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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Kultur

Von Oldenburg zur Bauhaus-Uni

30.04.2019

Oldenburg Die Bauhausarchitektur war Anfang des vergangenen Jahrhunderts stilbildend. Das von Walter Gropius im April 1919 gegründete Staatliche Bauhaus Weimar war die einflussreichste Hochschule für Gestaltung im 20. Jahrhundert und ein wirkungsvolles Experimentierfeld für neue Ideen, heißt es dazu beim Landesmuseum für Kunst- und Kulturgeschichte, das dem Wirken von vier jungen Männern aus Oldenburg und Ostfriesland eine Ausstellung im Augusteum widmet, die am Wochenende eröffnet wurde. Sie beschäftigt sich mit dem Leben und Wirken der Bauhäusler Hans Martin Fricke, Hermann Gautel, Karl Schwoon und Hin Bredendieck.

In diesem Zusammenhang erinnert NWZ-Leser Adolf Osbahr an den Oldenburger Architekten Burkhard Grashorn, der am Ende seines Schaffens an der Bauhaus-Universität Weimar gelehrt hat. Bis zu seinem Tod 2017 wirkte er für den Bereich Entwerfen und Baugestaltung, berichtet Osbahr, der mit Grashorn in den 50er-Jahren die damalige Mittelschule Margaretenstraße (heute Paulus Schule) besucht hat. Schon damals, so schreibt er weiter, beeindruckte er Klassenkameraden mit seiner Kritik an der herrschenden Architektur und seinen Überlegungen einer menschengerechten Wohngestaltung.

Das Archiv der Moderne und die Fakultät Architektur der Bauhaus-Universität Weimar widmeten Grashorn zu seinem Ausscheiden aus dem Hochschuldienst eine Ausstellung. Er galt als außergewöhnlicher Architekt, als Utopist, der die Architektur aus dem Bestehenden und einem großen Erfahrungsschatz heraus weiterentwickelte. Als Vorlage galt ihm die Idealstadt, in denen die Sozialstrukturen schematisch dargestellt wurden. Die Grundrisse dieser Stadtpläne sind schachbrettartig oder sternförmig angelegt, ist in den Berichten nachzulesen. Schon die Römer entwarfen ihre Städte nach einem schachbrettartigen Grundriss.

Für seine Heimatstadt Oldenburg hatte Grashorn 1990 das Großmodell „Die Künste tragen die Stadt“ entworfen, das 1991 in Hannover als Ideengrundlage für die Expo 2000 gezeigt wurde. Es bestand aus acht auf der Spitze stehenden Pyramidensäulen von jeweils drei Metern Höhe, die über eine Holzplatte verbunden waren. Auf den Pyramiden waren Zeichnungen bekannter Protagonisten der verschiedenen Kunstgattungen zum Thema Stadt und Peripherie abgebildet, etwa von Daniel Libeskind, Wim Wenders, Josef Paul Kleihues, Also Rossi, Alfred Hrdlicka, Max Hermann und Manon Hoof, heißt es in der Deutschen Bauzeitung.

Nichts missfiel Grashorn mehr, als das ausufernde Wachstum von Städten an der Peripherie. Stattdessen wollte er den Städten ihre Grenzen wiedergeben, mit denen er ihnen eine Gestalt geben wollte. Der Architekt hatte seinen Job von der Pike auf gelernt und war mit einer Maurerlehre ins Berufsleben gestartet. Anschließend studierte er Architektur beim Bauhäusler Wils Ebert in Berlin und bei Ludovico Quaroni in Rom, schreiben seine Schüler Simon Scheithauer und Michael Kraus in einem Nachruf, dem sie ihrem im Jahr 2017 verstorbenen Professor widmeten.

1973 begann er an der Dortmunder Architekturfakultät als Assistent von Josef Paul Kleihues zu arbeiten. Grashorn hatte eine freigeistige Haltung und beeindruckte damit seine Kollegen. Während seiner Laufbahn konnten nur wenige seiner 100 Projekte realisiert werden.

Scheithauer und Kraus schreiben dazu: „Dass ihm vor allem die gesellschaftliche Relevanz der Architektur sehr wichtig war, zeigt sich insbesondere in den beiden Berliner Wettbewerbsbeiträgen für die ,Topografie des Terrors’ (1983, mit Alfred Hrdlicka) und das ,Mahnmal für die ermordeten Juden Europas’ (1994, mit Manon Hoof). Sie zeugen von der bei Grashorn immer präsenten Diskussion sozialer Zusammenhänge mit architektonischen Mitteln, von seinem Verständnis der Architektur als ,Kunst der Widerspiegelung der realen Welt’, als (ästhetische) Form gesellschaftlicher und politischer Diskurse.“ Und weiter: „Es war vielleicht sein größter Verdienst, mehrere Generationen junger Architektinnen und Architekten in dem Bewusstsein ausgebildet zu haben, ,Werke der Öffentlichkeit’ schaffen zu müssen.“

In Oldenburg war Grashorn im Jahr 2012 in Erscheinung getreten, als einer von zwölf Autoren in dem im Isensee-Verlag erschienenen Werk „Das neue Oldenburger Lesebuch: Ansichtssache“.

Thomas Husmann Redakteur / Redaktion Oldenburg
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