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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Kultur

Mit der Enkelin auf Tantzens Spuren

18.07.2019

Oldenburg Vor 100 Jahren wurde Theodor Tantzen erster Ministerpräsident des Freistaates Oldenburg. Damit war er der erste demokratisch gewählte Ministerpräsident des Landes Oldenburg. Als liberaler Abgeordneter gehörte er dem Oldenburgischen Landtag schon im Kaiserreich an. Seine Mitgliedschaft im Landesdirektorium 1918 trug maßgeblich zum milden Verlauf der Novemberrevolution bei und ebnete somit auch den Übergang von der Monarchie zur Demokratie.

Leben und Wirken

Geboren wurde Tantzen 1877 als jüngstes von acht Kindern in Abbehausen/Nordenham auf dem landwirtschaftlichen Familienhof in Heering. Er wuchs in einer demokratisch-liberalen Atmosphäre auf, die ihn sehr prägen sollte. 1887 zog er zu seiner älteren Schwester Henriette und deren Mann Carl Jaspers, um in Oldenburg das Gymnasium zu besuchen. Zwischen ihm und dessen Sohn Karl Jaspers, dem später weltbekannten Philosophen und Psychiater, entwickelte sich eine lebenslange Freundschaft.

Nach der Schulzeit absolvierte er mehrere landwirtschaftliche Praktika und übernahm 1898 schließlich den elterlichen Hof. „Er war sein ganzes Leben mit Leib und Seele Landwirt“, erzählt seine Enkelin Marlis Czycholl-Tantzen. Diese Natur- und Erdverbundenheit habe ihm auch die Kraft für all seine politische Arbeit verliehen.

1901 heiratete er Ottilie Margarete Fischer, mit der er fünf Söhne großzog. Die Erziehung dieser, zu geistig und sozial mündigen Menschen, war ihm sein ganzes Leben ein großes Bestreben. Dabei versuchte er, die Bedürfnisse jedes einzelnen zu berücksichtigen, zugleich aber seine eigenen Überzeugungen auf seine Söhne zu übertragen. Diese Bemühungen lassen sich auch sehr gut in den zahlreichen Briefen erkennen, die er an seine Söhne geschrieben hat.

Im ersten Weltkrieg wurde er eingezogen, die erlebten Kriegserlebnisse lassen ihn schließlich zum überzeugten Pazifisten werden. 1919 wird er zum ersten Ministerpräsidenten Oldenburgs gewählt und muss sich in den folgenden Jahren mit den politischen Krisen der Weimarer Republik auseinandersetzen. Während des Nationalsozialismus sieht er sich als Regime-Gegner gezwungen, seine öffentlichen politischen Tätigkeiten einzustellen und zieht sich auf seinen Hof zurück.

1944 wird er verhaftet, weil sein Name auf der Liste der Attentate auf Hitler auftaucht. Auch zu diesem Lebensabschnitt bietet die Ausstellung tiefe Einblicke in seine Persönlichkeit. Selbst in Gefangenschaft sorgte er sich noch um den Hof. 1947 stirbt er an einem Schlaganfall. Sein letzter Brief stammt vom Vormittag dieses Tages.

Aufbau der Ausstellung

Die Ausstellung „Theodor Tantzen Privat“ findet noch bis zum 21. Juli im Oldenburger Stadtmuseum statt und bietet exklusive Einblicke in das Leben Theodor Tantzens. Hier wird er einmal von einer anderen Seite gezeigt: als besorgter und fürsorglicher Vater, leidenschaftlicher Landwirt, Gefangener im zweiten Weltkrieg, liebender Familienmensch. So zeichnet die Ausstellung ein sehr vielschichtiges Bild der Person Tantzens. Zusammengestellt von Enkelin Marlis Czycholl- Tantzen, zeigt die Ausstellung den Besuchern anhand von Briefen, Briefauszügen und Fotos, die aus dem unveröffentlichten Nachlass seiner Schwiegertochter und ihrer Mutter Magda stammen, was seine Persönlichkeit ausgemacht hat.

Die Ausstellung ist in die vier politischen Phasen eingebettet, die Tantzen miterlebt hat: Kaiserreich, Weimarer Republik, Nationalsozialismus und Nachkriegszeit. Die politischen Funktionen und Aktivitäten werden, insbesondere für diejenigen, die nicht so sehr mit seinem politischen Wirken vertraut sind, für die einzelnen Phasen kurz skizziert, der Fokus der Ausstellung liegt auf der Person Tantzen.

Zwischen den ausdrucksstarken Briefen und Fotos hängen Werke seiner Enkelin, die sie eigens für diese Ausstellung angefertigt hat und die durch die Butjadinger Landschaft, in der sie und ihr Großvater aufwuchsen, inspiriert sind. „Sie sollen die Texte verstärken und die Ausstellung begleiten“, erklärt Czycholl-Tantzen. So verdeutlichen die Bildverläufe auch die Stimmung in den einzelnen politischen Phasen.

Intention der Ausstellung

Über das politische Wirken sind viele Publikationen erschienen, doch noch keine über Theodor Tantzen als Privatperson. Daher entschied die Enkelin, ihren Großvater auch einmal von seiner persönlichen, privaten Seite zu zeigen. „Ausschlag dafür gab für mich vor allem seine politische Ehrung am 22. Juni im Oldenburgischen Landtag“, begründet sie ihre Idee, „einmal wollte ich die Person hinter dem Politiker zeigen, die mein Großvater war.“

Dafür fing sie im Januar an, den Nachlass ihrer Mutter durchzuarbeiten, zu ordnen und für die Ausstellung zusammenzustellen. „Das war ein wirklich intensives halbes Jahr für mich. Trotzdem war es mir ein unglaublich wichtiges Anliegen, dass die Leute auch dieses Gesicht von ihm kennenlernen.“

Sie selbst kenne ihren Großvater auch nur aus Erzählungen von Verwandten, insbesondere ihrer Mutter, da sie gerade einmal vier Jahre alt war, als dieser verstarb. Die Vorbereitung der Ausstellung hätte ihr ihren Großvater aber noch einmal auf eine andere, neue Weise näher gebracht. „Gerne hätte ich meinen Großvater kennengelernt“, erzählt Czycholl-Tantzen, „diese Ausstellung ist meine Hommage an ihn.“

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