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NWZonline.de Region Stadt Oldenburg Kultur

Ausstellung: Wasserfarben zwischen Himmel und Erde

28.09.2018

Oldenburg Mit einem Kreuz aus Pappe richtet Tim Thyzel (52) Himmelsdarstellungen an einer Wand aus. Rund 40 der Miniaturen hat er bereits mit Klebepunkten befestigt. Wenn seine Ausstellung „Watercolors“ am kommenden Samstag eröffnet wird, werden es 365 sein. „Ich habe früher selbst mal in Museen beim Aufbau von Exponaten gearbeitet“, erzählt er schmunzelnd. „Das gibt mir einerseits die Sicherheit, dass ich es richtig mache. Anderseits die Panik, wie lange das hier noch dauert.“

Von Skulptur zu Aquarell

Die Serie heißt „Sky Diary“, Himmels-Tagebuch und dokumentiert, wie sich Thyzel nach 25 Jahren Bildhauerei an das Medium Aquarell herangearbeitet hat. „Wolken sind dabei relativ einfach“, sagt er. „Am schwierigsten ist ein ganz blauer Himmel – ohne sichtbare Pinselstriche und ohne, dass er wie eine Wand aussieht.“

Der gebürtige Hamburger lebt seit 1996 in New York. Den Weg ins Oldenburger Stadtmuseum fand er jetzt durch Alexander Goretzki von der Genossenschaft Polygenos, mit dem Tim Thyzel seit Jugendtagen befreundet ist. „Ich hatte schon länger die Idee, seine Aquarelle mal in Oldenburg zu zeigen. Seine Motive passen sehr zu der Art, wie wir Norddeutschen Landschaft und Natur wahrnehmen“, sagt Goretzki. Als Chorleiter begleitete er in diesem Jahr den Oldenburger Shantychor zur Steubenparade in New York. „Bei der Gelegenheit habe ich auch Tim mal wieder besucht. Dabei habe ich gespürt, dass dies jetzt der richtige Zeitpunkt für eine Ausstellung seiner Werke in Oldenburg ist.“

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Tim Thyzel bescheinigt sich selbst eine sentimentale Verbindung zur Landschaft. „Damit hat man es gerade in New York schwer, um die Natur auf meine Art wahrzunehmen und festzuhalten, muss ich immer rausfahren.“ Dabei macht er meist Fotos seiner Umgebung und fertigt auf deren Grundlage seine Aquarelle an. Selbst ein Grünstreifen neben der Straße kann ihn inspirieren. So geschehen auf einer Busreise von New York nach Washington zu einer Albrecht-Dürer-Ausstellung. Aus den Motiven entstand eine Serie namens „Road Nature“.

Thyzels Landschaften tragen aber immer auch unverkennbar Spuren des Menschen. Von Strommasten über Leitplanken bis hin zum kleines Wanderweg-Hinweisschild am Rande einer Wasserfall-Kulisse. Das ist durchaus auch als Augenzwinkern zu verstehen. „Humor ist ein Gleitmittel der Kunst“, sagt Thyzel, der auch als Bildhauer ironische Momente in sein Schaffen eingebaut hat: Etwa Bänke aus Polizeiabsperrungen oder einen Stadtmülleimer als Rucksack.

Die Aquarelle, die auf Grundlage seiner Fotos entstehen, sind so detailgetreu, dass sie selbst wie Fotografien wirken. „Ich will den Eindruck, den ich vom Foto habe, unmittelbar weitergeben“, erklärt Thyzel. „Dabei reizt mich vor allem, dass es für die Kamera nur ein Klick von nicht einmal einer Sekunde ist und ich mehrere Wochen Handarbeit brauche, bis es genau so aussieht.“

Techniken kombiniert

Um das zu erreichen, bedient er sich für ein Bild verschiedener Techniken. So werden beispielsweise fließende Strukturen wie der Himmel flächig mit dem Pinsel geschaffen, während er für filigrane Details wie Gras oder Blätter in den Bäumen Farbstifte oder die Trockenpinsel-Technik nutzt. „Das ist selten, denn eigentlich ist gerade die Aquarellmalerei eine sehr dogmatische Sache, auch was die Techniken angeht“, sagt Thyzel. „Aber für mich sind Dogmen dazu da, umgestoßen zu werden.“

Auch aus diesem Grund hat die Ausstellung einen für Puristen eher unverfänglichen Titel. „Aquarelle rufen ja doch immer gewisse Assoziationen hervor, etwa von ineinander verlaufenden Strukturen“, sagt Alexander Goretzki. „Dem entsprechen Tims Werke ja eher nicht. Deshalb passt ’Wasserfarben’ als Begriff eigentlich besser.“

Seine Bilder malt Thyzel zunächst in kleinen Formaten auf Postkarten- und sogar Visitenkarten-Größe, bevor er sie in das für ihn gängige A3-Format überträgt. „Bei dieser Größe stoße ich derzeit auch an meine Grenzen“, gesteht Thyzel. „Ich habe schon größere Formate versucht, aber dann werden die Details unklar und auch der Eindruck des Betrachters verwischt sich. So als ob man nur noch ein undeutliches Stück eines Ganzen wahrnimmt.“

Einen Blick auf das Ganze können Besucher bei der Vernissage am Samstag, 29. September, ab 16.30 Uhr im Stadtmuseum werfen. Thyzel wird ebenfalls anwesend sein und für Gespräche zur Verfügung stehen. „Wer nach dem Kramermarktsumzug eine Entschleunigung braucht, ist hier richtig“, sagt Alexander Goretzki schmunzelnd. Thyzels Werke sind bis zum 28. Oktober im Schauraum des Stadtmuseums zu sehen.

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