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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Kultur

Wahre Lebenskunst bleibt hängen

09.11.2019

Oldenburg Katastrophen sind meistens laut. Manchmal geht die Welt aber auch im Stillen unter. Wer überleben will, muss kreativ sein.

Der Anschlag aufs World-Trade-Center 2001, der alles verschlingenden Hurrikan Katrina, der 2005 in New Orleans wütete, brauchten viel Farbe. Gabriele Metasch hat die Tragödien dieser Welt mit wildem Duktus auf Leinwand gebracht. „So arbeite ich das ab“, sagt die Oldenburgerin. Auch die persönlichen Tiefpunkte verarbeitet sie malend und zeichnend.

Besucher und Schüler des Niedersächsischen Studieninstituts werden ab nächster Woche allerdings keine gesammelten Katastrophen zu sehen bekommen. „Moment“ ist die Schau der 68-Jährigen in den Räumlichkeiten des Fortbildungszentrums übertitelt. „Die Bilder sollen zum Innehalten und genauer Hinschauen, zum Eintauchen in Fläche und Komposition einladen“, sagt Gabriele Metasch. Da ist das Triptychon „Transfer“ – auf den ersten Blick eine abstrakte Kombination aus kühlen Farben. Beim näheren Hinsehen erzählt das Acryl-Kohle-Werk eine Geschichte: Es herrscht Betriebsamkeit. Entstanden sei das Bild zur Erbauung des Jade-Weser-Ports, sagt die gebürtige Wesermarschlerin. Tatsächlich sind Kräne und Transporter, Feiler und Türme zu erahnen.

Ihre abstrakten Arbeiten, die einen Großteil der aktuellen Ausstellung ausmachen werden, entstünden schichtweise, meist intuitiv, sagt die Künstlerin. „Ich beginne mit der Auswahl der Farben. Dann schaffe ich mit geschlossenen Augen Formen mit abwischbarer Kohle, die später in flüssiger Farbe verläuft“, sagt Gabriele Metasch. Mitunter schreie eine einzelne Leinwand danach, zum Diptychon zu werden. Einige Werke brauchen Jahre bis zur Vollendung, andere „spucke“ sie so heraus, sagt die Künstlerin.

Comic und Aktzeichnung

Der Weg zur gegenstandslosen Malerei sei lang – „lebenslang“, sagt die 68-Jährige. Nach dem Grafik-Design-Studium in Bremen beschäftigte sie sich an Kunsthochschule in Wuppertal mit Animations- und Trickfilm, anschließend war sie als Illustratorin beschäftigt. Neben dem Job in der Werbeagentur blieb aber auch Zeit für die freie Malerei. Als Selbstständige gründete sie Oldenburg ihr erstes Atelier, dann ein anderes und wieder eines, gab Kurse und nahm Aufträge an. „Eines Abends in der Kneipe, der ,Uhle’, wo wir nach dem Freitags-Aktzeichnen immer ein Bier getrunken haben, wurde mir klar: ich muss expandieren“, sagt Gabriele Metasch. Mittlerweile ist sie Teil einer Ateliergemeinschaft am Waffenplatz. Im Dachgeschoss ist genug Platz für ihre unzähligen Arbeiten. Hin und wieder verkauft sie welche – ohne Trennungsschmerz. „Davon lebe ich“, sagt die Künstlerin schulterzuckend. Hauptsächlich bestreite sie ihren Lebensunterhalt als Kursleiterin, Schwerpunktmäßig für Porträtmalerei.

Zu Papier gebracht hat Gabriele Metasch neben Günther Grass etliche Oldenburger Köpfe – Musiker, Künstler, Kreative. Liebstes Motiv ist und bleibt allerdings Ralf Ludwig. Den hat sie ’99 als Modell kennengelernt – und seither nicht nur „an die tausend Mal“ gemalt, sondern ihm auch das Ja-Wort gegeben. Ob ihr Göttergatte den Weg in die Ausstellung findet, steht noch nicht fest. Die farbgewaltige Auseinandersetzung mit der Naturkatastrophe in New Orleans wird es, obwohl es kein jüngeres Werk ist, in die Schau schaffen. „Diese Stadt – so voller Musik, Kunst, Leben – war auf einmal so still“, sagt Gabriele Metasch.

Yoga und Chaos

Aktuelles Zeitgeschehen spiegelt sich in ihren Werken ebenso wider, wie das, was ihre Seele bewegt. „Manchmal mache ich Yoga oder eine Meditationseinheit, bevor ich mich an die Leinwand stelle“, sagt die Oldenburgerin – beim Malen ginge es viel ums Loslassen. „Wumms“ – eine Leinwand kippt um. Gabriele Metasch blickt auf und lacht. „Da passiert nix“, sagt sie und hebt das Bild vom Boden.

Katastrophen sind meistens laut. Manchmal geht die Welt aber auch im Stillen unter. Jede Situation hat ihre eigene Nuance. Die Krise als produktiven Zustand zu begreifen, ist echte Lebenskunst.
 Eröffnet wird die Schau am Freitag, 15. November, 18 Uhr im Niedersächsischen Studieninstitut an der Rosenstraße 14-16. Nach der Begrüßung wir Kuratorin Inge von Danckelmann eine Einführung geben. Zu sehen sind die Werke bis zum 30. März, von Montag bis Freitag zwischen 10 und 15 Uhr. Der Eintritt ist frei.

Lea Bernsmann Redakteurin / Redaktion Oldenburg
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