Recherche rausgefunden haben, dass die schlechte Konditionen für ihre Lieferanten haben und diese ausbeuten, so dass wir jegliche Zusammenarbeit abgelehnt haben. Aber wir haben auch hier und da eine Einladung von Pizzerien bekommen. Bei allen möglichen Interviews haben Journalisten als Gastgeschenk Pizzen mitgebracht. Die Pizzaszene hat uns auf jeden Fall jetzt auf dem Schirm.

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